Heimliche Liebe am Arbeitsplatz
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22. Dez 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Liebe unter Kollegen - geht das?

Das Liebesglück als Karriere-Risiko

Kennenlernen leicht gemacht

Buchautor und Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger beschreibt zunächst einmal die beziehungsfördernden Aspekte, die dem Arbeitsleben allgemeinhin innewohnen. "Wir verbringen dort sehr viel Zeit und lernen die Kollegen über Monate oder auch Jahre hinweg näher kennen - völlig losgelöst von irgendwelchen Partnerschaftsintentionen. Ich muss mich nicht "outen" und meine Sympathien offenlegen, um den anderen wieder zu sehen. Das ist ein sehr entspannter Rahmen fürs Kennenlernen."

Außerdem habe man über die Arbeit ein großes gemeinsames Thema, das verbindet. "Das alles ist schon einmal eine gute Basis für eine Beziehung", so Krüger. Zudem könne man davon ausgehen, dass sich in einer Berufsgruppe häufig ähnliche Charaktere wiederfinden. "Und wir fühlen uns ja meist von den Menschen angezogen, mit denen wir einiges gemeinsam haben."

Katastrophale Folgen möglich

Trotz dieser günstigen Voraussetzungen lässt der Experte aber keinen Zweifel daran, dass die Liebe am Arbeitsplatz zugleich eine Menge Risiken birgt. "Ein paar Punkte sind in jedem Fall zu beachten, sonst kann es fatale Folgen haben." So rät er jedem Frischverliebten, sich gleich zu Beginn eine sehr unangenehme Frage zu stellen: Was passiert, wenn es nicht funktioniert? Muss man die Ex trotzdem jeden Tag sehen, was das Verarbeiten einer Trennung erheblich erschwert? Und schlimmer noch: Kann der emotional verletzte Ex-Partner einem beruflich schaden?

"Davon will man natürlich nichts wissen, wenn man auf Wolke sieben schwebt, aber man sollte unbedingt in Ruhe darüber nachdenken." Versetzungen in eine andere Abteilung oder sogar ein Job-Wechsel könnten einen möglichen Ausweg darstellen und einem später unangenehme Folgen ersparen.

Experte rät zur "Probezeit"

Denn Vorsicht: Gefühle sind vergänglich. Manchmal entpuppe sich die große Liebe doch nur als vorübergehende Schwärmerei, warnt der Experte. Er plädiert daher auch für eine "Probezeit" für die neue Beziehung: "Halten Sie diese die ersten drei Monate unter Verschluss und schauen Sie, ob sie sich als wirklich tragfähig erweist!"

Dann stelle sich die Frage, wie Kollegen und Vorgesetze reagieren: Waren derartige Beziehungen in früheren Zeiten meistens unerwünscht, so wüssten mittlerweile viele Unternehmen solche Verbindungen zu schätzen, da sie in der Regel die Bindung zum Arbeitgeber stärke und zu einer größeren Identifikation mit diesem führe.

Manche Konstellationen sehr bedenklich

"Höchst problematisch sind Beziehungen zwischen Kollegen allerdings, wenn einer der beiden ein Geheimnisträger ist und Kenntnis über sensible Informationen hat oder aber dem anderen direkt vorgesetzt ist. Dann ist ein Jobwechsel oder eine Versetzung eigentlich unvermeidbar. Sonst begeben sich beide auf sehr dünnes Eis", meint Krüger.

Wird die junge Liebe nicht davon  überschattet und übersteht sie ihre erste "Probephase", muss sie nach Ansicht des Experten aktiv kommuniziert werden - bevor die Gerüchteküche im Kollegium überkocht. "Der gute Ruf ist ganz schnell ruiniert, wenn sich Gerüchte und Halbwahrheiten ihren Weg durch die Büros bahnen", warnt der Autor eindringlich. "Munkelt der ganze Flur schon darüber, dass zwei Kollegen sich in der Horizontalen besprechen, sind verheißungsvolle Karrieren schnell ausgebremst."

Professioneller Umgang gefragt

Auch für die Zeit nach dem Liebes-Outing hat der Experte eine glasklare Empfehlung: "Begegnen sie sich auf der Arbeit professionell wie Kollegen." Heißt: Kein Kuscheln im Meeting, kein Knutschen in der Büro-Küche und keine zärtliche Berührungen bei der Begegnung auf dem Flur. Diese professionelle Distanz müsse unbedingt gewahrt werden, um allen zu signalisieren, dass die Lebensbereiche nicht beliebig vermischt würden und beide seriös mit der Situation umgehen.

Was ist sonst noch wichtig bei einer Beziehung unter Kollegen? "Eine gute Portion Humor und Gelassenheit sind gute Zutaten. So münden Diskussionen auf beruflicher Ebene nicht direkt in emotional aufgeladenen Beziehungsdramen", sagt Krüger und fährt fort: Sensiblen Typen falle es hingegen oft schwer, die unterschiedlichen Lebensbereiche gefühlsmäßig zu trennen. Dann würde der Partner die Minuspunkte, die er am Tag über als Kollege im Büro gesammelt hat, abends auch mit nach Hause nehmen. "So etwas sabotiert natürlich eine Beziehung."

Rivalität fördert Neid

Ebenfalls problematisch sei eine direkte Rivalität zwischen den Partnern. Krüger dazu: "Wenn ich den gleichen Job habe wie meine Partnerin und sie ist viel erfolgreicher und ich bekomme das tagtäglich mit, wird es schwer, den fast zwangsläufig aufkeimenden Neid abzublocken." Das gelte insbesondere für bestimmte Berufe (Schauspieler, Sportler..), für die es viel öffentliche Anerkennung gebe. Auch müssten Partner darauf achten, privat nicht nur über den Job zu reden.
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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