Coach ist nicht gleich coach
Mit dem richtigen Coaching Karriere machen | Foto: Thinkstock
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03. Dez 2012

Birk Grüling

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Coach me if you can: Business-Trainer bei der Arbeit

-ARCHIV-

UNICUM stellt drei bemerkenswerte Coaching-Methoden vor

Frank Busemann: "Meine Aufgabe ist der Blick von draußen"

Als Sportler war Frank Busemann ein sympathischer und erfolgreicher Zehnkämpfer und Hürdenläufer. Er gewann 1996 in Atlanta olympisches Silber und wurde U23-Europameister, gleichzeitig warfen Verletzungen ihn immer wieder zurück. Ein solcher Mann muss doch etwas zu erzählen haben, dachte man sich auch bei einem Automobilzulieferer und lud ihn 2000 zu einem Vortrag ein.

"Mir war Coaching damals völlig fremd und ich habe mich gefragt, was die von mir lernen wollen", erinnert sich Busemann lachend. Mit schweißnassen Händen sei er schließlich zu der Präsentation gefahren – nur mit ein paar Folien für den Overheadprojektor im Gepäck. "Ich habe der Belegschaft letztlich einfach etwas über meine sportlichen Erfolge und Rückschläge erzählt" zuckt der 37-Jährige mit den Schultern. Mit beiderseitigem Erfolg: Die Zuhörer waren begeistert von den Ausführungen und für Busemann eröffnete sich im Herbst seiner Sportkarriere eine neue berufliche Perspektive.

Zuerst hielt er zwischen Wettkämpfen und Trainingslagern nur sporadisch Vorträge. Nach seinem Karriereende 2003 stieg der 37-Jährige dann für mehrere Projekte bei einer Unternehmensberatung ein. Eine äußerst lehrreiche Zeit, wie er heute sagt: "Ich habe erfahren, wie man gute Präsentationen hält, wie das Tagesgeschäft in großen Unternehmen abläuft und wie man die eigenen Bilder und Aussagen greifbar macht."

Allesamt wichtige Voraussetzungen für seine heutige Arbeit als Businesscoach: "Auf der einen Seite spreche ich vor großen Gruppen oder Belegschaften, dann halte ich eher einen Frontalvortrag. Auf der anderen Seite arbeite ich auch mit Kleingruppen an dem Finden von Potenzialen und Zielen", beschreibt Busemann seine Arbeit. Dass er selbst kein Wirtschaftsstudium oder einen Doktortitel vorweisen kann, sieht er dabei sogar als Vorteil: "Ich kann den Leuten nichts über ihren Job erzählen, die sind ja nicht ahnungslos. Meine Aufgabe ist der Blick von draußen und das Setzen von neuen Reizen." Und genau hier kommt seine Sportlerkarriere wieder zum Tragen: "Ich musste mich zu meiner aktiven Zeit fast täglich mit meinen Zielen auseinandersetzen, lernen, mit Rückschlägen umzugehen, und immer für Neues offen sein. Genau das gebe ich an meine Zuhörer weiter."

Frederik Malsy: "Schlagfertigkeit und Multitasking sind nötig."

Improvisationstheater für Unternehmen – das klingt erst einmal etwas abwegig. Doch wenn man Schauspieler und Trainer Frederik Malsy länger zuhört, ergibt diese Kombination schnell Sinn. "Beim Improvisationstheater kann vom kurzen Sketch bis zum zweistündigen Shakespeare-Drama alles entstehen – und das ohne Drehbuch oder vorherige Absprechen." Dafür braucht ein Schauspieler nicht nur viel Kreativität und Spontanität, sondern auch Offenheit und Wertschätzung für die Ideen anderer auf der Bühne.

"Wir müssen sehr schnell aufeinander reagieren und es bleibt trotzdem eine Gefahr des Scheiterns. Schlagfertigkeit, intensive Wahrnehmung in der Kommunikation und auch Multitasking sind hier nötig", erklärt er weiter. Eigenschaften, die aus seiner Sicht auch bei der täglichen Kommunikation wichtig sind. Deshalb buchen besonders kommunikationsintensive Abteilungen wie Vertrieb oder Marketing sowie größere Projektteams Malsy und seine Kollegen. Mit vielen seiner Kunden arbeitet er über viele Monate hinweg an diesen Soft-Skill-Stellschrauben.

