peinliche Nebenjobs
Nicht verstecken: Steh' bei der Bewerbung zu deinen Nebenjobs! | Foto: Thinkstock/NinaMalyna
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17. Feb 2016

Gastbeitrag

Nebenjob

Mit "schlimmen" Nebenjobs bei der Bewerbung punkten

Was du von deinen Nebenjobs für die Karriere lernen kannst

Selbstreflexion an der Supermarktkasse

Weil du in der vielleicht neu bezogenen Uni-Stadt noch keinen Überblick über die cleversten Studenten-Jobs hast und gleichzeitig eine zuverlässige Gehaltsquelle benötigst, nimmst du zunächst dankbar einen klassischen Mini-Job an: du wirst Kassierer/in im Supermarkt. Ob sich dieser notwendige Kompromiss später vom Personaler des Traum-Unternehmens auf deinem Lebenslauf sehen lassen kann, ist dabei erst einmal zweitrangig. Beruhigend zu wissen: das ist völlig okay so!

Studentische Mini-Jobber sollten wissen, dass jede Tätigkeit im Grunde die wertvolle Gelegenheit bietet, eigene Stärken und Schwächen in der beruflichen Praxis zu optimieren, vermeintliche Barrieren zu überwinden oder sich überhaupt darüber bewusst zu werden, was einem liegt und wo man sich selbst nicht sieht. "Was beinahe jede Stellenausschreibung verlangt – Flexibilität, Verlässlichkeit und Service-Orientierung – lernst du nicht in theoretischen Modulen zu Schlüsselqualifikationen, sondern im harten beruflichen Alltag. Dabei heißt es manchmal: je härter, desto einprägsamer", erklärt Amin Guellil.

Neben den harmlosen Omis, die sich über einen netten Smalltalk beim Einräumen des Einkaufwagens freuen, wirst du es auch mit Kunden zu tun haben, die ihren exotischen Lieblingsjoghurt nicht finden konnten – und sich ausufernd darüber bei dir aufregen. Wenn du es mit einem verständnisvollen "Da kann ich Sie aber vollkommen verstehen!" geschafft hast, ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen und mit dem freundlichen Hinweis, "Der Joghurt ist sicher nach der nächsten Lieferung wieder im Angebot, schauen Sie doch am Montag wieder vorbei!" beschwichtigst, hast du soeben mit Empathie geglänzt, Nerven bewiesen und den Kunden gleichzeitig zum nächsten Einkauf eingeladen – Glückwunsch!

Denn diese erlernten Kompetenzen bewähren sich auch im späteren Kontakt zu Geschäftspartnern oder Auftraggebern deines künftigen "richtigen" Jobs nach dem Studium.

Kellnern als Wettbewerb

Als Erstsemester fehlen dir noch die entscheidenden Vitamin B, um die attraktive Stelle als Werkstudent/in in der Unternehmensberatung zu ergattern. Weil du ein sozialer Typ bist, dich für stresstolerant und gelassen genug hältst, möchtest du als Kellner/in arbeiten.

"Auch dort wirst du es mit anspruchsvollem Publikum zu tun haben, großartig! Denn so kannst du dir ständig eigene neue Herausforderungen setzen und dich im Kontakt mit dem Kunden ausprobieren und ein Gespür für Menschen entwickeln", weiß Amin aus seiner eigenen Erfahrung als Kellner: Welcher Gast möchte wie behandelt werden? Wer möchte smalltalken und wer lieber nicht mehr als nötig angesprochen werden? Worauf springen Geschäftsleute beim Business-Lunch an und wie bringst du die anfangs grummelige Kundin mit unzähligen Extrawünschen am Ende doch zum Lächeln? Wie erklärst du überzeugend, dass es in der Küche leider etwas länger dauern könnte?

