Von Bier bis Trecker: Ungewöhnliche Ingenieurberufe
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13. Mär 2017

Florian Schmitz

Berufsbilder

Exotische Ingenieurberufe

Brau- und Getränketechnologe: Aus Liebe zum Produkt

Sich den ganzen Tag mit Bier beschäftigen und literweise Freibier im Monat bekommen – für den einen oder anderen klingt es jetzt sicher verlockend, Ingenieur in der Brau- und Getränketechnologie zu werden. "Es gehört natürlich viel Liebe zum Produkt dazu", sagt Achim Nieroda, Referent Technik des Deutschen Brauer-Bundes. Es geht aber nicht darum, sich ein Bierchen nach dem anderen zu genehmigen.

Wer sich dafür entscheidet, braucht ein ausgeprägtes Verständnis von Naturwissenschaften. Mathematik, Physik, Elektrotechnik sowie natürlich Chemie und Biologie bestimmen große Teile des Grundstudiums. Erst später geht es ans Bierbrauen. Im Beruf geht es je nach Posten darum, das Produkt und die Herstellung zu verbessern. Regelmäßig muss man biochemische Kontrollen durchführen. Und ja, Teil des Jobs kann es sein, das Getränk mehrmals am Tag zu verkosten. "Das gehört ebenfalls zur Qualitätssicherung", sagt Nieroda.

In der Getränkeindustrie landet man als Brau- und Getränketechnologe nicht immer. Trotz 1344 Brauereien im ganzen Land sind Stellen oft langfristig vergeben. Zahlreiche Ingenieure arbeiten zum Beispiel fürs Patentamt, für die Pharmaindustrie oder für Flaschenhersteller. Das Geschäft ist außerdem international. "Mehr als 90 Prozent der Brauanlagen weltweit kommen aus Deutschland – da gibt es großen Bedarf an Ingenieuren. Deutsche Brau- und Getränketechnologen gibt es überall auf der Welt. Das liegt an der guten Ausbildung", sagt Nieroda. Das mit dem Freibier war übrigens kein Scherz. Je nach Vertrag sind laut Nieroda bis zu 70 Liter monatlich drin.

Sportingenieur: Nah dran an den Stars

"Entscheidend ist auf?m Platz." Diesen Spruch hat der Dortmunder Fußballtrainer "Adi" Preißler geprägt. So weit, so richtig – Sportler im Wettkampf haben gerade in den Ballsportarten kaum noch ein Hilfsmittel zur Verfügung außer sich selbst. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn drum herum hilft heutzutage oftmals Hightech, von der Vorbereitung bis zur Analyse.

Einer, der Profisportlern mit Ingenieurskunst auf die Sprünge hilft, ist Felix Laser. Der 24-Jährige hat seinen Bachelor als Sportingenieur an der TU Chemnitz abgelegt und arbeitet bereits während seines Masterstudiums bei der Firma Sports Innovated im oberbayerischen Bad Endorf. "Ich war schon immer sehr sportbegeistert. Die Kombination aus Mensch, Technik und Interaktion, um dem Sportler zu helfen, interessiert mich sehr", sagt Laser. Er selbst ist unter anderem als Handballer aktiv.

Viele Möglichkeiten stehen trotz des sehr spezialisierten Studiums im Beruf offen. Sportingenieure entwickeln zum Beispiel Sportgeräte, die beim Training helfen, oder intelligente Sportkleidung mit GPS-Tracking und anderen Finessen. Die Systeme, mit denen die Sportingenieure arbeiten, spucken haufenweise Daten aus, die analysiert werden. Laser konzentriert sich aktuell auf die Leistungsdiagnostik, unter anderem mit den Profifußballern des Zweitligisten SpVgg Greuter Fürth. "Wir machen verschiedene Tests, um zu prüfen, welchen Leistungsstand die Sportler haben. Daraus können wir erkennen, in welchen Bereichen sie sich noch verbessern können", sagt Laser.

Agraringenieur: Die Menschheit ernähren

Kai Wenners Begeisterung für Traktoren begann, als er zwei Jahre alt war. Seine Eltern bauten ein Haus in Westfalen, und ein befreundeter Landwirt kam vorbei, um mit dem Trecker den Boden aufzugraben. Ein faszinierendes Bild für den kleinen Kai Wenner. Heute ist er 28 Jahre alt und arbeitet seit 2015 in Bruchsal, Baden-Württemberg, beim amerikanischen Unternehmen John Deere - einem der größten Hersteller von Landmaschinen weltweit. Neben dem Spaß an den Maschinen kam für ihn noch ein weiterer sinnstiftender Grund hinzu: "Es geht bei unserer Arbeit um die Ernährung der Menschheit", sagt Wenner.

Sein Einstieg in den Job lief unter anderem über den Fachbereich Agrartechnik an der Uni Hohenheim. Im Alltag steht er trotz der Ausbildung relativ wenig auf dem Feld. Wie das Leben im Boden von der Landwirtschaft beeinflusst wird, hat er trotzdem drauf. Sein technisches Wissen ist aktuell vor allem auf Messen gefragt. Traktoren, Mähdrescher oder Feldhäcksler sind die Limousinen der Agraringenieure. "Ähnlich wie im Autobereich nimmt es zu, dass die Maschinen durch die Elektronik schlauer werden. Die Fahrer sind weniger Lenker als Überwacher", sagt Wenner.

Dass die Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich längst nicht mehr nur mit der Arbeit auf dem Acker zu tun hat, bewirbt auch der Bundesverband Agrar, Ernährung, Umwelt: "Moderner denn je – Laptop statt Gummistiefel", heißt es auf seiner Webseite agrarstudieren.de. Das Portal gibt den Überblick, wo man Agrartechnik studieren kann.

Textil- und Bekleidungsingenieur: Traumjob ohne Catwalk

Wer sich im Studium mit Textilien und Klamotten beschäftigt, wird irgendwann Nachfolger von Karl Lagerfeld und Wolfgang Joop? "Das habe ich oft gehört: ?Du studierst Modedesign?? Nein, so ist es nicht", sagt Luisa Sauerwald lachend. Ihren Bachelor hat sie an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach abgelegt und sich auf den technischen Bereich in der Textil- und Bekleidungstechnik spezialisiert. Gewebe und Fasern sind ihr Ding, "für mich ist das ein absoluter Traumjob", sagt die 28-Jährige – auch ohne Glamour und Catwalk.

Sie arbeitet seit ein paar Monaten bei der Firma HB Schutzbekleidung im rheinland-pfälzischen Thalhausen. "Meine Aufgabe ist es, Berufsbekleidung durch innovative Materialien besser zu machen", sagt sie. Schutzkleidung gegen Feuer, Hitze oder Kälte gehört dazu ebenso wie Anzüge für sterile Reinräume. Grundlage für die Produktion sind Vorschriften und Gesetze, die beachtet werden müssen, damit die Kleidung wirklich sicher ist. Um diese Zertifizierung kümmert sich Luisa Sauerwald ebenfalls. In der nächsten Zeit wird sich die Ingenieurin nach neuen Stoffen umsehen – die dabei helfen, dass Menschen bei ihrer Arbeit sicher sind.

Für Textil- und Bekleidungstechniker geht es sogar weit über das Bekleidungsgeschäft hinaus. Material aus Stoff und Fasern findet sich eben überall: Im Flugzeug, in Autos – sogar im Straßenbau werden heutzutage Materialien benutzt, die wie Bekleidung gewoben werden. Berühmtes Beispiel ist die Carbonfaser, die je nach Bedarf leicht und fest sein kann.

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