Linguistische Unternehmensberatung
Sprache ist ein wichtiger Erfolgsfaktor | Foto: Thinkstock/Rawpixel Ltd
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01. Jun 2016

Janna Degener-Storr

Erfolgsgeschichten

Linguistische Unternehmensberatung: Sprache macht Erfolg

Geisteswissenschaftler haben auch was drauf – ein Best-Practice-Beispiel!

Nicht unter Wert verkaufen

Wer weiß am besten, wie Unternehmen die richtige Kundenansprache wählen? Diejenigen natürlich, die sich tagtäglich mit Wörtern, Sätzen und Texten beschäftigen: Geisteswissenschaftler, Germanisten, Linguisten. Davon zumindest ist Simone Burel (29) als Vertreterin dieser "Spezies" überzeugt.

Doch sie sieht auch ein Problem: "Viele Geisteswissenschaftler – und vor allem viele Geisteswissenschaftlerinnen – neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen." Die 29-Jährige selbst wollte jedoch unbedingt ihre Leidenschaft für den strategischen Einsatz dieser Disziplin zum Beruf machen und stieg nach ihrer Promotion als Kommunikationsleiterin bei einem Frankfurter Finanzdienstleister ein.

Da sie sich von der Firmenphilosophie allerdings eingeschränkt fühlte, gab sie ihr stabiles Einkommen schon nach wenigen Monaten wieder auf, um sich selbstständig zu machen. Seit der Gründung von "LU" (Linguistische Unternehmenskommunikation) sind jetzt rund eineinhalb Jahre vergangen. Simone Burel hat den Schritt bisher nicht bereut.

Analysen dank Computerlinguistik

Simone BurelZu ihren Kunden gehören unter anderem ein Dax-30-Konzern, verschiedene Finanzdienstleister und mehrere Start-ups. Für Großkonzerne, die häufig mit einer riesigen Anzahl von Sprachdaten arbeiten, hat sie mit Unterstützung von Computerlinguisten ein automatisiertes Analysetool entwickelt: "Häufig versuchen Community Manager zum Beispiel, die Texte von ihren Websites lesend auszuwerten. Das nimmt aber sehr viel Zeit in Anspruch und führt zu subjektiven Ergebnissen, weil Leseeindrücke vom Wissenshorizont desjenigen geprägt sind, der liest", erklärt Simone Burel.

Ihr LU-Tool dagegen "lese" und analysiere die Texte automatisch, bevor sie durch eine klassische qualitative Analyse gesichtet werden. Die Sprachwissenschaftlerin wertet damit zum Beispiel auch Texte von Blogs oder Communities aus, in denen sich Nutzer über ein bestimmtes Unternehmen äußern. So bekommt die Firma blitzschnell objektive Informationen, welche Schlüsselwörter in den Texten verwendet werden und was dies über die Einstellung der Zielgruppen aussagt, ob ihre potenziellen Kunden beispielsweise jugend- oder fachsprachlich unterwegs sind.

Noch keine großen Gewinne in Sicht

Bisher wirft LU zwar noch keine riesigen Gewinne ab und Simone Burel steckt noch viel Zeit in die Akquise von Neukunden. Doch immerhin kann die Germanistin schon von ihren Sprachanalysen leben. Dieser schnelle Erfolg lässt sich auch damit erklären, dass sie schon vor der Gründung das nötige methodische Rüstzeug an der Hand hatte: Bereits in ihrer Promotion hatte sie die Sprache der Dax-30-Unternehmen untersucht und basierend auf diesen Sprachdaten und Parametern die theoretische Basis für ihr LU-Tool entwickelt. Auch die ersten Kundenkontakte stammen aus dieser Zeit.

Und inzwischen präsentiert die 29-Jährige ihre Produkte natürlich auf ihrer Website, auf Facebook und in diversen Vorträgen, die sie auf Netzwerkveranstaltungen hält. Nebenbei gibt sie auch Seminare zu Themen wie "Angewandte Unternehmenskommunikation" oder "Weibliche Kommunikation".

Hilfe von der Start-up-Beratung

In der ersten Zeit der Selbstständigkeit bekam Simone Burel auch Unterstützung durch eine Start-up Beratung eines Mannheimer Gründerinnennetzwerks. Hier erfuhr die Geisteswissenschaftlerin, was Selbstständige über Businesspläne und Buchhaltung, Zielgruppenakquise, Versicherungen und Altersvorsorge wissen müssen. Besonders wichtig aber, so Simone Burel, war und ist für den Erfolg ihres Unternehmens ihr Selbstbewusstsein als Geisteswissenschaftlerin und Frau: "Es ist mir sehr wichtig, mich in einem männerdominierten Bereich zu behaupten. Und darin lasse ich mich nicht aufhalten."


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