Archäologischer Park Xanten
Das Römerfest in Xanten | Foto: Archäologischer Park Xanten/Axel Thünker/DGPh
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20. Feb 2014

Simone Zettier

Berufsbilder

Berufe für Historiker

Museumspädagogik und andere Berufe nach dem Geschichtsstudium

Berufe für Historiker: Jobs sind rar

Kathrin Jaschke ist Museumspädagogin am LVR-Archäologischen Park Xanten und LVR-Römermuseum, dem größten archäologischen Freilichtmuseum Deutschlands. Die 37-Jährige führt dort spezielle Gruppen wie Lehrer durch das Museum, überlegt sich neue Führungskonzepte, kümmert sich um die Gästebegleiter, erstellt Begleitprogramme für Sonderausstellungen und ist zudem mit für die Neuen Medien zuständig. Für die promovierte Historikerin mit dem Spezialgebiet "Alte Geschichte" ist das der absolute Traumjob, hinzukommt, dass es der erste unbefristete ist. Dass die gebürtige Osnabrückerin diese Stelle im öffentlichen Dienst überhaupt bekommen hat, und dann noch ohne den üblichen Zeitvertrag, dazu gehörte schon ein wenig Glück.

Denn die Stellen für Berufe für Historiker sind nach wie vor rar, auch wenn sich der Arbeitsmarkt für Geschichtsabsolventen in den Jahren nach 2005 grundsätzlich positiv entwickelt hat. Im Jahr 2008 gab es laut Mikrozensus in Deutschland rund 38.000 Erwerbstätige, die ein Studium mit der Hauptfachrichtung Geschichte abgeschlossen hatten. Prominente ehemalige Geschichtsstudenten sind übrigens die Schauspieler Sascha Baron Cohen, Edward Norton, Hugh Grant sowie die Showmaster Thomas Gottschalk und Johannes B. Kerner. Bis 2012 stieg die Zahl der erwerbstätigen Historiker auf etwa 51.000 Männer und Frauen. Die Zahl der Erwerbstätigen ist also gestiegen, während die Arbeitslosenzahl in geisteswissenschaftlichen Berufen 2013 gut ein Drittel geringer war als vor zehn Jahren. Allerdings waren bei der Bundesagentur für Arbeit im Jahresdurchschnitt 2013 lediglich 115 Stellenangebote explizit für Geisteswissenschaftler gemeldet, auf Historiker entfielen davon 44.


Neue Arbeitsbereiche für Historiker

"Angesichts hoher Konkurrenz und wenig einschlägiger Arbeitsplatzangebote gelingt es nur jedem zweiten Historiker, einen studienadäquaten Arbeitsplatz zu finden", erklärt Ralf Beckmann vom Fachbereich Arbeitsmarktberichterstattung von der Bundesagentur für Arbeit. Museen, Archive, Schulen oder Universitäten sind zwar immer noch die klassische Berufe für Historiker, längst kommen diese aber auch in anderen Bereichen unter und arbeiten als Literaturübersetzer, Unternehmens- oder PR-Berater oder Journalist oder haben sich mit Geschichtsagenturen, die vorrangig Unternehmenschroniken schreiben, selbstständig gemacht.

Für mehr als zwei Fünftel der Geschichtsabsolventen ist die Existenzgründung laut HIS-Absolventenbefragung mittlerweile eine Option. In der Fachjournalistik Geschichte an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen wird insbesondere für die Medienbranche ausgebildet. "Dort gilt ein abgeschlossenes Geschichtsstudium als sehr gute Voraussetzung. Unsere Alumni haben uns das durch die Bank bestätigt", erklärt Prof. Dr. Ulrike Weckel vom Historischen Institut, Fachjournalistik Geschichte an der JLU Gießen.

Praxiserfahrung als Pluspunkt

Kathrin Jaschke ist froh, dass sie in dem Bereich arbeiten kann, in dem sie auch studiert hat. Dabei ist sie als Historikerin in Xanten ein Exot, die meisten ihrer Kollegen sind Archäologen, aber sie hat sich durch jahrelange Praxiserfahrung für diese Stelle empfohlen. Studiert und promoviert hat sie in Bonn, während ihrer Studienzeit hat sie sich als Museumsführerin ein paar Euro dazuverdient, später hat sie an der Uni Seminare im Fach "Alte Geschichte" gegeben. Nach dem Studium folgte ein Volontariat am LWL-Römermuseum in Haltern, wo sie die Grundzüge der musealen Arbeit erlernt und erste Ausstellungen auf die Beine gestellt hat, danach hat sie weiter dort gearbeitet.

