Ehrenamt im Lebenslauf
Ein Ehrenamt sollte von Herzen kommen | Foto: Thinkstock/Cameron Whitman
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12. Apr 2016

Mona Contzen

Lebenslauf

Ehrenamt im Lebenslauf

Bessere Jobchancen durch soziales Engagement

Echtes Engagement

Ehrenamtliche Tätigkeiten gehören in den Lebenslauf. Denn sie helfen nicht nur der Gemeinschaft, sondern fördern ganz nebenbei auch die eigene Karriere. Mit der freiwilligen Arbeit können Jobsuchende schon bei der ersten Durchsicht aus der Masse der Bewerbungen hervorstechen und in begrenztem Umfang sogar auch mal die überzogene Regelstudienzeit entschuldigen.

"Soziales Engagement nötigt Respekt ab, da muss es nicht unbedingt ein Notendurchschnitt von 1,0 sein", sagt Karriereberater Jürgen Hesse vom Autorenteam Hesse/Schrader. Außerdem erlangen besonders Berufseinsteiger durch das Ehrenamt Kompetenzen, mit denen sie in den Augen der Personalchefs ihre mangelnde Berufserfahrung wettmachen können – beispielsweise durch Organisationsvermögen, Geduld oder gutes Zuhören. Diese Soft Skills wirken im persönlichen Bewerbungsgespräch viel überzeugender, wenn sie mit konkreten Praxisbeispielen untermauert werden.

Keine Lebenslaufkosmetik

Mustergültiger Lebenslauf mit Ehrenamt | Foto: Sarah BurriniEin Viertel aller 14- bis 30-Jährigen, die sich in Deutschland ehrenamtlich engagieren, wollen nach eigenen Angaben durch die freiwillige Tätigkeit vor allem auch beruflich vorankommen. Das ist nicht verwerflich, aber Vorsicht: Wer seinen Lebenslauf aus lauter Ehrgeiz allzu stark frisiert, fliegt in der Regel spätestens bei der persönlichen Vorstellung auf. Denn die Personalchefs haken im Bewerbungsgespräch gerne genauer nach.

"Man muss Auskunft darüber geben können, warum man sich engagiert und was man dort gelernt hat", weiß Jobprofi Hesse. Wenn ein Kandidat ins Stottern gerät, sobald er konkrete Situationen innerhalb der freiwilligen Arbeit beschreiben oder Details nennen soll, sind die Aktivitäten schnell als Heuchelei entlarvt. Nur wer tatsächlich darlegen kann, dass sein Engagement auch nützliche Fähigkeiten für die berufliche Laufbahn vermittelt hat, steigert seine Chancen beim Arbeitgeber.

Qualität geht vor Quantität

Ehrenämter beweisen zwar Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein, der Arbeitgeber darf aber nicht den Eindruck haben, dass der Beruf unter der freiwilligen Arbeit leiden könnte. Ein Amt reiche deshalb völlig aus. "Zu viel ist verdächtig", sagt Hesse.

Bei der Aufzählung im Lebenslauf sollten also Prioritäten gesetzt werden: Soziales Engagement und alles, was mit Menschen zu tun hat, hat bei Personalern einen höheren Stellenwert als die Vorstandsmitgliedschaft im Schäferhundezuchtverein. Aber auch hier kommt es auf die Message an: "Wenn ich für Kinder im Krankenhaus den Clown spiele, hat das einen anderen Klang als die Hilfe für minderjährige Prostituierte", weiß der Coach.

Besondere Vorsicht ist beim Engagement in politischen Parteien geboten. Wer damit punkten will, ohne das Lager des Arbeitgebers zu kennen, sollte inhaltliche Positionen vermeiden und lieber die Fähigkeiten unterstreichen, die durch die politische Arbeit erlangt wurden.

Zu wenig Zeit

Wer neben dem Studium aber keine Zeit für ein Ehrenamt hat, muss deshalb nicht gleich in Panik geraten. Denn die freiwillige Tätigkeit fällt bei einer Bewerbung zwar positiv auf, ist in Zeiten des Fachkräftemangels jedoch längst kein Ausschlusskriterium.

Einen Mittelweg für gestresste Studenten, die sich engagieren wollen, bietet zum Beispiel die Initiative "Heute ein Engel", die in Berlin, München und Hamburg Kurzzeit-Einsätze von einigen Stunden in sozialen Projekten vermittelt. Auch das Online-Volunteering eröffnet über das Internet bei knapper Freizeit eine Möglichkeit, für gemeinnützige Organisationen zu arbeiten: im Bereich des Freiwilligen-Managements, im Fundraising oder beim Austausch von Know-how.


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