Überblick Beruf Dolmetscher
Dolmetscher überwinden Sprachbarrieren | GettyImages/helenaak
Autor

04. Dez 2018

Celina Kumpernatz

Berufsbilder

Der Dolmetscher – das Sprachtalent

Das Berufsbild – Abgrenzung zum Übersetzer

Oft wird der Dolmetscher direkt in einem Atemzug mit dem Übersetzer genannt. Der Unterschied zwischen diesen beiden Berufen liegt eigentlich nur in einem Detail: Dolmetscher übersetzen hauptsächlich mündlich, Übersetzer dagegen tun dies eher schriftlich. Zu den Aufgaben eines Dolmetschers kann jedoch auch das Übersetzen von schriftlichen Texten gehören. Die beiden Berufsbilder sind daher eher schwierig voneinander zu trennen, die Grenzen sind eher fließend. Der Beruf des Dolmetschers gehört zu der übergeordneten Berufsgruppe Büro und Sekretariat und ist nicht geschützt. Daher können sich auch prinzipiell nicht ausgebildete Dolmetscher als solche bezeichnen. Um in diesem Berufsbild jedoch langfristig erfolgreich zu sein und gute Jobangebote zu erhalten, solltest du zum Beispiel einschlägige Zertifikate und Abschlüsse erwerben und vorweisen können.

Mit diesen Skills solltest du punkten, um Dolmetscher werden zu können:  

  • Genauigkeit und Sorgfalt
  • Schnelle Auffassungsgabe
  • Empathie
  • Kommunikationsstärke
  • Gutes Ausdrucksvermögen
  • Hohe Konzentrationsfähigkeit

So beginnst du deine Karriere

Möchtest du gerne als Dolmetscher arbeiten, kannst du dein "Handwerk? an einer Hochschule oder einer Fachakademie erlernen, denn um den Beruf ausüben zu können absolvierst du in der Regel ein Studium an einer Hochschule. Hier erlernst du sowohl die zeitgleiche als auch die zeitversetzte Übersetzung von Reden, Verhandlungen oder Gesprächen. Damit du erfolgreich in dein Studium starten kannst, benötigst du eine Hochschulberechtigung wie das Abitur und solltest auf jeden Fall gute Noten in diversen Fremdsprachen vorweisen können sowie ein echtes Sprachtalent sein. Du solltest nicht nur andere Fremdsprachen perfekt beherrschen, sondern auch wortgewandt in deiner eigenen Muttersprache überzeugen. Besonders sprachliche Feinheiten sind hier gefragt. Von Vorteil ist es natürlich auch, wenn dir Fachbegriffe z.B. aus der Wirtschaft bereits bekannt sind. Dies erleichtert dir deine Übersetzungsaufgaben und benötigt weniger Vorbereitungszeit für Aufträge in bestimmten Fachbereichen. Im Studium absolvierst du in der Regel erst einmal einen Bachelorstudiengang mit einer eher allgemein ausgerichteten Fachrichtung z.B. Übersetzungswissenschaft. Nach deinem Abschluss spezialisierst du dich in einem Master-Studium direkt auf den Beruf . Der Studiengang Konferenzdolmetschen bereitet dich mit Inhalten wie Allgemeine Sprachregelungen oder Übersetzungen in die Fremdsprache perfekt auf deinen Arbeitsalltag als Dolmetscher bzw. Dolmetscherin vor. Möchtest du nicht ein Studium beginnen, hast du auch die Möglichkeit dich für die Dolmetscher-Ausbildung zu entscheiden. Diese ist eine schulische Ausbildung und dauert bis zu drei Jahre. Der Unterricht findet an einer Fachschule statt, in der du alles lernst, was du über das Berufsbild wissen musst. Um die Ausbildung zu beginnen, wird das Abitur oder das (Fach-)Abitur empfohlen. Hast du schon einige Sprachkenntnisse vorzuweisen, weil du z.B. zweisprachig aufgewachsen bist, besteht auch die Möglichkeit die Ausbildung mit einem Realabschluss zu beginnen. Während dieser Zeit wählst du eine oder mehrere Fremdsprachen aus, auf die du dich spezialisierst, sowie auf einen Fachbereich, in dem du später gerne arbeiten möchtest. In theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten erlernst du dann diese Fremdsprache und lernst deinen Fachbereich und die Voraussetzungen für diesen genauer kennen. Auf deinem Stundenplan steht auch die Vertiefung deiner Allgemeinbildung in Fächern wie Deutsch, Textverarbeitung oder Landeskunde. Am Ende deiner Ausbildung wirst du staatlich geprüft und musst eine mündliche sowie schriftliche Prüfung absolvieren. Die Prüfung kann je nach Bundesland variieren.

Im Laufe deiner Ausbildung beschäftigst du dich z.B. mit der Grammatik, denn jede Sprache besitzt ein eigenes Regelwerk. Ebenfalls behandelst du die Idiomatik. Hier werden verschiedene Redensarten, Sprichwörter oder Eigentümlichkeiten besprochen, die es in jeder Sprache und jedem Land, auch kulturbedingt, gibt. Zudem lernst du wie du diese deuten und sinngemäß übersetzen kannst. Auch die Orthografie ist ein wichtiger Themenkomplex, der sich mit der Rechtschreibung beschäftigt. Denn die Orthografie deiner ausgewählten Sprache solltest du auf jeden Fall beherrschen, da sie sowohl bei der schriftlichen als auch bei der mündlichen Übersetzung wichtig ist.

