Karriere im Musikbusiness
Karriere im Musikmanagement: Für Musik-und Konzertliebhaber | Foto: Thinkstock/Zoonar RF
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27. Jun 2012

Nathalie Klüver

Berufsbilder

Berufswunsch: Musik-Manager

Musikbusiness-Studiengänge auf dem Prüfstand

Der eine will nach Wacken, der andere an die Oper

Irgendwelche Selfmadetypen fanden sich immer, die sich Bandmanager auf die Visitenkarte schrieben. Ein romantisches Bild, das immer noch viele vom Musikbusiness haben. Doch die Branche hat sich gewandelt, die Anforderungen haben sich geändert und auch hier gilt: je besser ausgebildet, desto besser die Karten.

Heute reicht ein Praktikum als Einstieg nicht mehr aus: "Die Zusammenhänge sind komplexer, die Ansprüche höher", sagt Professor Tobias Debuch von der mhmk Hamburg, wo man Musikmanagement studieren kann.

Um fast 15 Prozent sind die Umsätze in den vergangenen Jahren gesunken, der Markt hat einen enormen Umbruch erlebt. Noch sei der Tonträgermarkt am stärksten, sagt Professor Hubert Wandjo, Business Direktor und Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim und Leiter des Fachbereiches Musik & Kreativwirtschaft, aber in die digitalen Medien hätten sich immer mehr Jobs verlagert.

"Auch wenn es sich bei Musik um ein sehr emotionales Produkt handelt, benötigt man hier genau wie in anderen Branchen solide BWL-Kenntnisse", sagt Prof Wandjo aus Mannheim. An der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, kurz mhmk Hamburg, gehören zum Studiengang Musikmanagement deshalb BWL-Grundlagen, Buchhaltung, Recht, Musiktheorie und Musikmarketing.

Die Jobbandbreite der Absolventen sei groß, so Prof Tobias Debuch: "Während der eine nach Wacken will, zieht es den anderen ins Opernhaus." So gemischt seien auch die Studenten – vom Metal-Fan bis zur klassischen Pianistin.

Die Wege der Absolventen gehen meist in große Musikfirmen, kleinere Agenturen, Internetfirmen und in die Tonträger- oder Liveindustrie. In letztere möchte Dannika Ziel nach dem Studium. Die 22-Jährige liebt das Gefühl von Live-Konzerten. Ihr sei schon immer klar geworden, dass sie in der Musikbranche arbeiten möchte, erzählt sie – allerdings hinter der Bühne.

Sie weiß, dass die Musikbranche keine einfache Branche ist: "Aber gerade als Berufseinsteiger hat man es mit einem Studium um einiges leichter als die
meisten anderen."
Das kann Debuch bestätigen: Das Feedback der Unternehmen auf die Absolventen sei "extrem positiv".

70 Prozent haben nach dem Studium sofort einen Job

In Mannheim gehört ebenfalls BWL zu den Grundfächern, wie auch VWL, Recht, Medienkunde und die Fokussierung auf die Musik- und Kreativwirtschaft. Von Anfang an arbeiten die Studenten eng mit Künstlern zusammen. Neben zwei Praktika gibt es Projekte und Dozenten aus der Wirtschaft, sodass schon während des Studiums Kontakte geknüpft werden können.

Die Absolventen kommen in Musikverlagen, Tonträgerfirmen oder musikrelevanten Medien unter. Es gebe keinen Jahrgang, wo nicht wenigstens 70 Prozent sofort einen Job haben, sagt Wandjo.

"Eine besondere Leidenschaft ist notwendig", erklärt der Popakademie-Chef – schon allein, um die Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. Denn ein Musikmanager organisiert nicht nur die geschäftlichen Prozesse und Termine des Künstlers – er begleitet die Künstler auch auf Tournee, "eine Rundumbetreuung des Künstlers" halt, die viel Zeit in Anspruch nimmt.

