Wie du die Qualität von Trainee-Programmen einschätzen kannst
Diese Punkte kennzeichnen ein gutes Trainee-Programm |Foto: Thinkstock/moodboard
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25. Mai 2016

Olschner

Trainee

Trainee-Programme im Qualitätscheck

So enttarnst du die schlechten Angebote

Transparenz als Qualitäts-Indikator

Woran erkennt ihr, welches Trainee-Programm sich lohnt? "Als erstes solltet ihr überlegen, was euch wichtig ist", rät Henryk Lüderitz, Coach und Trainer für junge Führungskräfte. "Ihr wisst noch nicht so genau, was ihr später machen wollt? Dann empfiehlt sich ein allgemeines Trainee-Programm, um erst einmal den Überblick über ein Unternehmen und mögliche Aufgaben zu bekommen." Wer hingegen schon recht genau weiß, wie die Traumposition ausschaut, wählt besser ein Trainee-Programm mit einer festgelegten Zielposition. Der Unterschied zum Direkteinstieg: Ihr lernt als Trainee auch die angrenzenden Abteilungen kennen, mit denen ihr später zu tun haben werdet, und profitiert von den Weiterbildungen im Trainee-Programm. Des Weiteren rät der Coach, bei den Angeboten der Unternehmen auf Transparenz zu schauen: Werden auf der Website ein Ansprechpartner und die genauen Inhalte des Trainee-Programms genannt? Kommen vielleicht sogar ehemalige Trainees zu Wort? "Je offener ein Unternehmen mit dem Thema umgeht, umso fundierter ist meist das Angebot für Trainees", so Lüderitz' Erfahrung.

Mindestens drei Monate pro Station

Es gibt Trainee-Programme, die zwölf Monate dauern, andere erstrecken sich über zwei Jahre und mehr. Was ist die optimale Dauer, um ein Unternehmen gut kennenzulernen? "Ich empfehle, Programme mit mindestens 18 bis 24 Monaten zu wählen", sagt Jens Behrmann, Leiter des Career Service der Universität Kassel. "Alles andere ist meist zu kurz, um wirklich einen fundierten Einblick zu erhalten." Sechs Monate in der Zielabteilung, jeweils drei Monate in angrenzenden Abteilungen, vielleicht noch ein Auslandsaufenthalt – da ist ein Jahr schnell vorbei, und ihr habt erst wenige Stationen durchlaufen. Ausnahmen bilden unter Umständen kleinere Unternehmen oder Branchen mit wenigen Abteilungen. Um mehr zu erreichen, als nur den Kollegen über die Schulter zu schauen, empfiehlt sich ein Aufenthalt von mindestens drei Monaten pro Station.

Als Trainee Projekte verantworten

Mit Praktikantenaufgaben sollten sich Trainees nicht zufriedengeben – ihr wollt schließlich für das spätere Arbeitsleben praxistauglich gemacht werden. Selber kleine Projekte zu übernehmen und sie abzuschließen, ist sinnvoll, damit am Ende des Trainee-Einsatzes ein Ergebnis steht. Coach Lüderitz rät: "Besprecht schon im Vorstellungsgespräch, was genau euch während des Trainee-Programms erwartet und was eure Ziele sind, dann gibt es später keine bösen Überraschungen." Ihr werdet während des Trainee-Programms lernen, Verantwortung zu übernehmen. Und das könnt ihr am besten, indem ihr euch ausprobieren und auch mal Fehler machen dürft. Wer ein Nachwuchsführungskräftetraining absolviert, sollte natürlich auch Gelegenheit bekommen, erste Führungserfahrungen zu sammeln.

Ein Mentor erklärt zwei jungen Mitarbeitern etwas am PC

Fester Ansprechpartner bei Problemen

Verantwortung zu übernehmen ist gut – aber ihr solltet während des Trainee-Programms auch nicht alleine gelassen werden. Daher ist es wichtig, dass ihr einen Mentor oder einen Paten zur Seite gestellt bekommt. "Das kann eine Führungskraft, der Projektleiter für Trainee-Programme oder auch ein ehemaliger Trainee sein, der den Neuen auf seinem Weg begleitet", weiß Jens Behrmann vom Career Service. Ein Ansprechpartner hilft bei fachlichen oder persönlichen Problemen, etwa wenn ihr merkt, dass ihr mit einer Aufgabe nicht zurechtkommt oder es mit den Kollegen nicht klappt.