Ohne "Volo" wird heutzutage fast keine Stelle mehr vergeben. Geschichte sei nach wie vor ein Fach mit hohem Renommee, sagt Ulrike Weckel. Um davon persönlich auf dem Arbeitsmarkt zu profitieren, sei noch wichtiger als eine sehr gute Note die erkennbare Begeisterung für das eigene Fach. "Richtig gut ist immer nur, wer sich für sein Fach wirklich interessiert, in diesem Fall also, wer historische Neugier empfindet, wem viele Fragen einfallen, die an Gesellschaften beziehungsweise gesellschaftliche Verhältnisse zu richten wären, die eben anders waren, als wir das aus unserer Gegenwart kennen, wer recherchieren mag, nach historischen Quellen fahnden, Thesen der Forschung kritisch hinterfragen und gut argumentieren kann."


"Soft Skills" im Geschichtsstudium

Geschichte wird im Volksmund gerne als "brotlose Kunst" bezeichnet und auch im Studium wird das den Studenten mit auf den Weg gegeben, was Kathrin Jaschke nur "fair" findet, schließlich gebe es nur wenige Stellen. Dennoch ist das Studium sehr beliebt: In der letzten Erhebung des statistischen Bundesamtes zum Wintersemester 2013/14 haben 24.261 Männer und 20.352 Frauen in Deutschland das Fach Geschichte studiert.

Mit Blick auf steigende Studienanfängerzahlen dürften in den nächsten Jahren die Absolventenzahlen im Fach Geschichte tendenziell weiter zunehmen, so Beckmann. Ein großes Plus am Geschichtsstudium ist die Förderung so genannter "Soft Skills". Man lernt dort, Dinge schnell zu erfassen und zu präsentieren, wissenschaftlich zu denken, selbstständig zu arbeiten, sich aber auch im Team zu organisieren, Zusammenhänge herzustellen und flexibel zu sein. Mit diesen Fähigkeiten kann man auch in anderen Bereichen auf dem Arbeitsmarkt eine Menge anfangen.

"Für mich war es beispielsweise kein Problem, vor 25 Schülern etwas zu präsentieren, da ich das im Studium schon mit einem Referat vor 25 Kommilitonen gemacht hatte", sagt Kathrin Jaschke, die allerdings trotzdem allen Geschichtsstudenten rät, einen Plan B in der Tasche zu haben. Und das schon möglichst frühzeitig. Bei ihr sei das neben einer Karriere im Museum das Verlagswesen gewesen. Weckel würde zudem raten, sich beim Studium etwas Zeit zu nehmen, vielleicht mal den Studienort zu wechseln oder einmal ins Ausland zu gehen. Zudem hält sie es für sinnvoll, in ein oder mehreren Gebieten sein Wissen zu vertiefen und nicht nur Überblick und Grundkenntnisse anzustreben. "Wer schon weiß, in welche Richtung es einmal weitergehen soll, kann das natürlich auch bereits im Studium als Spezialisierung betreiben. Zumal wenn Fremdsprachenkenntnisse erforderlich sind, wäre das sogar sinnvoll", sagt Weckel.

Flexibilität und Mobilität gefragt

Kathrin Jaschkes bisherige Stationen lagen allesamt in Nordrhein-Westfalen, aber als Historiker sollte man schon eine ordentliche Portion Flexibilität und Mobilität mitbringen, um sich am Arbeitsmarkt erfolgreich zu etablieren, sagt Beckmann. Durch die vielen Zeitverträge ist ein häufiger Job- und Ortswechsel vorprogrammiert. Nicht zuletzt deshalb liebt Kathrin Jaschke ihren Job, sie arbeitet übrigens ganz normal von Montag bis Freitag. Besonders toll findet sie, dass man dort so nah an der Materie ist: "Wir können hier den Weg der Objekte von der Ausgrabung bis ins Museum verfolgen."

Wenn man sehen würde, wie gut eine Ausstellung bei einer Schulklasse ankäme, würde man abends mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Seit einem Jahr ist sie jetzt im LVR-Archäologischen Park Xanten/LVR-Römermuseum angestellt und immer noch so enthusiastisch wie am ersten Tag: Eine ihrer liebsten Freizeitbeschäftigungen ist es unter anderem, in andere Museen oder Ausstellungen zu gehen und sich dort Anregungen zu holen.
 


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