Selbstständig Karriere-Kompass
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03. Aug 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Alternative Selbstständigkeit?

Wie man mit eigenen Ideen Karriere macht

Der natürliche Zustand des Menschen

Du findest einfach nicht den Job, für den du richtig brennen kannst? Den Job, der die ganze Bandbreite deiner Fähigkeiten einfordert und dir eine tiefe Zufriedenheit beschert. Zugleich sehnst du dich danach, selbstbestimmt zu arbeiten und nicht den Anweisungen anderer folgen zu müssen? Möglicherweise kann dann die Selbstständigkeit eine vielversprechende Option für dich sein.

Für Unternehmensberaterin und Autorin Brigitte Windt ist sie sogar noch viel mehr als nur eine von mehreren Möglichkeiten. "Selbstständigkeit ist der natürliche Zustand des Menschen. Denn nur so bin ich ständig ich selbst. Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, in Abhängigkeit zu arbeiten."
Diesen gleichwohl philosophisch angehauchten wie kontroversen Standpunkt reichert sie mit einigen offensichtlichen Vorteilen der Selbstständigkeit an: "Ich arbeite für mich selbst aus mir selbst heraus und nicht für die Ziele einer anderen Person und oder eines Unternehmens. Ich muss mich nicht an fremdformulierte Vorgaben anpassen oder mich zu irgendetwas überwinden."

Doch selbst wenn die berufliche Autonomie eher der menschlichen Natur entsprechen sollte als das weit verbreitete Angestelltenverhältnis, wäre zumindest noch eine Frage zu klären: Ist automatisch auch jeder gleich ein erfolgreicher (Klein-)Unternehmer? Windt antwortet folgendermaßen: "Die Einen haben den Unternehmergeist im Blut, die Anderen können ihn in sich entdecken, freilegen, ausbilden."

Bestimmte Kerneigenschaften gefragt

Ein unternehmerisches Bewusstsein, Selbstmotivation und Verbindlichkeit, strategisches und vorausschauendes Denken gepaart mit der Fähigkeit, das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren – dies sind dann aus ihrer Sicht unverzichtbare Grundeigenschaften eines Unternehmers und Selbstständigen. Nur mit Hilfe dieser Zutaten könne der sich ständig wiederholende Prozess aus Planung, Steuerung und Kontrolle langfristig erfolgreich gestaltet werden.

"Daneben benötige ich natürlich das zu meiner Branche passende Fach-Know-how sowie ein solides Grundwissen in Sachen Betriebswirtschaft", vervollständigt Windt ihre Aufzählung. Sei der Umgang mit kaufmännischen Details ein absolutes No-Go für den Gründer, müsse er aber zumindest in der Lage sein, diesen Aspekt sauber aus seinen Aufgabenbereich auszugliedern und zu delegieren – ohne die entscheidenden Kennzahlen ganz aus den Augen zu verlieren. "Das ist übrigens ein häufiger Fehler bei Gründern", sagt die Unternehmensberaterin und fügt an. "Sie bekommen einen Tunnelblick, konzentrieren sich auf bestimmte Bereiche, vernachlässigen dafür aber andere."

Um diesem Phänomen vorzubeugen, sei ein fundierter, in allen Dimensionen durchdachter Business-Plan hilfreich. Darin würden das Geschäfts-Modell mit seinen Meilensteinen und Zeit-Horizonten von Grund auf skizziert. Die Autorin dazu: "In dieser Phase sollten sich Existenzgründer unbedingt einen Berater mit ins Boot holen: jemanden mit frischen und kompetenten Blick von außen, der einem Feedback gibt, kritische Fragen stellt und auf Schwächen in der Planung hinweist." So könnten blinde Flecken oder unrealistische Planungsdetails rechtzeitig enttarnt und ausgemerzt werden.

Viele öffentliche Anlaufstellen

Anlaufstellen für Gründer fänden sich bei den Industrie- und Handelskammern, Arbeitsagenturen, den kommunalen Wirtschaftsförderungen sowie diversen anderen öffentlichen Stellen. "Da wird eine kurze Internet-Recherche einiges zutage fördern. Denn es gibt eine Vielzahl an Programmen, regionalen Wettbewerben und mitunter auch Stipendien für besonders vielversprechende Gründer."

Während sich die letztgenannten um das notwendige Startkapital in der Regel keine Gedanken mehr machen müssen, sorgt das Thema bei vielen "normalen" Gründern für Kopfzerbrechen: Eigen- oder Fremdfinanzierung? So lautet die Gretchen-Frage. "Jede Fremdfinanzierung hat grundsätzlich das Potential, zum Knock-out zu führen. Etwa, wenn irgendwann die Rückzahlungen an die Gläubiger alle anderen finanziellen Aktivitäten blockieren. Insofern muss man ganz genau abwägen, wie weit man sich finanziell von anderen abhängig macht", rät Windt. Wenn aber etwa größere Investitionen in Material oder Maschinen getätigt werden müssten, ginge dies häufig nicht ohne externe Finanzspritze. Seien im Vorfeld der Gründung schon konkrete Aufträge akquiriert worden, so sinke dementsprechend das finanzielle Risiko.

Ansonsten rät die Expertin Gründern dazu, in jedem Fall Rücklagen vorzuhalten und auch gerade in puncto Finanzplanung auf externe Expertise zu vertrauen. "Allein der Steuerberater reicht da aber nicht aus", betont sie. 

Selbstbewusstes Auftreten in Geschäftsverhandlungen

Ein wichtiger Mosaikstein sei überdies die Preiskalkulation und -gestaltung des eigenen Produkts respektive der eigenen Dienstleistung. Intensive Marktrecherchen und ein selbstbewusstes Auftreten in Geschäftsverhandlungen seien in diesem Kontext zu beachten. Windt: "Ein gesundes Selbstwertgefühl gehört dazu. Denn nur wenn ich mich nicht unter Wert verkaufe, habe ich die Chance auf nachhaltigen Erfolg."

Und apropos Erfolg: Als besonders vielversprechend erachtet Windt Neugründungen im Dienstleistungssektor, insbesondere in beratenden Berufen (z.B. Online-Marketing), heilenden Berufen (z.B. Heilpraktiker) oder in kreativen Berufen (z.B. Designer). Daneben könnten auch beispielsweise  Produkte wie Designer-Möbel, -Mode und Feinkostartikel den Kern einer erfolgreichen Selbstständigkeit bilden: "Ich brauche Persönlichkeit und mein ganz persönliches Images, damit ich eine adäquate Kundenmenge erreiche und gut von meiner Selbstständigkeit leben kann."


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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