Möglichkeiten zum Netzwerken

Trainees sollten darauf achten, dass sie während ihrer Einsatzzeit genügend Gelegenheiten bekommen, um Netzwerke zu knüpfen, denn diese werden ihnen auf dem späteren Karriereweg mit Sicherheit hilfreich sein. "Fragt beim Vorstellungsgespräch, ob es einen abteilungsübergreifenden Trainee-Stammtisch gibt, ob ihr mal den Vorstand bei seiner Arbeit begleiten dürft oder welche anderen Netzwerk-Möglichkeiten es gibt", empfiehlt Jens Behrmann. "Denn Netzwerke sind in der heutigen Arbeitswelt unverzichtbar."

Weiterbildungen als fester Bestandteil

Ein Trainee-Programm sollte neben den Praxiseinsätzen immer auch Weiterbildungen beinhalten. Dabei ist die Persönlichkeitsentwicklung noch wichtiger als die Aneignung von fachlichen Kenntnissen, glaubt Henryk Lüderitz. "Die Seminare sollten möglichst früh beginnen, damit ihr und das Unternehmen rechtzeitig erkennt, wo ihr steht und wie ihr euch weiterentwickeln könnt." Zu den persönlichen Qualifikationen, die erlernt oder verbessert werden sollten, gehören Kommmunikations- und Teamfähigkeit, Kunden- und Konfliktmanagement, Stress- und Selbstmanagement und je nach angestrebter Position Projektmanagement und Führungsfähigkeiten. "Fachliches hingegen lernt ihr vorrangig on-the-job", ist der Trainer überzeugt. "Daher sind fundierte Praxiseinsätze so wichtig."

Nicht für einen Hungerlohn arbeiten

"Über das Geld sollte man bei einem Trainee-Programm als letztes nachdenken", betont Henryk Lüderitz. Natürlich solltet ihr euch nicht ausbeuten lassen und für einen Hungerlohn arbeiten – aber im Grunde zählt das Gesamtpaket: kostenlose Weiterbildungen, Auslandsaufenthalte, Coachingangebote ? Wenn ihr all diese Leistungen unter finanziellen Aspekten betrachtet und auf das zunächst gering erscheindende Gehalt draufrechnet, steht am Ende doch eine beträchtliche Summe. Hinzu komme, so Lüderitz: "Bei Verhandlungen solltet ihr euch immer vor Augen halten, dass ihr als Trainee im Grunde in der Lehrzeit seid und eurem Arbeitgeber noch nicht allzu viel produktive Leistungen bieten könnt. Die meiste Zeit des Trainee-Programm geht für das Lernen und Einarbeiten drauf." Daher sei es nur fair, wenn ein Trainee noch kein Riesengehalt bekommt, meint der Coach. Nach UNICUM-Recherchen reicht die Spanne der Trainee-Gehälter von 12.000 bis weit über 50.000 Euro.

Übernahme-Chancen frühzeitig ansprechen

Häufig erhalten Trainees nur befristete Verträge für die Laufzeit des Trainee-Programms. Aber was passiert danach: Werdet ihr auch übernommen? Oder müsst ihr euch nach einem neuen Job umschauen? "Über die Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen solltet ihr am besten schon im Vorstellungsgespräch reden", rät Jens Behrmann. Wie hoch ist die Übernahmequote im Unternehmen – und was müsst ihr tun, um möglichst gute Chancen auf eine Weiterbeschäftigung zu haben? "Außerdem ist es sinnvoll, schon frühzeitig über weitere Karriereschritte in den nächsten Jahren zu sprechen", so der Leiter des Career Service. Schließlich ist das Trainee-Programm erst der Anfang.

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