Als Wettbewerb mit dir selbst verschafft es dir ein Hochgefühl, wenn du einen besonders schwierigen Kunden schließlich "gemeistert" und zufrieden gestellt hast. Das hebt das Selbstbewusstsein! Und wenn deine größte Motivation mal doch ins Leere lief, kannst du auch daraus etwas mitnehmen. Scheitern lernen und Niederlagen akzeptieren gehört zum Leben dazu, aber schon der nächste Gast bietet eine neue Gelegenheit zur Selbstoptimierung.

Amins Tipp: "Man lernt beim Kellnern – anders als im oft theoretischen Studium – sozial um die Ecke zu denken, flexibel auf unterschiedliche Situationen und Charaktere zu reagieren und in vielfältigen Registern zu denken." Das vielleicht Beste dabei ist die unmittelbare Erfolgskontrolle: die Zufriedenheit der Gäste lässt sich meistens an der Höhe des Trinkgeldes ablesen. Demut in deiner Erwartungshaltung übst du dann, wenn auch der zufriedenste Kunde nicht mit Trinkgeld, sondern mit einem zufriedenen Lächeln dankt.

Ob Auge in Auge oder von Ohr zu Ohr: weil Kundenkontakt grundlegender Bestandteil vieler Jobs für Uni-Absolventen ist, wird ein darin erfahrener Bewerber für Unternehmen immer attraktiver sein.

Nebenjobs

Die gute Schule der Promotion- und Messejobs

Während des Semesters bleibt dir leider so gut wie keine Zeit zum Geldverdienen. Deshalb möchtest du die Wochenenden und vorlesungsfreie Zeit dazu nutzen, als Messehostess zu arbeiten oder gezielt dann Promotionjobs zu machen, wenn es dir zeitlich passt. Wenn das Wochenpensum es erlaubt und die Veranstaltung interessant klingt, auch gerne mal ein paar Tage im Semester. Für diese terminliche Flexibilität nimmst du es in Kauf herauszufinden, ob die gängigen Klischees über kurze Röcke und lange Überstunden tatsächlich zutreffen.

Personal-Experte Amin kontert: "Mit wachen Augen, offenen Ohren und einer Portion Mut können Studierende als Host oder Hostessen Events wunderbar zu ihrem eigenen Karriere-Vorteil nutzen." Eine gute Personal-Agentur legt z.B. Wert auf ein gründliches Briefing ihrer Dienstleister, damit sie mit dem wertvollen Branchenwissen als "Explainer" das Unternehmen adäquat repräsentieren können. Bei Branchen-Events halten Experten Vorträge zu topaktuellen Themen, mitunter ist die Crème de la Crème der Branche anwesend, updatet sich, netzwerkt und bereitet möglicherweise kommende Geschäfte vor. Als Service-Personal erhält man zu solchen, teilweise exklusiven, Veranstaltungen Zugang.

Aus deiner unauffälligen Perspektive kannst du Insider-Infos aufschnappen und erhältst spannende Einsichten auf die Dynamik verschiedener Events, verrät Amin: "Bei gediegenen Investoren-Events gilt eine andere Etikette als etwa auf geselligen Startup-Kongressen oder bei auf den Verkauf ausgerichteten Fachmessen."

Als Studierender mit einer Gründungsidee kannst du beispielsweise beim entsprechenden Event den Profis beim Netzwerken zuschauen, Kniffe abschauen und dich womöglich selbst ins Gespräch einbringen. Aber Achtung! Weil dies ein schmaler Grat zwischen Dienstleistung, Diskretion und Eigenpromotion ist, entscheidet die richtige Vorbereitung. "Informiere dich vorab über das anwesende Publikum, wer interessiert dich besonders? Speaker, Gäste, Journalisten oder Blogger? Und wie kannst du sie für dich interessieren? Wenn du das geschafft hast, solltest du unbedingt eine aussagekräftige Visitenkarte parat haben", rät Startup-Gründer Amin und gibt zu bedenken: "Suche dir wenn möglich eine vielversprechende Position im Service aus. An der Bar, wo Gäste länger stehen, ist mehr Zeit ins Gespräch zu kommen!"