Doch Improvisationstheater wird längst nicht nur als Kommunikationstraining eingesetzt: "Firmen buchen uns auch, um ihren Mitarbeitern neue Werte wie Nachhaltigkeit oder strukturelle Veränderungen wie eine Fusion näherzubringen." Malsy und seine Kollegen improvisieren dann kleinere Geschichten vor der Belegschaft und versuchen durch neue Perspektiven die Anweisungen mit Leben zu füllen. Gerade Begriffe wie Nachhaltigkeit oder Vertrauen sind für das Arbeitsleben oft zu abstrakt. Mit etwas Humor oder Tragik werden sie greifbarer. Malsy selbst steht seit mehr als 16 Jahren auf der Bühne und kam ursprünglich aus der "Lust auf was Neues" erst zum Improvisieren und dann zum Coaching. "Als Schauspieler habe ich mich nur als Dienstleister der Regisseure empfunden. Das war mir zu langweilig. Improvisationstheater gibt mir mehr Platz für meine Kreativität", erzählt er.

Auch wenn Schauspiel und Coaching inzwischen häufig verbunden werden, macht aus seiner Sicht Bühnenpräsenz allein noch längst keinen guten Coach aus. "Als Trainer muss du ein authentischer Teamplayer sein. Immerhin geht es darum, eine gute Zeit mit den Teilnehmern zu verbringen und an der inneren (Kommunikations-)Haltung zu arbeiten."

Kathrin Schütz und Johanne Cromme: "Eingefahrene Verhaltensmuster überdenken."

Das Feedback der Pferde ist sehr direkt und eindeutig. Diese Erfahrung machen Kathrin Schütz und Johanna Cromme immer wieder. "Pferde sind unvoreingenommen und lassen sich nicht vom schicken Anzug beeindrucken. Sie spiegeln unser Verhalten und Auftreten ungefiltert wider", erklärt Cromme und ihre Kollegin fügt hinzu: "Deshalb nehmen unsere Teilnehmer die Rückmeldungen oft besser an als von ihren Mitmenschen."

Beide Frauen verbindet neben der Pferdeerfahrung auch ein pädagogisch-psychologisches Studium. Aus diesem Hintergrund heraus entstand auch die Idee zum Coaching mit Pferden. "Anfangs war es eine fixe Idee im Reitstall", lacht Schütz. Der Idee folgte schnell die Umsetzung in Form einer Fortbildung im Bereich Pferdecoaching. "Neben der pädagogischen Vorerfahrung ist diese Ausbildung ein wichtiger Grundstein unserer Arbeit. Wir haben dabei viel Praxiserfahrung gesammelt und theoretischen Input bekommen."

Ihr vierbeiniges Coaching bieten sie heute vor allem für zwei Zielgruppen an: "Zum einen arbeiten wir im Teambuilding-Bereich und zum anderen bieten wir offene Coachings für jedermann an", erklärt Schütz. Die offene Variante besteht aus zwei Teilen, einem telefonischen Vorgespräch über die Themen der Teilnehmer und einem Übungstag mit den drei Pferden. Die Themen sind dabei genauso unterschiedlich wie die Teilnehmer. Eine Mutter will zum Beispiel besser mit der pubertären Tochter fertig werden und ein Geschäftsführer sucht Feedback zu seiner Wirkung auf die Mitarbeiter. Am Coachingtag kommen die Teilnehmer zu einer Kleingruppe zusammen und stellen am Anfang das eigene Thema vor.

"Danach gehen wir in die Übungsphase mit unseren Pferden. Den Abschluss bildet eine Feedbackrunde und ein Gespräch über die Ergebnisse, nachmittags gehen wir dann in die Videoanalyse", sagt Schütz. Aus dem Umgang mit den Pferden lassen sich aus Sicht der beiden Coaches viele interessante Rückschlüsse auf verinnerlichte Verhaltensmuster der Teilnehmer ziehen. So beklagte sich ein Chef über die fehlende Auffassungsgabe seiner Angestellten. Im Coaching zeigte er sich selbst als belehrungsresistent und nahm beim Führen der Pferde keinerlei Hilfestellung an. Die Pferde ignorierten ihn irgendwann einfach. "Die Antwort auf die Frage 'Wie sehen mich die Pferde?' kann die Teilnehmer ganz schön aus dem Konzept bringen und ein nachhaltiges Überdenken des eigenen Verhaltens bewirken."

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