Berufsbild Aktuar
Aktuare sind nicht nur bei Versicherern stark gefragt | Foto: Thinkstock/Halfpoint
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04. Apr 2017

André Gärisch

Berufsbilder

Aktuar: Rechnen mit der Zukunft

Komplexe Mathe-Themen + gute Bezahlung = Traumjob Aktuar?

Seine Stelle als Versicherungsmathematiker bei der Alten Leipziger empfindet Dmytro Furer im Nachhinein als glückliche Fügung. Nach Abschluss seines Mathematikstudiums an der TU Darmstadt 2005 hat er sich während seiner Promotionszeit im Gebiet Materialwissenschaften ausführlich mit dem Beruf des Aktuars auseinandergesetzt. In ihm entflammte daraufhin eine große Begeisterung: komplexe mathematische Fragestellungen, Arbeiten in verschiedenen Teams und gute Verdienstmöglichkeiten – "das musste ich machen!". Gesagt, getan.

Aktuar im Gespräch

Wer muss wie viel für seine Versicherung zahlen?

Der 32-jährige Mainzer ist einer derjenigen Hochschulabsolventen, die als rechte Hand von Finanzdienstleistern jeglicher Art – etwa Banken, Bausparkassen, Pensions- und Krankenkassen oder Rückversicherer – fungieren. In manchen Fällen suchen auch Beratungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder Ministerien nach diesen Meistern über Zahlen und Analysen.

Aktuare kalkulieren Finanz- und Versicherungsprodukte. Anhand der Risiken der einzelnen Produkte berechnen sie mithilfe mathematischer Modelle, die sie oft sogar selbst entwickeln, Tarife und Beiträge. Sie gewährleisten auf diese Weise die Liquidität ihres Unternehmens. Um einen ganzheitlichen Blick auf Problemstellungen einnehmen zu können, beobachten sie die Aktivitäten von Konkurrenzunternehmen und berücksichtigen zukünftige gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen.

Bereichsübergreifende Projekte

Aktuare sind Wanderer zwischen den Unternehmensbereichen, halten im Controlling eine Power-Point-Präsentation, huschen dann rüber ins Risikomanagement, um Berechnungen zu erläutern, lassen sich dann im Kapitalanlagebereich über die Gewinnentwicklungen informieren. Dmytro gefällt das: "Ich arbeite an der Schnittstelle von Produktentwicklung und IT. Es gibt keinen typischen Tagesablauf, was für die Vielfalt der Aufgaben spricht. Die Mitarbeit in bereichsübergreifenden Projekten ist der Normalfall." Sicherlich gebe es auch ein paar Routineaufgaben, die eher weniger Spaß bereiteten, doch das sei in jedem Beruf so.

Wie wird man Aktuar?

Die meisten der jungen Karrieristen haben Mathematik oder Statistik mit dem Schwerpunkt Versicherungsmathematik studiert. Um die Bezeichnung "Aktuar" offiziell tragen zu dürfen, bedarf es einer zusätzlichen berufsbegleitenden dreijährigen Ausbildung bei der Deutschen Aktuarvereinigung, die auch Dmytro derzeit absolviert. Neben Fachwissen sollten Aktuare die Fähigkeit des analytischen und strategischen Denkens mitbringen sowie die Bereitschaft, sich in vertriebliche und juristische Themen einzuarbeiten. Akribische Sorgfalt und Genauigkeit sind weitere wichtige Eckpfeiler. Ebenso soziale Kompetenzen und Teamfähigkeit, wie Dmytro ergänzt.

Gefragt und gutverdienend

Die Direktionen der wichtigen Finanzdienstleister sind auf das Urteil von Aktuaren angewiesen. Sie sind der Ausgangspunkt innovativer und rentabler Produkte – und somit ein Kernfaktor im umkämpften Wettbewerb. Zudem machen ständig neue juristische Vorgaben zur Liquidität von Versicherungsunternehmen die Expertise von Aktuaren unabdingbar. Da die Absolventenzahl in mathematischen Studiengängen eher überschaubar ist, ist die Prognose für angehende Aktuare positiv. Auch finanziell: Denn das übliche Einstiegsgehalt liegt zwischen 50.000 und 60.000 Euro pro Jahr.


Job-Facts Aktuar

  • Aufgabe: Tarife und Beiträge für Finanz- und Versicherungsprodukte berechnen
  • Keine geschützte Berufsbezeichnung: Der Titel "Aktuar DAV" erfordert aber eine berufsbegleitende Ausbildung (3 Jahre) der Deutschen Aktuarsvereinigung (DAV e. V.).
  • Voraussetzung: abgeschlossenes mathematisches Hochschulstudium, andere Fächer (z. B. Physik oder Statistik) sind auf Antrag möglich.
  • Einstiegsgehalt: 50.000 – 60.000 Euro, eine größere Gehaltserhöhung ist meistens nach ein bis zwei jähriger Berufserfahrung möglich.
  • Ein Dr.-Titel bringt laut DAV 40 % mehr Verdienst.
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