Berufseinstieg Finanzbranche
Einsteiger sollten nicht nur analytische Fähigkeiten mitbringen | Foto: Thinkstock/DragonImages
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25. Jul 2013

Martina Fromme

Archiv

Einstieg in die Finanzbranche

-ARCHIV-

Banker werden – jetzt erst recht?

"Besonders spannende Phase für Einsteiger"

Gertrud Kuffner, Leiterin Nachwuchsentwicklung bei der BayernLB:

"Wenn Banken im großen Stil kriseln, führt das natürlich zu Verunsicherung und Imageverlusten. Wir eleben die Finanzbranche zurzeit im Umbruch, aber ich denke, es steht außer Frage, dass sie ihre Berechtigung hat und wir nicht ohne sie auskommen. Letztlich ist dies somit auch eine besonders spannende Phase für Einsteiger, denn viel Aufregung auf der einen Seite bedeutet auch viel Neues und viele Herausforderungen auf der anderen Seite.

In Krisenzeiten kann man sein Know-how und seine Kreativität oft besonders gut einbringen. Absolventen scheinen dies zu wissen, denn die Bewerberzahlen sind keineswegs rückläufig. Die meisten haben das Thema Finanzmarktkrise in den letzten Jahren im Studium ausführlich diskutiert und wissen, wie sie die Situation einschätzen müssen und was sie als Berufseinsteiger erwartet.

Natürlich hat sich seit Beginn der Krise einiges verändert. Es ist ein Umdenkprozess im Gang, bei dem noch stärker aus Kunden-, aber auch aus Ertragssicht, gedacht wird. Insgesamt ist das Bankgeschäft schnellebiger und vielschichtiger geworden. Der Trend geht von einer festen Produktpalette zu verstärkt individuellen und flexiblen Lösungen. Banker sind nicht mehr vorwiegend Rechner und Buchhalter, sondern sie müssen kundenorientiert denken, aufgeschlossen und kreativ sein und gut im Team arbeiten können.

Und wenngleich in den vergangenen Jahren bei vielen Banken Personal abgebaut wurde, sind die Aussichten für Nachwuchskräfte sehr gut. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass Absolventen unverändert umworben werden. Auch die BayernLB stellt weiterhin 20 bis 30 Traineeplätze im Jahr für Bachelor- und Masterabsolventen zur Verfügung. Wichtig ist, dass Bewerber sich klarmachen, was sie können und wie ihre persönlichen Ziele aussehen. Dann gilt: Wer Motivation und Interesse am Bankgeschäft mitbringt, augeschlossen gegenüber Veränderungen  ist und den Mut hat, auch mal ins kalte Wasser zu springen, dem bietet die Branche nach wie vor beste Karrierechancen."
 


"Absolventen können Branchensituation gut einschätzen"

Martina Lohmüller, Gruppenleitung Nachwuchs Beratung Süd bei der Commerzbank:

"Wir merken schon, dass wir als Bank von den Bewerbern am Markt anders, das heißt in der Regel skeptischer, wahrgenommen werden. Dies gilt aber insbesondere für den Ausbildungsbereich, wo die Kandidaten deutlich jünger und unerfahrener sind und ihnen eventuell von den Eltern geraten wird, Ausbildungsalternativen in Betracht zu ziehen.

Bei den Akademikern ist die Nachfrage unverändert. Sie erleben wir noch immer als sehr offen und intressiert am Bankgeschäft. Dank ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisse können die meisten die Branchensituation gut einschätzen und wissen um die Themen und Heraufsforderungen, die es aktuell zu stemmen gilt. Natürlich tauchen in Vorstellungsgesprächen vermehrt Fragen zur Finanzmarktkrise sowie zur Lage unserer Bank auf, der Fokus liegt aber weiterhin auf dem Job, für den sie sich beworben haben, darauf, welche Aufgaben sie erwarten und womit sie von unserer Seite rechnen können.

Zweifellos entwickelt sich die Branche im Umbruch und unser tägliches Tun wandelt sich mit den Entwicklungen des Marktes, vor allem den regulatorischen Rahmenbedingungen. Die Anforderungen an Nachwuchsbanker sowie das Grundkonzept unserer Traineeprogramme haben sich jedoch nicht grundlegend verändert. Auf diese Dynamik stellen wir uns auch in den Nachwuchsprogrammen ein: Für uns ist entscheidend, dass Bewerber neben ihrem Fachwissen soziale Kompetenzen wie Kommunikations-und Teamfähigkeit mitbringen. Wichtig ist auch eine hohe Eigenmotivation und Lernbereitschaft sowie der Wille und die Hartnäckigkeit, sich mit der teilweise trockenen und sehr komplexen Materie auseinandersetzen zu wollen. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, dem bietet die Branche nach wie vor sehr gute Perspektiven und breit gefächerte Entwicklungsmöglichkeiten.

Trotz des geplanten Personalabbaus wird die Commerzbank auch dieses Jahr weiterhin abhängig von der Bewerberqualität circa 100 bis 120 Trainees aufnehmen. Besonders groß ist der Bedarf in der IT, was viele Absolventen gar nicht zu wissen scheinen, aber auch fürs Corporate Banking und die Bereiche Finance, Investmentbanking und Personal wird motivierter Nachwuchs gesucht.

Mag sein, dass das Image von Banken wie Bankern zuletzt ziemlich gelitten hat, aber fest steht: Wir sind auch ein wichtiger Teil der Gesellschaft und eine Branche mit Zukunft, die jetzt umso mehr zeigen muss, was sie kann. Interessierte Absolventen sollten also vorurteilsfrei an die Bewerbung rangehen und versuchen, die Menschen und ihren Arbeitsalltag zu erleben."
 


"Einstiegschancen für Akademiker unverändert gut"

Ulf Grimmke, Leiter Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik der AGV Banken:

"Die Finanzmarktkrise mag für einige strukturelle Veränderungen bei Banken gesorgt und auch zu Personalabbau und geringeren Gehaltsentwicklungen geführt haben – der erste Ausbildungsmarkt und die Einstiegschancen für Akademiker sind davon aber weitestgehend unberührt geblieben. Bedarf an gut ausgebildeten Wirtschaftswissenschaftlern und Juristen, aber auch (Wirtschafts-)Informatikern und Mathematikern, ist nach wie vor vorhanden und es wird eigentlich von all unseren Mitgliedern auf gleichbleibendem Niveau eingestellt.

Auch ein Imageverlust des Bankberufs lässt sich in der Gruppe potenzieller Bewerber grundsätzlich nicht erkennen, der Bewerberzulauf ist sowohl im Ausbildungsbereich als auch bei den Einstiegsprogrammen für Hochschulabsolventen in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Trotz Krisen- und Umbruchstimmung investieren die Banken viel Geld und Energie in ihre Ausbildungs- und Traineeprogramme, so dass Berufseinsteiger keineswegs um ihre solide Einführung in den Beruf fürchten müssen. Und auch die Einstiegsgehälter bewegen sich nach wie vor im gehobenen Bereich und müssen den Vergleich mit anderen Branchen nicht scheuen.

Auch und ganz besonders Absolventen auf den ersten Blick nicht unbedingt banktypischer Studiengänge wie Informatik, Physik oder gar Geisteswissenschaften kann ich daher guten Gewissens raten, Banken bei der Suche nach dem geeigneten Berufseinstieg öfter in Betracht zu ziehen."
 


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