In der Wirtschaft durchstarten
Mit dem richtigen Studium zum Wirtschafts-Superhelden werden | Foto: Thinkstock/Gearstd
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26. Aug 2013

Philipp Alvares de Souza Soares

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In der Wirtschaft durchstarten

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Mit welchem Studium winkt der Erfolg?

BWL-Studium gleich Erfolg?

"Ich studiere BWL, weil ich später mal Ferrari fahren möchte." So hieß eine populäre Gruppe beim sozialen Netzwerk StudiVZ. Das war natürlich nicht ganz ernst gemeint, dennoch spiegelt der Spruch eines der üblichen Betriebswirtschaftler-Klischees wider. Tun die sich das trockene, mathelastige Studium nicht bloß deshalb an, weil sie später richtig Geld machen wollen? Und gibt es denn einen besseren Weg in den Managerhimmel, als die reine Lehre in Buchführungs-, Marketing- oder Absatzwirtschaftsvorlesungen aufzusaugen? Schließlich ist das BWL-Studium doch genau dafür da: das Rüstzeug für einen guten Job in der Wirtschaft zu vermitteln, inklusive der Chance, später einmal Chef zu werden.

Deutschland baut auf technische Innovationen

Doch in einem Land wie Deutschland, das seinen Wohlstand vor allem hoch entwickelten Maschinen, Autos, Chemikalien oder Medikamenten verdankt, ist die Rechnung weniger klar und einfach, als es laut Vorurteil scheint. Die Vorstandsvorsitzenden von Lufthansa oder BMW? Beides Ingenieure. Wer an die Spitze eines Großkonzerns will, der muss den Klassiker BWL studieren. Oder doch lieber etwas Naturwissenschaftlich-Technisches? Und was bringen Kombi-Studiengänge?

"Ein BWL-Studium ist nach wie vor eine solide Grundlage für eine Karriere in der Wirtschaft", sagt die selbstständige Personalentwicklerin Doris Brenner. Doch Ingenieure oder Naturwissenschaftler haben aufgeholt. Sie seien "gefragter als früher", meint Brenner. Gerade die vielen technikgetriebenen Unternehmen brauchen Leute, die sich gleichzeitig mit den komplizierten Produkten auskennen und eine Abteilung führen können. Die Firmen würden sie deshalb stärker umgarnen als BWLer, die auf dem Arbeitsmarkt stärker vertreten sind, meint Brenner. "Wer gute Naturwissenschaftler will, muss ihnen schon einiges bieten, inklusive einer klaren Aufstiegsperspektive."

Auch auf den Positionen, die eine Vorstufe auf dem Weg nach oben sind, tummeln sich längst nicht mehr nur Betriebswirte. Bettina Friedl hat Mathe und Physik studiert, seit fast zwei Jahren arbeitet sie als Assistentin von Michael Kaschke, dem Chef des Optikriesen Zeiss. Abitur, Diplom, Promotion – alles hat sie mit 1,0 abgeschlossen. "Ich habe einen guten Prozessor", sagt sie.

Vorstandsassistenten werden in vielen Unternehmen als Führungskräfte von morgen gehandelt, eine typische Position für Leute, die schnell Karriere machen wollen. "Für ein Technologieunternehmen wie Zeiss sind Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer wie Physik natürlich besonders interessant, weil die in unserem Kerngeschäft Optik und Optoelektronik unerlässlich sind", sagt Franz Donner, der bei Zeiss die Personalabteilung leitet. Auch zwei der drei Zeiss-Vorstände sind Physiker. Ein reiner BWLer hätte es dort wahrscheinlich schwerer als etwa in einer Bank.

Schnittstellenkompetenz als Basis

Bettina Friedl hat neben ihrem naturwissenschaftlichen Studium an Businessplänen gestrickt und später sogar an einem BWL-Lehrstuhl promoviert. Eine sinnvolle Kombination, wenn es nach Doris Brenner geht: "Nicht-BWLer setzen die fehlenden ökonomischen Kenntnisse einfach während oder nach dem Studium drauf", sagt sie. Gerade MBAs – teure Masterstudiengänge, die meist berufsbegleitend absolviert werden – lägen deshalb im Trend. Dort werden Fachfremden zum Beispiel Führungskompetenzen und andere Managerfähigkeiten beigebracht. Auch bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) haben mittlerweile die Hälfte aller Berater keinen "wirtschaftswissenschaftlichen Background mehr", sagt Carsten Baumgärtner, für das Recruiting verantwortlicher Partner bei BCG. Neue Kollegen bekommen dort ein BWL-Grundlagentraining verschrieben, falls sie nicht schon einen MBA gemacht haben.

Aber weshalb BWL-Kenntnisse mühsam nachholen, wenn es doch Kombinationsstudiengänge wie Wirtschaftsinformatik gibt, die Manager-Knowhow mit einem technischen Studium verbinden? "Das kann sehr sinnvoll sein, weil sie beide Welten verstehen", sagt Baumgärtner. Da die IT in vielen Unternehmen eine wichtige Rolle spiele, seien zum Beispiel  Wirtschaftsinformatiker für BCG besonders attraktiv. "Außerdem nutzt ihnen ihre strukturierte Herangehensweise an Aufgaben. Ihre Lernkurve bei uns ist von Anfang an sehr steil." Auch Doris Brenner meint, dass die "Schnittstellenkompetenz" von Wirtschaftsinformatikern oder –ingenieuren gefragt sei: "So ein Studium ist oft eine gute Karrierebasis."

Doch in einem sind sich Brenner und Baumgärtner einig: Niemand sollte sich ein Studium aufzwingen, nur weil er glaubt, damit Karriere machen zu können. "Wer im Herzen Physiker ist, sollte auch Physik studieren", sagt Baumgärtner. BWL-Zusatzkurse, Kombinationsstudiengänge oder MBAs bringen nur etwas, wenn man sich auch wirklich dafür interessiert.
 

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