Data Scientist
Data Scientist machen mehr als Number Crunching | Foto: Thinkstock/chombosan
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12. Mär 2018

Sebastian Wolking

Berufsbilder

Data Scientists: Pioniere in Goldgräberstimmung

Rasantes Job-Wachstum für Data Scientists

Wenn Daten das Gold des Internet-Zeitalters sind, dann ist der Data Scientist der Goldschürfer. In seiner Rangliste der "besten Jobs in Amerika" setzte das US-Bewertungsportal Glassdoor den Data Scientist Anfang 2018 auf Platz eins – zum dritten Mal in Folge. Und das Karrierenetzwerk Linkedin berechnete für die Zeit seit 2012 ein Job-Wachstum von sagenhaften 650 Prozent für Data Scientists. Der einzige Beruf, der in den Vereinigten Staaten noch schneller wächst, ist der Machine Learning Engineer. Und in Deutschland?

Datenwissenschaften als wichtiges Bildungsziel in Deutschland

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und Unternehmensberatung McKinsey formulierten Ende 2017 acht Ziele für die Bildungspolitik der kommenden Jahre. In ihrem Hochschul-Bildungs-Report finden sich Allgemeinplätze wie "Mehr Studierende für einen Auslandsaufenhalt gewinnen" oder "Bildungspotenzial der Flüchtlinge nutzen". Aber bezeichnenderweise taucht auch dieser Punkt auf: "Datenanalysekompetenzen in allen Disziplinen sichern: Data Science an Hochschulen ausbauen." Datenwissenschaften als Priorität für Deutschlands Akademiker – das ist dann doch überraschend.

Bis zu 95.000 Fachkräfte mit Data-Skills gesucht

Nur 23 Studiengänge mit Schwerpunkt Datenanalyse gab es laut Stifterverband Anfang 2017 in Deutschland. Seitdem sind zwar weitere hinzugekommen, doch auch die Nachfrage nach Spezialisten steigt ungebremst weiter. Auf bis zu 95.000 Fachkräfte mit Data-Skills schätzt der Stifterverband den Bedarf der deutschen Wirtschaft. Noch gibt es studierte Datenwissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt so gut wie keine. "Damit rechne ich erst in ein bis zwei Jahren", sagt Susanne Wolf, Chief Human Resources Officer bei der Alexander Thamm GmbH, einem der ersten Data-Beratungsunternehmen des Landes. Im Münchener Büro tummeln sich vor allem Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler, Physiker, Mathematiker, Ingenieure und Statistiker.

Gesucht: das "I love Data-Gen"

Vor Bewerbern können sich die Berater kaum retten. Rund 280 Bewerbungen gehen jährlich für das hauseigene Trainee-Programm ein, es gibt aber nur zehn Stellen. "Es gibt deutlich mehr qualitativ gute Bewerbungen als früher", hat Wolf festgestellt. Worauf achtet sie im Auswahlprozess? Zunächst darauf, ob der Bewerber das "I love Data-Gen" mitbringt. So umschreibt man bei Alexander Thamm die Affinität zu Zahlen und Daten. Aber dennoch: Die Vorstellung vom Data Scientist als Nerd, der im Kämmerlein über seinen Daten brütet, ist so weit entfernt wie der HSV von der Meisterschaft. "Er muss analytisches Verständnis haben, mit den gängigsten Programmiersprachen umgehen können, Kommunikationsskills mitbringen, smart und selbstbewusst auftreten und sehr gezielt Fragen stellen können", zählt die Personalerin auf. Data Scientists arbeiten oft in interdisziplinären Teams, verbringen viel Zeit in Meetings, müssen ihre Ergebnisse optisch hübsch aufbereiten und überzeugend präsentieren. Das harte Number Crunching macht nur einen Teil der Arbeit aus.


Die 10 wichtigsten Programmiersprachen für Data Scientists

In über 10.000 Stellenausschreibungen für Data Scientists, die Glassdoor ausgewertet hat, wurden diese zehn Skills am häufigsten verlangt:

  1. Python
  2. R
  3. SQL
  4. Hadoop
  5. Java
  6. SAS
  7. Spark
  8. Matlab
  9. Hive
  10. Tableau

Deutsche Bahn: 30 Datenprofis gleichzeitig

Mittlerweile beschäftigt Alexander Thamm rund 80 Mitarbeiter. Doch die Konkurrenz um die besten Köpfe steigt. Auch die Unternehmen selbst bauen Expertise auf. So wie die Deutsche Bahn. In allen Geschäftsbereichen der Bahn könnten Daten der Schmierstoff für Verbesserungen sein: Fernverkehr, Güterverkehr, Finanzen. Im Januar 2018 waren zu einem Zeitpunkt nicht weniger als 30 Stellenausschreibungen der Bahn gleichzeitig online – nur für Data Scientists. Insgesamt hat die Bahn nach eigenen Angaben im Jahr 2017 sogar 700 IT-Experten eingestellt, darunter viele Datenprofis.

Auch Data Engineers sind heiße Ware

Ist Data Scientist also wirklich der Trendjob schlechthin? Eigentlich nicht, meint Susanne Wolf. Der Zug der Digitalisierung fährt schon wieder weiter. Data Engineers, die Daten sammeln, aufbereiten und den Data Scientists so zur Verfügung stellen, dass diese sie gezielt analysieren können, seien gerade richtig heiße Ware. Jetzt müssen sie nur noch gefunden werden. Daten setzt Susanne Wolf im Bewerbungsverfahren übrigens nicht ein, keine Software, keine Algorithmen, gar nichts. Die Auswahl erfolgt rein nach menschlichem Ermessen.

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