Souveränes und höfliches Engagement punkten außerdem, wenn man sich in Gespräche einbringt – du bist schließlich "nur" Dienstleister und solltest dich erst dann über die Grenzlinie wagen, wenn du zuvor schon im Service überzeugt hast. Und falls du deine Visitenkarten nicht auf Events verteilen möchtest, kannst du als Promoter/in für hippe Marken auch eine Menge (und sogar bezahlten!) Spaß haben, z.B. auf der Fashion Week, der Games Convention, als Promi-Aufpasser bei Filmevents oder bei Werbedrehs mit Sportlern. Jeder neue Event-Job hält potentiell ein neues Abenteuer bereit!
 


Trainingslager für Soft Skills aller Disziplinen

Es muss nicht ausschließlich das Vorzeige-Praktikum bei der angesagten Agentur sein, das dir als Uni-Absolvent eines Tages den Weg ins Unternehmen deiner Träume ebnet. Das, was du getan hast, bevor du dir schließlich deinen langersehnten Job erarbeiten konntest, steht der Aussagekraft deiner fachlichen Kompetenz in nichts nach.

In deiner Zeit an der Kasse, am Zapfhahn oder Messestand hast du dir Fähigkeiten ganz anderer und mindestens gleichermaßen relevanter Qualität angeeignet – soziale Kompetenzen, die heute als sogenannte Soft Skills in keinem Leistungs-Portfolio eines Bewerbers fehlen dürfen.

"Das heißt für angehende oder ganz frisch Studierende", resümiert Amin, selbst Chef von elf jungen Mitarbeitern: "Sieh deinen Nebenjob als Trainings-Parcours für soziale Kompetenzen – notfalls auch als Bootcamp. Gehe strategisch vor, indem du dir eigene Ziele setzt, dich Herausforderungen konsequent stellst und dich gleichzeitig fortlaufend reflektierst: Hat mich das notwendige Zugehen auf potentielle Kunden offener gemacht? Brauche ich für gute Service-Arbeit klare Anweisungen oder bringe ich mich lieber selbst ein? Bin ich eher der Typ Kommunikator oder doch Verkäufer? Sollte ich noch mehr an meinem Durchsetzungsvermögen feilen?"

Lehrsätze zur Makro-Ökonomie stehen im Fachbuch, Selbstreflexion und -Optimierung kann man jedoch nicht auswendig lernen. Wie man auch mit unterschiedlichen Kollegen gut im Team zusammenarbeitet, lehrt dich ebenfalls nur die Praxis. Außerdem gibt es auch im noch so unglamourösen Job meistens nette Kollegen, die den Arbeitsalltag auflockern.

Im Bewerbungsgespräch treffen der selbstbewusste Umgang mit vermeintlich wenig attraktiven Jobs und das persönliche Fazit, was man von ihnen gelernt hat, bei Personal-Verantwortlichen nicht auf taube Ohren. Umwege erhöhen auch im Berufsleben die Ortskenntnis und die Wenigsten steigen an der Basis zur Karriereleiter gleich im obersten Drittel ein.

Ex-Kellner und Jung-Unternehmer Amin dazu abschließend: "Die Tatsache, dass du zum Verdienen deines Lebensunterhaltes im Studium Prioritäten gesetzt hast, zeugt von Engagement, Eigenständigkeit, Entscheidungsfähigkeit und nicht zuletzt von Lebenserfahrung." Dafür verleiht keine Universität der Welt Credit Points oder Zertifikate.
 


Der UNICUM ExperteAmin Guellil UCM Hostess

  • Amin Guellil ist Gründer und Geschäftsführer der Berliner Hostessen-Agentur UCM Hostess und vermittelt studentische Jobber für Promotionaktionen, als Servicepersonal oder Messehosts und -Hostessen für verschiedenste Events.
  • Bevor er erfolgreich sein eigenes Unternehmen gründete, jobbte er im Studium selbst als Kellner, begleitete als Host Geschäftsdelegationen und stand regelmäßig hinter der Bar.
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