Mikro-jobber
Mit dem Smartphone Marktforschung betreiben | Foto: Thinkstock/ sergeyryzhov
Autor

20. Apr 2015

Max Sprick

Archiv

Neuer Trend für Mikro-Jobber: Kontrollgang im Einzelhandel

-ARCHIV-

Detektivarbeit mit dem Smartphone

Kaufentscheidungen werden am Regal getroffen

Seine Idee entstand, wie so viele andere gute Ideen auch entstanden sind: mit der Hilfe von Wein. Dominic Blank hat in den USA studiert und dort einen Service für Weinkäufer entwickelt: In direkt am Weinregal angebrachte iPads konnten sie eingeben, wieviel sie für einen Wein ausgeben möchten, zu welchem Anlass sie ihn brauchen und ob er nun halbtrocken oder trocken sein soll.

"Dabei haben wir oft festgestellt, dass viele der Weine, die wir eigentlich empfehlen wollten, im Regal nicht mehr vorrätig waren", sagt Blank. Und nicht nur das. "Aus Gesprächen mit den Herstellen und Händlern wurde uns bewusst, dass diese kaum etwas über ihre Käufer und deren Einkaufserfahrungen wissen, obwohl über 70 Prozent aller Kaufentscheidungen am Regal, dem sogenannten 'Point of Sale (POS)' getroffen werden."

Daraus entstand mit der Zeit die Idee, irgendwie einen Blick in die Märkte zu ermöglichen – die Blank dann mit seiner Firma POSpulse umsetzte.

Honorare ab vier Euro

Im Juni 2014 ging Blank mit seiner App "Shopscout" auf den Markt. Inzwischen hat der 27-Jährige rund 16.000 sogenannte Shopscouts-Mikro-Jobber, die für ein Honorar ab vier bis hin zu 30 Euro pro Auftrag als Marktforscher für Händler und Hersteller unterwegs sind. Mitmachen kann jeder über 18 Jahre, der ein Smartphone besitzt.

Und das geht so: Man loggt sich in der App ein und sucht Jobs in den Supermärkten der Umgebung. Dann überprüft man im angegebenen Markt beispielsweise, ob das beauftragte Produkt vorhanden ist, macht Fotos davon und beurteilt, wie es präsentiert wird. Sobald die Daten vollständig sind, kommen sie automatisch bei Blanks Analysten an, die sie validieren, auswerten und dem Kunden innerhalb weniger Stunden zur Verfügung stellen.

"Der Kunde kann quasi sofort mit seinem Team besprechen, ob in der Verkaufs-Präsentation etwas geändert werden muss", erklärt Blank. "Er kann sehen, was gut, was schlecht läuft, erhält Rückschlüsse, wie seine Kampagnen laufen."

Ähnlich wie das klassische Mystery-Shopping

Das Prinzip ist nicht neu, es folgt dem klassischen Mystery-Shopping. Und doch trifft Blank mit POSpulse den Nerv der Zeit. Weil seine crowdbasierten Shopper unvoreingenommen in die Märkte gehen, inzwischen flächendeckend ganz Deutschland abdecken und vor allem viel schneller sind als klassische Marktforschungs-Studien.

"Einem Kunden bringt es nichts, nach drei Monaten oder sogar noch später, Ergebnisse seiner Studie zu bekommen, sagt Blank. Seine Firma liefert diese nicht nur schneller, sie macht den Außendienst der Hersteller auch effizienter. Weil der dann weiß, in welchen Filialen er überhaupt ansetzen muss. POSpulse liefert alle Daten aus einer Hand und nimmt dem Kunden mit fertigen Analysen einen größeren Aufwand ab.

Extreme Expansion geplant

Kunden sind etwa Osram, Procter & Gamble, Haribo oder Beiersdorf. Tendenz steigend. Denn bisher ist POSpulse nur im Lebensmittel-Markt tätig, weil der mit einem Jahresumsatz von über 550 Milliarden Euro der größte Markt ist. Blank plant aber noch viel weiter. Entsprechende Millionen-Förderungen zur Expansion hat er bereits erhalten und weitere sind ihm sicher.

"In den nächsten vier bis fünf Jahren wollen wir europaweit vertreten sein, sagt Blank. Er rechnet mit einem Anstieg seiner Mikrojobber-Crowd auf dann 300.000 auf dem ganzen Kontinent. "Es macht mehr Sinn, eine aktive Crowd zu haben, als eine möglichst große."

Um das zu fördern, plant er Anreize. Seine Scouts sollen in Wettbewerb zueinander treten, können schneller, verlässlicher als andere werden. Statt Honorare auszuzahlen, kann Blank sich Angebote von Kooperationspartnern vorstellen, Gutscheine für Amazon oder Vergünstigungen bei Handy-Verträgen zum Beispiel.

Auch die Kundenseite will er erweitern, will tiefer in die Analyse gehen und den Herstellern Benchmarks aufzeigen können, um sich mit anderen Unternehmen anonymisiert zu vergleichen.

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