Kleiderkreisel Geschichte
Kleiderkreisel: Der Klamotten-Flohmarkt erobert das Internet | Foto: Florian Hofmeister
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04. Dez 2013

Christina Rüschhoff

Archiv

Erfolgsgeschichte Kleiderkreisel

-ARCHIV-

Zwei Mädels, eine Couch und eine anziehende Geschäftsidee

Diese Erfolgsgeschichte beginnt auf einer Couch

2009 sind die Studentinnen Sophie Utikal und Susanne Richter in Litauen unterwegs und finden dank der Internetseite "Couchsurfing" bei Justus einen Schlafplatz. Was die beiden noch nicht wissen: Diese Begegnung wird ihr Leben verändern. Ja, so theatralisch darf man das ruhig sagen, denn aus den unbedarften Studentinnen von damals sind heute erfolgreiche Geschäftsführerinnen geworden.

Aber noch mal auf Anfang: Bei ihrem Litauen-Aufenthalt erzählt also Justus von einer Internetseite die er gerade erfunden und programmiert hat. Sie dient dazu, seine Kleidungsstücke auf drei Arten anzubieten: zum Tausch, zum Kauf oder zum Verschenken. Er fragt die jungen Frauen, ob sie die Seite für Deutschland betreiben wollen. Die beiden finden die Idee großartig, schlagen ein und übersetzen Justus? Seite Wort für Wort ins Deutsche.

"Dann fehlte eigentlich nur noch der Name", erinnert sich Gründerin Sophie an die Anfänge zurück. "Meine Kleiderei", "Stoffwechsel" und andere Titel waren im Rennen, bis es am Ende "Kleiderkreisel" schaffte. Darüber sind die Mädels heute sehr froh: "Der Name ist griffig und passt so gut zu uns, weil er verspielt ist - genau wie wir! Außerdem mögen wir Alliterationen."

Durchbruch durch Blogger

Nun wurde noch die Domain gesichert und dann konnte es losgehen. Eigentlich. Denn wie kommt man nun an seine Mitglieder? Klar, mit öffentlicher Aufmerksamkeit in den Medien - dachte sich Sophie: "Ich habe rund 1.000 Redaktionen angeschrieben. Keine einzige hat sich zurückgemeldet", so die heute 25-Jährige über die ersten Gehversuche.

Anfangs beschränkte sich Kleiderkreisel also auf Mitglieder aus dem Freundeskreis der Gründerinnen. Durch das Verteilen von Flyern auf Flohmärkten, Festivals, in Cafés und Bars wurden ganz allmählich auch andere Modefans aufmerksam. Ende des Gründungsjahres 2009 zählte Kleiderkreisel 1.000 registrierte Mitglieder.

Einen explosionsartigen Anschub erlebte die Seite dann durch den Beitrag einer Bloggerin, der wiederum andere Blogger auf den Plan rief. Die Modeplattform sprach sich herum wie ein Supersonderangebot im Schlussverkauf. Einem Artikel im "Cut Magazine" folgten viele weitere Beiträge - von jetzt an zählte die Seite täglich 20 neue Mitglieder. Damit nahm Kleiderkreisel schon bald eine Größe an, die von den Gründerinnen einige Entscheidungen forderte: Wenn es jetzt weitergehen soll, dann als "richtiger" Beruf, ohne Ablenkung, dafür mit Bezahlung. So wurde aus einer Lieb-haberei neben dem Studium eine ernstzunehmende Angelegenheit.

Magische Millionen-Marke geknackt

Komplettiert wurde das deutsche Gründer-Trio nun noch durch Martin Huber, der seine Berufserfahrung mit einbrachte. Die Finanzierung läuft bis heute über Werbebanner, die zunächst über "Google Adsense" vermittelt wurden. "Als Kleiderkreisel immer größer wurde, haben wir aber eine Agentur mit unserer Werbung beauftragt." Somit ist in wenigen Jahren ein florierendes Unternehmen herangewachsen, das heute mehr als 1 Million Mitglieder zählt.

Zusammen mit den Kollegen in Frankreich, Polen, Tschechien, Litauen und Österreich bildet die deutsche Vertretung mittlerweile ein globales Unternehmen.

Und plötzlich wird Sophie Utikal von der "Financial Times" interviewt, was vor allem ihren Papa sehr freut: "Ich glaube, er versteht nicht so ganz, was ich eigentlich mache. Aber da war er wahnsinnig stolz!" Und schon wartet auch der nächste Coup: Mit "Mamikreisel" geht das Team in die zweite Runde. Wir schauen, wie lange es dauert, bis hier ebenfalls die magische Millionen-Marke geknackt wird ...
 


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