Hotetesterin Andrea Labonte am Strand
Hoteltesterin Andrea Labonte erzählt aus ihrem Arbeitsalltag | Foto: Wellness Heaven
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12. Dez 2016

Marc Wiegand

Berufsbilder

Im gleichen Bett wie Jogi schlafen

Andrea Labonte arbeitet als Hoteltesterin

Das sagt Andrea Labonte...über ihr Geschäftsmodell:

"Zusammen mit meinem Mann betreibe ich seit 2006 eine Online-Plattform für Wellness-Hotels. Die Hoteliers können bei uns zwischen einem Basis- und einem Premium-Profil wählen. Zur zweiten Variante gehört, dass wir das Hotel in puncto Wellness, Lage/Umgebung, Zimmer/Suiten, Kulinarik und Service umfassend bewerten und vor Ort einen Testbericht schreiben. Alle Hotels zahlen natürlich den gleichen Preis. Niemand hat so die Möglichkeit,  sich Vorteile zu erkaufen."

...über die ursprüngliche Idee:

"Wir haben 2006 ein verlängertes Wochenende in einem Wellness-Hotel in Südtirol verbracht und waren alles andere als zufrieden. Aus dieser Verärgerung ist die Idee entstanden, eine Möglichkeit zu schaffen, sich umfassend unabhängig über Destinationen zu informieren. Dann haben wir die Seite aufgebaut und dieses Projekt hat dann eine gewisse Eigendynamik bekommen."

...über die Testbesuche:

"In der Regel sind wir drei Tage in einem Hotel. Zur Bewertung nutzen wir einen speziellen Algorithmus, den mein Mann, ein Numerik Spezialist, eigens entwickelt hat. Insgesamt werden 500 harte Kriterien zur Evaluation herangezogen. Und auch das Schreiben des Testberichts erfordert viel Zeit. Wir reisen dabei nicht inkognito, sondern kündigen unsere Besuche an. Denn wir bewerten ohnehin vorwiegend anhand harter Kriterien, die man nicht kurzfristig oberflächlich verbessern kann. Die Poolgröße, die Ausstattung der Suiten oder die Lage des Hotels sind ja beispielsweise relativ fixe Faktoren. In meinen Augen macht häufig das Engagement der Gastgeber den feinen, aber entscheidenden Unterschied. Herzlichkeit und die Liebe für Details haben einen hohen Stellwert."

...über ihre Qualifikation:

"Ich habe zunächst eine kaufmännische Ausbildung gemacht und dann International Business in Mainz und Paris studiert.  Für meinen Job ist es wichtig, offen zu sein, analytisch Denken zu können und Spaß am Schreiben zu haben."

...über die Daseinsberechtigung ihres Jobs:

"Ich denke, wir sind eine sinnvolle Ergänzung zu den bekannten Endverbraucherportalen. Wir sind Profis und haben bereits mehr als 360 Hotels gesehen. Grundsätzlich sind wir objektiver, da wir uns nicht wie ein normaler Urlauber bei den Bewertungen von positiven oder negativen Emotionen leiten lassen."

...über ihre beruflichen Highlights:

"In Südtirol haben wir in der Suite residiert, die Jögi Löw bei der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2014 bewohnte. Ich wurde von der gleichen Masseurin massiert, die Barack Obama beim G7-Treffen mitten in der Nacht durchknetete. Und auf den Malediven waren wir auf einer einsamen Mini-Insel einquartiert, die für insgesamt nur vier Hotel-Gäste ausgerichtet war."

...über die Schattenseiten ihres Jobs:

"Wir sind natürlich sehr viel unterwegs und gerade mit kleinen Kindern wäre es auch mal schön, länger zu Hause zu sein. Auf der anderen Seite bietet die Selbstständigkeit auch sehr viele Freiheiten."
 

 

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