Brancheninfo Maschinen- und Anlagebau
Ingenieuere aufgepasst! Maschinen-und Anlagebau sucht Nachwuchs | Foto: Thinkstock/ZoonarAF
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21. Apr 2017

Sabine Olschner

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Brancheninfo Maschinen- und Anlagenbau

Aussichtsreiche Zukunft in der vielseitigen Branche

Interdisziplinär Denken

Wie vielfältig die Einsatzgebiete von Maschinen und Anlagen sind, zeigt allein der Blick auf die 38 Fachverbände des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA): Sie beschäftigen sich mit Themen von A wie Abfall- und Recyclingtechnik bis W wie Windenergie. Dazwischen liegen weitere interessante Einsatzgebiete wie Robotik und Automation, Mess- und Prüftechnik oder Klima- und Lüftungstechnik. Zu den größten Fachzweigen gehört der Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbau mit knapp zwölf Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2013. Insgesamt setzte die Branche vergangenes Jahr 206 Milliarden Euro um.

Meist mittelständische Prägung

Über 6 000 Unternehmen mit zusammen 986 000 Mitarbeitern beschäftigen sich in Deutschland mit Maschinen- und Anlagenbau, die meisten von ihnen sind mittelständisch geprägt. "Viele Absolventen konzentrieren sich bei ihrer Bewerbung auf die Großen der Branche", sagt Dr. Jörg Friedrich, Abteilungsleiter Bildung beim VDMA. "Dabei finden sich unter den Mittelständlern viele international tätige Firmen, die in ihrer Nische Weltmarktführer sind und entsprechend spannende Aufgaben bieten." Der Akademikeranteil ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen: Waren 1982 gerade einmal sieben Prozent der Beschäftigten Ingenieure, sind es heute 17 Prozent. Und das Studium Maschinenbau/Verfahrenstechnik erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit: Mehr als 40 000 Studienanfänger gab es im Herbst 2013, rund 20 Prozent von ihnen sind Frauen.

Digitalisierung und übergreifende Fachdisziplinen

Was wird auf die Absolventen zukommen, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben? "Als ein Trend ist zu beobachten, dass einzelne Fachdisziplinen immer mehr verschwimmen", erklärt Jörg Friedrich. Wer sich mit Maschinenbau beschäftigt, muss sich immer häufiger auch mit Fragen aus der Informatik oder der Elektronik auseinandersetzen. Ein anderer Trend, der damit einhergeht, ist das Thema Industrie 4.0: Maschinen werden per Software miteinander vernetzt und kommunizieren künftig untereinander. "Dadurch werden die Teams viel interdisziplinärer: Verschiedene Fachrichtungen arbeiten enger miteinander zusammen, und technische Details müssen jeweils für alle Disziplinen verständlich übersetzt werden." Durch die zunehmende Digitalisierung in den Fabriken sind Maschinenbauingenieure künftig viel stärker in den Produktionsprozess eingebunden. "Man liefert dem Kunden nicht mehr nur eine Maschine, die dann viele Jahre unverändert läuft. Stattdessen begleitet der Maschinenbauer die Produktion, die künftig viel individueller nach Kundenwünschen gesteuert werden kann."

Hoher Innovationsgrad

Die Ideen werden der innovativen Branche wohl auch in Zukunft nicht ausgehen. Dafür sorgt allein der hohe Innovationsgrad in den Unternehmen: 2012 wurden deutlich über 13 Milliarden Euro in Innovationsaufwendungen investiert, das sind knapp zehn Prozent der internen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der Gesamtwirtschaft. Damit zählt der Maschinenbau neben dem Fahrzeugbau, der Elektrotechnik und der pharmazeutischen/chemischen Industrie zu den forschungsstärksten Industriebranchen in Deutschland. Gut 41 000 Mitarbeiter sind mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben beschäftigt. Ihre Zahl wurde im vergangenen Jahrzehnt kräftig aufgestockt.

Nachwuchs gesucht

Derzeit schätzt Jörg Friedrich die Chancen für Berufseinstieger als gut ein. Aber das kann sich auch wieder ändern: "Kaum eine Branche ist so konjunkturabhängig wie der Maschinen- und Anlagenbau: Geht es der Wirtschaft insgesamt gut, werden Maschinen gebraucht - geht es ihr schlecht, bleiben Aufträge aus", erklärt der VDMA-Experte. Andererseits ist über die Hälfte der Maschinenbauingenieure derzeit älter als 45 Jahre. Wenn diese in den nächsten Jahren aus dem Beruf ausscheiden, entsteht eine Lücke, die durch Nachwuchsingenieure gefüllt werden muss.

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