Arno Strobel Interview
Arno Strobel: Der Experte für spannende Thriller | Foto: HP Merten Fotodesign
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30. Jul 2012

Ann-Christin Kieter

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Bestseller-Autor Arno Strobel: Morgens IT, abends Thriller

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Der erfolgreiche Schriftsteller ("Der Trakt", "Das Wesen") im Interview

Warum lesen wir so gerne Thriller, Herr Strobel?

UNICUM: In Ihrem Buch "Das Skript" wird ein Autor verdächtigt, seinen Thriller real werden zu lassen. Jungen Frauen – teils mit journalistischem Hintergrund – wird die Haut vom Rücken abgezogen. Muss ich mir Sorgen machen?
Arno Strobel: Nein! Ich bilde mir mal ein, relativ normal zu sein. Der einzige Unterschied ist vielleicht, dass man als Thrillerautor die Fähigkeit hat, Alltagssituationen ein bisschen weiter zu spinnen.

Aber haben Sie nicht Angst, dass Psychopathen das eigene Buch als Vorlage für eine grausame Tat nehmen könnten?
Doch, ich habe mal kurz darüber nachgedacht, den Gedanken jedoch sofort wieder zur Seite geschoben. Wenn ich ernsthaft damit rechne, dass irgendein Spinner das in die Realität umsetzen könnte, darf ich solche Bücher nicht mehr schreiben.

Ich selbst greife immer wieder zu den Thrillern mit den brutalsten Klappentexten. Warum ist das nur so?
Meine persönliche Erklärung ist, dass man als Leser zum einen dieses leicht voyeuristische Gefühl ausleben kann. Zum anderen, und das ist das Ausschlaggebende, liest man über diese schrecklichen Dinge in der Gewissheit, selbst in Sicherheit zu sein.
 


Arno Strobel Schriftsteller


Sein Lebenslauf? "Bestenfalls ein Knäuel"

Durften Sie Ihren Kindern eigentlich Gute-Nacht-Geschichten erzählen? Oder hatte Ihre Frau etwas dagegen?
Das tue ich heute noch sehr gerne. Allerdings erzähle ich mittlerweile keine frei erfundenen Geschichten mehr. Keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil ich tatsächlich befürchte, dass ich da plötzlich irgendwo abdrifte.

Apropos abdriften: Dieses Stichwort passt auch gut zu Ihrer Vita.
Wenn man in meinem Lebenslauf nach einem roten Faden sucht, findet man bestenfalls ein Knäuel. Eine Mechaniker-Ausbildung, Abi auf dem zweiten Bildungsweg, zwei Studiengänge ? Das hängt einfach damit zusammen, dass ich mich ungern mit etwas zufriedengebe, was ich nicht wirklich will.

Mittlerweile arbeiten Sie seit 18 Jahren in der IT-Abteilung einer Bank in Luxemburg. Wie passen das Logische und das Kreative eigentlich zusammen?
Gerade weil die beiden Bereiche so unterschiedlich sind, funktioniert das so gut. Ich habe nämlich einen Cut. Den Tag über denke ich nicht ans Schreiben. Auf dem Nachhauseweg legt sich der Schalter dann um. Ich überlege, welche Szenen ich gleich haben möchte. Die Bank ist dann komplett weg. Dann drehen sich die Räder auch nicht weiter, wenn ich in einem schwierigen Projekt stecke. 

Das klingt nach einer Menge Stress.
Mein Pensum pro Jahr ist ein Buch. Abgabetermin ist Ende April. Je näher der Termin rückt, desto stressiger wird?s. Das ist dann die Zeit, wo ich Nächte durchschreibe. Und manchmal sitze ich dann vier Stunden im Büro und es klappt einfach nicht. Dann könnte ich in die Tastatur beißen. 

Da braucht man doch bestimmt einen konkreten Zeitplan?
Ich träume davon, dass ich so etwas habe. Schon als Student habe ich immer alles auf den letzten Drücker gemacht. Unter Druck bin ich am produktivsten. Das zieht sich nun wirklich wie ein roter Faden durch mein Leben. Mein allergrößtes Problem ist, dass ich im Grunde meines Herzens ein ziemlich fauler Mensch bin. Was nicht nur Nachteile hat. Ich bin überzeugt: Nur wer faul ist, wird Wege finden, effizient zu arbeiten.

Sein Erfolgsrezept als Autor

Und was ist Ihr Erfolgsrezept zum Schreiben?
Auf keinen Fall so handwerklich wie viele meiner Kollegen, sondern eher chaotisch. Gut, manchmal lande ich ohne festen Plan in einer Sackgasse. Dafür ist das Schreiben schon spannend wie das Lesen. Bei mir muss es auf den ersten fünf Seiten knallen.

Mit der Taktik fahren Sie bislang ja ganz gut ...
Stimmt. Aber als ich das erste Mal meinen Namen auf der Spiegel Bestseller-Liste gesehen habe, bin ich mir vorgekommen wie ein Hochstapler. Es konnte einfach nicht sein, dass ich zwischen Ken Follet und Stephen King stehe – Namen, die ich verehre.

Und wie würden Sie den Rummel um Ihre Person beschreiben?
Dass sich jemand dafür interessiert, eine Unterschrift von oder ein Foto mit mir zu bekommen, ist mir unbegreiflich. Aber es ist toll. Trotzdem werde ich nicht überall und ständig erkannt. Ich stand mal in einer Buchhandlung vor einem Stapel mit meinem "Das Skript", als eine Verkäuferin angelaufen kam und mir das Buch wärmstens empfahl: 'Kennen Sie das? Ist wirklich gut geschrieben ...'
 


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