Kreatives Arbeiten - auch im Projektmanagement
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20. Dez 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

So geht Projektmanagement

Planen, Steuern, Kontrollieren

Projektmanagement-Skills werden immer gebraucht

Nein, man muss kein Ingenieur oder Software-Entwickler werden, um es im Job mit Projekten zu tun zu bekommen. Die Veranstaltung im Museum, die neue Kunden-Broschüre oder die Umstrukturierung im Unternehmen: Im Prinzip ist das ganze Arbeitsleben von Projekten zugepflastert. Dementsprechend sind Projektmanagement-Skills universal einsetzbare Fähigkeiten, die (fast) jeder Absolvent gebrauchen kann.

Das sieht auch Projektexpertin und Buchautorin Doris Helzle so: "Fähige Projektmanager sind heutzutage eigentlich in allen Disziplinen gefragt. Und es gibt ein paar grundlegende Eigenschaften, die man dabei fächerübergreifend gebrauchen kann." Häufiges Problem: Studierende lernen in Seminaren die theoretischen Konzepte und Herangehensweisen, können damit aber nicht den Brückenschlag in die Praxis vollziehen.

Allmählich hineinwachsen

"Meine Empfehlung an Berufseinsteiger ist daher, frühestmöglich in einem Projekt mitzuarbeiten", sagt Helzle und fährt fort: "Es geht erst einmal darum, ein Gespür für diese Form der Arbeit zu bekommen. Dazu muss man offen sein und Bereitschaft zeigen, in Aufgaben ganz allmählich hineinzuwachsen. "Ähnlich wie beim Jonglieren könne man nicht aus dem Stand heraus damit anfangen, sechs Bälle in der Luft zu halten. Vielmehr sei ein behutsamer Start mit zwei Bällen und das sukzessive Hinzunehmen weiterer Bälle (respektive Aufgaben) ratsam.

Welche grundlegenden Fähigkeiten ein Projektmanager braucht, damit es - um im Bild zu bleiben - für sechs Bälle reicht, weiß die Expertin auch. Sie führt als zentrale Eigenschaften Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit, Führungskompetenz und ein gewisses Improvisationstalent an. Denn: "Um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen, muss ein Projektleiter alle Beteiligten mitnehmen, damit sie ihre Fähigkeiten bestmöglich in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen. Häufig ändern sich im Rahmen eines Projektes bestimmte Parameter. Auf solche Umstände muss man dann flexibel reagieren können."

Nicht sofort das Handtuch werfen

Eine gesunde Portion Optimismus und die Fähigkeit zum Querdenken würden das Profil eines idealen Projektleiters abrunden, so Helzle. "Wenn es mal holpert, darf man nicht sofort das Handtuch werfen. Eine große Qualität ist zudem, die erarbeiteten Lösungsansätze grundsätzlich hinterfragen zu können und quasi mal umgekehrt zu denken. "Dieses Querdenken blockiere den Automatismus, in gängige Verhaltens- und Denkmuster zu verfallen, die ja nicht zwangsläufig zum besten Ergebnis führen. Im Idealfall sind Projektteams sowieso möglichst heterogen zusammengesetzt. Aus einer Vielzahl an Sichtweisen und Perspektiven kann sich dann die tragfähigste Lösungsstrategie herauskristallisieren."

Die Anforderungen an einen guten Projektmanager lassen sich demnach ziemlich klar formulieren. Dennoch fallen vermutlich jedem Leser dieser Zeilen auf Anhieb zwei Projekte ein, die grandios gescheitert sind. Wieso werden also so häufig Projekte in den Sand gesetzt? "Das größte Manko ist, dass zu wenig Zeit und Sorgfalt in die Auftragsklärung investiert wird. Alle Beteiligten wollen so schnell wie möglich anfangen. Diese Ungeduld führt aber häufig dazu, dass wichtige Details übersehen und nicht berücksichtigt werden", skizziert Helzle einen typischen Kardinalfehler.

Illusorische Vorstellungen enttarnen

Den zugrundeliegenden Auftrag in seinen ganzen Facetten zu begreifen, sei demnach essentiell. Auftraggeber und alle Projektbeteiligten sollten über ein gemeinsames Verständnis der Materie verfügen und die gleiche Zielsetzung haben. Illusorische Vorstellungen  müssten gnadenlos enttarnt und an die Wirklichkeit angepasst werden. "In der anknüpfenden Planungsphase hat eine nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung zu folgen", empfiehlt die Expertin. Dieser Zeitpunkt sei dafür prädestiniert, gegebenenfalls die Notbremse zu ziehen und einen Auftrag abzulehnen. "Wenn ein Projekt von Vorneherein zum Scheitern verurteilt ist, sollte man die Finger davon lassen. Dafür ist das Risiko zu groß, später zum Sündenbock gemacht zu werden und sich so seine Karriere zu ruinieren."

Bestünden jedoch keine grundsätzlichen Bedenken, könne die Planungsphase weitergehen. Sorgfältig müssten darin die zur Verfügung stehenden Ressourcen einkalkuliert werden. Wie genau geplant werden soll? Gewiefte Projektleiter verfahren dabei frei nach dem Motto `So viel wie nötig und so wenig wie möglich`.

Jedes Projekt eine Gratwanderung

Ein wenig Zeitdruck ist nach Aussage der Expertin gar nicht unbedingt ein Nachteil - vorausgesetzt, es werden an entscheidenden Zeitpunkten kleine Puffer eingeplant. Helzle dazu: "Jedes Projekt ist ein Stück weit eine Gratwanderung und hat seine individuellen Eigenheiten. Wenn man aber die essentiellen Punkte beachtet, sind die Erfolgsaussichten groß. Und Projektarbeit kann dann sogar richtig Spaß machen."
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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