Rechte Vorstellungsgespräch
Bei falschen Versprechen zum Urlaub hört der Spaß auf ... | Foto: Thinkstock/lolostock

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15. Apr 2016

Melanie Gralke

Vorstellungsgespräch

Deine Rechte im Vorstellungsgespräch

Was ist erlaubt?

Darf im Bewerbungsgespräch lügen?

"Vom Fragerecht des Arbeitgebers getrennt zu betrachten ist, ob es eine Offenbarungspflicht des Bewerbers gibt", weiß der Experte. Diese Frage stellte sich auch Diana (25). Die Absolventin der RWTH Aachen wurde bei ihrem ersten Bewerbungsgespräch gleich zu Beginn vom Arbeitgeber gefragt, ob sie in nächster Zeit plane, Kinder zu bekommen und eine Familie zu gründen. Zwar verneinte sie dies, wusste aber nicht, ob sie das auch durfte, da sie eigentlich plant, früher oder später schwanger zu werden.

"Das 'Recht zur Lüge' gibt es immer dann, wenn der potentielle Arbeitgeber eine Frage stellt, die rechtlich nicht zulässig ist." Beantwortet ein Bewerber aber eine zulässige Frage wissentlich falsch und stellt sich dies erst später heraus, droht ihm eine Anfechtung des Arbeitsverhältnisses wegen arglistiger Täuschung, mit der nicht zu spaßen ist. "Dies kann dann eine sofortige Beendigung des Arbeitsverhältnisses nach sich ziehen", sagt Uwe Schlegel.
 


Muss ich auf jede Frage antworten?

Tabufragen im Vorstellungsgespräch

Darf der Arbeitgeber alles über mich wissen und muss ich immer korrekt antworten? "Die Grundaussage ist: Der Arbeitgeber darf jede Frage stellen, an deren Beantwortung er ein sachliches begründetes Interesse hat", erklärt Dr. Uwe Schlegel, Rechtsanwalt und Dozent für Zivil-, Wirtschafts- und Arbeitsrecht aus Köln.

Unproblematisch für den Arbeitgeber sind daher Fragen nach der beruflichen Qualifikation des Arbeitnehmers, nach dem Führerschein oder der körperlichen Eignung. Wichtig ist allein das betriebliche Interesse hieran. "Grundsätzlich nicht erlaubt sind dagegen die Fragen nach der Schwangerschaft, der politischen oder sexuellen Ausrichtung des Bewerbers und dem religiösen Bekenntnis", sagt Schlegel.

"Es gibt jedoch im Einzelfall Ausnahmen." So kann bei der Einstellung in eine konfessionelle Einrichtung die Frage nach dem Bekenntnis doch erlaubt sein. Gleiches gilt für Fragen, die im Mittelfeld liegen. Dazu gehören insbesondere die Fragen nach Vorstrafen oder einer Behinderung. Diese sind im Einzelfall jedenfalls dann zulässig, wenn sie präzisiert sind und sich konkret auf die ausgeschriebene Tätigkeit beziehen.
 


Kann ich mich auf Versprechungen verlassen?

Gut zu wissen ist auch, dass der Arbeitgeber den Bewerber nicht mit übertriebenen Versprechungen aus einer bestehenden Position herauslocken darf. "Wer einem Bewerber anbietet, das bestehende Gehalt zu verdoppeln, ihm eine Anstellung auf Lebenszeit zu geben und dieser später feststellt, dass dies leere Versprechen waren, macht sich unter Umständen schadensersatzpflichtig", weiß der Anwalt.
 


Werden meine Fahrtkosten erstattet?

Wer sich in einer anderen Stadt oder in einem anderen Bundesland bewirbt, hat oft eine lange Anreise zum Ort des Bewerbungsgesprächs. "Die Reisekosten hat der Arbeitgeber grundsätzlich zu erstatten", erklärt Schlegel. "Es sei denn, er hat vorher daraufhin gewiesen, dass derartige Kosten nicht erstattet werden."

So sind Fahrtkosten für eine Strecke von Hamburg nach München ebenso zurückzuzahlen, wie Kosten, die für eine Strecke innerhalb einer einzigen Stadt anfallen. "Die Höhe der erstattungsfähigen Reisekosten sind allerdings rechtlich ebenfalls immer eine Frage des Einzelfalls", so Schlegel. "Ob auch Flüge oder Taxikosten vom Arbeitgeber zu bezahlen sind, kann nicht allgemein bejaht oder verneint werden." In allen Fällen gilt aber: Es lohnt sich, zu prüfen und beim Arbeitgeber nachzuhaken.
 


Ist eine Blutprobe erlaubt?

Immer mehr Unternehmen verlangen seit einiger Zeit bei der Einstellung Blut- oder Urintests. Sven (28), Absolvent der Universität Duisburg-Essen, stellte sich bei einem Automobilhersteller vor und wurde nach Abschluss des Bewerbungsgesprächs zur Blutprobe gebeten, die er auch über sich ergehen ließ, aus Angst, den Job ansonsten nicht zu bekommen.

"Der Arbeitgeber darf niemanden verpflichten, sich einem solchen Gesundheitstest zu unterziehen", weiß Rechtsanwalt Schlegel. Dies kann einen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht und die körperliche Unversehrtheit eines Bewerbers sein. Schwierig wird es trotzdem, wenn der Arbeitnehmer sich weigert, da er sonst Gefahr läuft, für den Job nicht genommen zu werden. Eine Pflicht, sich einem Gesundheitstest zu unterziehen, trifft den Bewerber in diesem Fall jedenfalls nicht.
 


Wie viel Gehalt und Urlaub sind okay?

Wer sich vertraglich auf einen sittenwidrigen Lohn eingelassen hat, kann im Nachhinein gerichtlich seinen Anspruch auf das tariflich festgesetzte Entgelt oder – wenn es ein solches nicht gibt – die übliche Vergütung geltend machen. "Wer nur einen Hungerlohn bekommt, kann die Differenz vor Gericht einklagen", sagt Schlegel.

Stutzig werden sollte ein Bewerber generell, wenn er in seinem Arbeitsvertrag eine Vergütung von fünf oder sechs Euro pro Stunde findet. "Dies ist in vielen Fällen sittenwidrig", meint Uwe Schlegel. Gleiches lässt sich übrigens für die Urlaubszeiten sagen. "Alles unter einem Jahreserholungsurlaub von vier Wochen ist ebenfalls sittenwidrig", weiß der Anwalt.
 


Fazit

  • Letztlich gilt: Wer mit einer guten Vorbereitung ins Vorstellungsgespräch geht und weiß, was ihn dort erwarten kann und welche Rechte er hat, steht auf der sicheren Seite.
     

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