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Welches Unternehmen erobert dein Praktikanten-Herz? | Foto: Thinkstock/Eugenio Marongiu

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17. Feb 2016

Christina Rüschhoff

Praktikum

Passendes Unternehmen gesucht: Tipps für Praktikanten

Mini-Firma oder lieber Grosskonzern?

Kriterien bei der Praktikumswahl

Unser Experte: Thomas Lüdeke ist Geschäftsführer der PRCC Personalberatung. Seine Schwerpunkte sind Recruiting in der Kommunikationsbranche, Strategieberatung in den Bereichen Personalveränderung und interne Kommunikation – außerdem ist er Dozent an der Zeppelin University in Friedrichshafen und der Universität Münster.

Die Unternehmensgröße:

In kleineren Unternehmen kann man schnell viel Verantwortung übernehmen, in größeren Firmen lernt man hingegen, in größeren Teams zu arbeiten. Beides kann im späteren Berufsleben helfen, deswegen macht es Sinn, verschiedene Unternehmensgrößen kennenzulernen.

Der Unternehmensbereich:

Wer sein berufliches Ziel schon genau kennt, sollte sein Praktikum nicht in vielen unterschiedlichen Bereichen wählen, das ist nicht zielführend. Das Gegenteil gilt für Unentschlossene – hier macht es Sinn, ganz unterschiedliche Betriebe kennenzulernen, um sich über die eigenen Vorstellungen klar zu werden.

Die Aufgaben:

Nicht nur als Praktikant gibt es auch mal banale Tätigkeiten, davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Ich koche auch meinen eigenen Kaffee und schiebe Zahlen durch lange Excel-Listen. Das ist einfach so – man muss auch mal Aufgaben machen, die keinen Spaß machen!

Die Einstellung:

"Pünktlichkeit halte ich für selbstverständlich. Daneben werden Verbindlichkeit und Verlässlichkeit heute von vielen Unternehmen sehr geschätzt. Weitere wichtige Eigenschaften sind Hartnäckigkeit und eine gesunde Neugier."

Die Erwartungshaltung:

"Die Welt rollt nicht den roten Teppich aus, man muss auch selber einiges tun und sich in Geduld üben. Ein richtiges Erwartungsmanagement bei sich selbst ist von daher sehr wichtig. Also: Nicht zu verbissen an das Thema Karriereplanung rangehen!"
 


Mini bis Maxi: Erfahrungsberichte von Praktikanten

Mini: "Ein-Frau-Unternehmen"

Annabell Gentgen studiert Komparatistik an der Uni Bonn und hat zwei Praktika in "Ein-Frau-Unternehmen" absolviert (Lektorat "stilsicher" und Textbüro "sommerfrisch").

"Ich hatte zwar schon als Reporterin und Journalistin gearbeitet, aber von großen Unternehmen wurde ich aufgrund mangelnder Erfahrung meist abgelehnt. Außerdem wollte ich lieber eine Praktikantenstelle, bei der Zeit in meine Ausbildung und Person investiert wird, und einen Chef, der mich respektiert. Bei den Ein-Frau-Unternehmen habe ich direkt viel Verantwortung übertragen bekommen. Ich konnte und musste eigenständig an laufenden Projekten mitarbeiten.

Auf meinen Wunsch hin haben sich beide Chefinnen viel Zeit genommen, mir neben dem Fachlichen auch zu erklären, was alles zum Organisieren der Selbstständigkeit gehört. Mir kamen die Praktika sehr entgegen, weil ich meine Arbeitsstunden selber einteilen konnte. Ich denke aber: Wer nicht gut organisiert ist und schlecht allein arbeiten kann, ist bei Ein-Personen-Unternehmen fehl am Platz, da für detaillierte Einleitungen oft die Zeit fehlt."

  • Das sagt der Experte: "Ich kann gut nachvollziehen, dass Annabell positive Erfahrungen in einem kleinen Betrieb gemacht hat, es gibt hier ein großes Pro-Argument: Man bekommt schnell viele Aufgaben und Verantwortung. Aber was man hier nicht lernt, ist das Arbeiten in größeren Teams, und das spielt später eine wichtige Rolle."
     

Midi: Mittelgrosse Firma

Louisa Schwarzkopf studiert "Equine Business and Economics" (Pferde-Business) in den Niederlanden und machte ein fünfmonatiges Praktikum im HR-Development (Personalentwicklung) und Marketing bei ECE Projektmanagement in Hamburg.

"Den ersten Monat war ich damit beschäftigt, mich in die Projekte einzuarbeiten und mir einen Überblick über das Unternehmen zu verschaffen. Inzwischen bekomme ich Aufgaben, die ich selbstständig lösen kann. Bei Problemen oder Fragen steht mir eine Betreuerin zur Seite. Ich bekomme auch ein faires Praktikantengehalt, außerdem beteiligt sich die Firma an meinem Monatsticket und den Essensmarken. Des Öfteren darf ich mit zu den Veranstaltungen, die ich mitorganisiere. Dabei helfe ich bei der Erstellung des Konzepts, buche die Locations, das Hotel und das Essen. Danach bearbeite ich auch die Rechnungen.

Ich habe auch schon mal in einem kleinen Unternehmen mit zehn Mitarbeitern gearbeitet. Das lässt sich nicht genau vergleichen, aber hier bei ECE sind die Aufgaben klarer strukturiert und komplexer. Dadurch, dass alles viel fachbezogener ist, kann ich Erfahrungen und Referenzen für zukünftige Bewerbungen sammeln."

  • Das sagt der Experte: "Louisa hat offensichtlich ein spannendes Praktikum erwischt, weil sie in verschiedene Bereiche reinschauen kann und so lernt, wie das Arbeitsleben funktioniert. Der Bereich 'Marketing' ist sehr dynamisch und sicher spannend für ein Praktikum – meistens darf man schnell mit anfassen!"
     

Maxi: Grosskonzern

Adrian Dörr hat einen Bachelorabschluss in "Business and Management with Law" von der Aberystwyth University, im Herbst folgt der Master. Seit August ist er Praktikant beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen "Deloitte" in Frankfurt.

"Ich war schon bei einem deutschen Maschinenbauer in Chile, einem Konsumgüterhersteller in Düsseldorf sowie einem Automobilhersteller in Indien. An großen Firmen reizt mich die Internationalität. Beim Bewerbungsprozess vor Ort gab es zwei Etappen: das persönliche Gespräch und die Ausarbeitung einer Lösung zu einem konkreten Szenario.

Als Praktikant habe ich nun einen festen Ansprechpartner, der eng mit mir zusammenarbeitet und mir alle zwei Wochen Feedback zu meiner Arbeit gibt. So ist das Praktikum für mich ein kontinuierlicher Prozess, bei dem ich viel lerne. Ich nehme regelmäßig an Meetings und Kundenveranstaltungen teil, u. a. auch im Ausland. Natürlich muss ich ab und zu Organisatorisches wie eine Hotelbuchung erledigen, dennoch vermitteln mir alle das Gefühl, dass ich gleichwertiger Bestandteil des Teams bin. Ich werde bei Projekten voll einbezogen und darf eigene Ideen einbringen."

  • Das sagt der Experte: "Das Arbeiten bei einer Unternehmensberatung ist intensiv und fordert eine hohe Einsatzbereitschaft. Man verdient gut, muss aber auch viel leisten. Wer in dem Bereich Karriere machen will, hat hier ein gutes Sprungbrett. Somit hat Adrian für sein Ziel sehr gute Voraussetzungen geschaffen – er macht alles richtig und hat das Praktikum klug gewählt!"
     

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