Die Spezialisierungsmöglichkeiten

Während deiner Ausbildung spezialisierst du dich schon auf verschiedene Bereiche. Zwischen diesen Bereichen kannst du wählen:

  • Gebärdendolmetscher
  • Fachdolmetscher
  • Beeidigter Dolmetscher
  • Beratender Dolmetscher 

Dolmetschertechniken und Tätigkeitsbereiche

Dolmetscher verwenden in ihrem Arbeitsalltag verschiedene Techniken. Das Simultandolmetschen beispielsweise konzentriert sich auf das Übersetzen von Redebeiträgen in Echtzeit. Hier wird absolute Perfektion und höchste Aufmerksamkeit verlangt, da diese Aufgabe durchaus anstrengend sein kann. Meistens arbeiten zwei Simultandolmetscher gleichzeitig in einer schallisolierten Dolmetschkabine und teilen sich die Arbeit. Das Flüsterdolmetschen ist ein Spezialfall des Simultandolmetschens, bei der Dolmetscher einer Person die Übersetzung zuflüstert. Beim Konsekutivdolmetschen dagegen übersetzen Dolmetscher zeitversetzt Passagen einer Rede. Beim Gesprächsdolmetschen übersetzen Dolmetscher Reden und dazugehörige Antworten auch zeitversetzt, jedoch während eines Vortrages. Als Dolmetscher wirst du in vielen unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen eingesetzt, da sie in vielen Bereichen benötigt werden, um Sprachbarrieren, besonders bei internationalen Berufen, zu beseitigen. Du kannst sowohl als Konferenzdolmetscher arbeiten als auch bei einem Gericht. Besonders häufig werden Dolmetscher bei internationalen politischen Veranstaltungen gebraucht, genauso wie im Radio oder in TV-Shows. Hier wird von dir nicht nur verlangt, das gesprochene Wort in die Zielsprache zu dolmetschen, sondern auch die Stimmung des Redners zu transportieren. Das beeinflusst erheblich wie es bei der Person, die die Übersetzung benötigt, verstanden und interpretiert wird. Daher gehört hier vor allem eine große Portion Empathie zu deiner Arbeit dazu. In deinem Arbeitsalltag arbeitest du entweder direkt vor Ort, beispielsweise bei Veranstaltungen, im Gericht oder auch im EU-Parlament. Bei Behörden des Landes oder des Bundes wird der Beruf ebenso gebraucht. Du arbeitest aber auch oft in Übersetzungsbüros oder bei Dolmetscherdiensten. 

Das Gehalt während der Ausbildung

Da es sich bei der Ausbildung um eine schulische Ausbildung handelt, besitzt du während dieser Zeit keinen rechtlichen Anspruch auf eine Vergütung, da du an einer Berufsfachschule unterrichtet wirst. Zudem ist es sogar häufig der Fall, dass du für deine eigenen Schulkosten aufkommen musst. Auch während eines Studiums verdienst du kein Gehalt, sondern musst den Sozialbeitrag in jedem Semester selber finanzieren. Erfüllst du bestimmte Voraussetzungen, besteht die Möglichkeit während deiner Ausbildung oder deinem Studium finanziell unterstützt zu werden. Bafög hilft dir dabei, während der Ausbildungszeit über die Runden zu kommen. Verschiedene Faktoren wie z.B. dein Einkommen, das Einkommen deiner Eltern oder deine Wohnsituation beeinflussen, ob du Bafög erhältst und in welcher Höhe. Du kannst einen Antrag bei dem Amt für Ausbildungsförderung stellen, um zu erfahren, ob du einen Anspruch auf finanzielle Hilfe hast. Informieren kannst du dich dafür beim Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Einstiegsgehalt 

Dein Gehalt nach der Ausbildung wird von mehreren Faktoren wie z.B. deinen Erfahrungen, der Branche, in der du arbeitest, sowie deinem Arbeitgeber beeinflusst. Arbeitest du in der öffentlichen Verwaltung und besitzt einen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, kannst du monatlich mit einem Einstiegsgehalt bis zu 2500 Euro brutto rechnen. Mit mehr Berufserfahrung über die Jahre kann deine Vergütung im Monat bis zu 3000 Euro brutto ansteigen. Danach ist auf der Gehaltsskala Luft nach oben. Gehälter bis zu 5000 Euro brutto im Monat und mehr sind hier möglich.

Herausforderungen des Berufs

Der Beruf des Dolmetschers / der Dolmetscherin kann durchaus anstrengend und kräftezehrend sein, da er eine hohe Konzentrationsfähigkeit erfordert. Die Arbeitszeiten sind in der Regel überschaubar. Die Work-Life-Balance kann jedoch auch mal unter dem anstrengenden Berufsalltag leiden.

Karrieresprung durch Weiterbildung

Weiterbildungen ermöglichen es dir in deinem Beruf die Karriereleiter hinauf zu steigen und für bessere Verdienstmöglichkeiten zu sorgen. Es besteht die Möglichkeit die Weiterbildung als Dolmetscher bzw. Übersetzer in Angriff zu nehmen. So bleibst du immer auf dem aktuellsten Stand.

Möchtest du lieber dein eigener Chef sein, kannst du dich auch mit deiner eigenen Agentur selbstständig machen.

Berufsperspektiven und Entwicklungschancen in dem Berufsbild 

Da das Berufsbild eher in einem Nischenbereich angesiedelt ist, sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eher mittelmäßig. Das liegt auch daran, dass dieser Beruf vergleichsweise zu anderen Berufen weniger stark nachgefragt wird. Trotzdem ist auch in diesem Beruf eine Karriere möglich, da du als Dolmetscher in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt wirst. Bist du zudem noch richtig gut in deinem Job, wirst du auch keine Probleme haben eine Stelle zu finden. Auch durch die zunehmende Globalisierung steigen die Chancen auf eine erhöhte Nachfrage nach Dolmetschern, da auch immer mehr Firmen Geschäftsbeziehungen z.B. in die USA oder nach Asien pflegen und Unterstützung benötigen.

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