"Die Manager sind enge Vertraute der Musiker und oft in den kreativen Prozess eingebunden." Weshalb überdurchschnittlich viele Manager selbst Musiker sind. Auch von den Musikbusinessstudenten macht fast jeder selbst Musik. Das ist zwar keine Voraussetzung, aber ein Interesse und ein Verständnis dafür, was es bedeutet, als Musiker tätig zu sein, sollten die Studenten schon mitbringen, sagt Alexander Endress von der Popakademie.

So wie Lukas Lindner, der im vierten Semester in Mannheim studiert. Der 22-Jährige spielte schon als kleiner Junge Geige und Schlagzeug und hatte seine eigene Band. Nun setzt er sich eher mit den organisatorischen Hintergründen auseinander und hat mit drei Kommilitonen ein eigenes Musikmanagementunternehmen gegründet. Mit Erfolg: Mit seiner Agentur Panalaskan betreut er einige Bands aus der Region, wie etwa die Deutschrock- Band Heising.

Nach Vorbildern muss Lukas Lindner an der eigenen Hochschule nicht lange suchen, so hat zum Beispiel ein Absolvent Tim Bendzko entdeckt und managt ihn heute.
 


Der Profi

Die Namen Tim Bendzko und Frida Gold finden sich in Chartlisten und auf CD-Covern. Ohne Konrad Sommermeyer stünden sie da wahrscheinlich nicht. Der 33-Jährige hat in Mannheim Musikmanagement studiert und hat schon während des Studiums angefangen unter anderem Frida Gold und Tim Bendzko zu managen. 24 Stunden sind nicht genug für jemanden wie ihn - das Gefühl hat man, wenn er von seinem Job spricht. Guerilla Entertainment heißt seine Firma und sieben Mitarbeiter gehören mittlerweile dazu. Dennoch ist Konrad Sommermeyer 24 Stunden im Einsatz, ständig erreichbar, ständig am Telefonieren, Mailen, Organisieren.

Organisieren ist die Kurzfassung von dem, was er den ganzen Tag macht: alles rund um den Künstler. Auftritte, die Aufnahmen im Studio, die Fotos, Interviews, Imagepflege, Social Media-Auftritte, die Website, Merchandising, Alben, die Finanzierung davon - alles, was man sich so vorstellen kann. Bis hin zum Privatleben und zu den Finanzen. "Ich handle alle Verträge aus", sagt Sommermeyer. Dazu gehört auch das Künstlerische selbst: Braucht der Sänger ein Vocalcoaching, der Gitarrist Gitarrenstunden, sind die Songs gut genug oder müssen wir einen Co-Writer suchen?

40 bis 50 Demotapes pro Woche

Und dann ist Konrad Sommermeyer, der früher auch selbst in einer Band spielte, natürlich immer auf der Suche nach neuen Künstlern. Hört sich 40 bis 50 Demotapes in der Woche an, geht zu Konzerten – "das bringt Riesenspaß, ist aber natürlich zeitintensiv", sagt er.

Was ihm sein Studium für das alles gebracht hat? "Erst einmal ist theoretisches Wissen immer gut", sagt er. Und dann: die Kontakte. Zu Künstlern, zu Musikern, die an der Popakademie studierten, zu Dozenten aus der Musikwirtschaft. Einen Eintritt in die Branche sozusagen. Garniert von den ersten Jobs in der Branche, die er durch die Studienpraktika und Projekte erhielt. Kontakte, ohne die es einfach nicht geht in seinem Job, die unverzichtbar sind.
 


Kurz & kompakt

  • Musikbusiness-Studiengänge gibt es u.a. an der Uni Paderborn oder der mhmk Hamburg.
  • Eine Vorreiterstellung hat die 2003 gegründete Popakademie Baden-Württemberg, eine staatliche Hochschuleinrichtung in Mannheim.
  • Zu den Absolventen gehören Bands wie Bakkushan.
  • Uni Paderborn Bachelor und Master Populäre Musik und Medien www.uni-paderborn.de
  • Popakademie Mannheim Musikbusiness www.popakademie.de
  • Mhmk Hamburg www.mhmk.de
     
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