Forscher-Karriere
Entwickeln, erforschen, neudenken: deine Aufgaben als Forscher | Foto: Thinkstock/AzmanJaka
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28. Apr 2016

Ines Bruckschen

Berufsbilder

Karriere als Forscher

Der kreativste Job der Welt

Vier Forscher und Entdecker

Was haben Dr. House, Danni Lowinski und die Gentechniker von CSI gemeinsam? Laut einer Studie der Universität Münster liefern diese TV-Serien vielen Jugendlichen eine erste Idee für ihren späteren Beruf. Arzt, Anwalt oder Polizist – darunter können sich alle etwas vorstellen.

Allerdings hätte dann der Quotenhit "The Big Bang Theory" – 2014 in Deutschland die meistgesehene Fernsehserie der 14- bis 49-Jährigen – einen Ansturm auf naturwissenschaftliche Fächer auslösen müssen. Das war nicht der Fall. Vielleicht weil die Serie mit alten Klischees spielt? Schließlich fallen Sheldon und Co. durch schlimme Frisuren und befremdliches Sozialverhalten auf. Über die kann man gut lachen, man will aber nicht sein wie sie.

Reich wie die Profi-Fußballer

Karlheinz Brandenburg"Forschung hat ein Imageproblem", sagte auch Karlheinz Brandenburg kürzlich zur Süddeutschen Zeitung. Obwohl der Elektrotechniker und Mathematiker der beste Beweis dafür ist, dass man mit Forschung reich und berühmt werden kann. Vor gut zwanzig Jahren entwickelte der heute 60-jährige Fraunhofer-Forscher ein Audioformat mit, das unter dem Namen MP3 bekannt geworden ist. Noch heute übersteigt sein Anteil an den jährlich dafür fälligen Lizenzgebühren sein Professorengehalt an der TU Ilmenau deutlich.

"Wer sich in einem technischen Fach richtig verbeißt, der kann mitunter so viel verdienen wie ein erfolgreicher Fußballspieler oder Schlagersänger", lautet seine Botschaft an junge Menschen. Aber welche Möglichkeiten bietet die Forschung für Einsteiger? Zunächst muss man zwischen Grundlagen und angewandter Forschung unterscheiden.

Grundlagenforschung will bislang Unbekanntes klären

Nicolas SnaideroDer Neurowissenschaftler Nicolas Snaidero betreibt Grundlagenforschung über unser zentrales Nervensystem. Weil Myelin – eine Biomembran, die unsere Nervenzellen schützen soll – immer häufiger als Hauptursache neurologischer Erkrankungen wie Multiple Sklerose genannt wird, ist eine Entschlüsselung der grundlegenden Prinzipien von Myelinbildung wichtig.

"Ich möchte die Mechanismen aufklären, über die die Myelinscheiden und Axone beziehungsweise Neurone kommunizieren", erklärt der 31-Jährige. Seine Promotion am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen wurde ausgezeichnet, nun forscht Snaidero als Postdoc am Institut für Klinische Neuroimmunologie der LMU München.

Angewandte Forschung will konkrete Probleme lösen

Stefanie ReilStefanie Reil dagegen wollte mehr Praxisbezug. Deshalb untersucht die 35-jährige Ingenieurin für Energietechnik heute am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT nahe Nürnberg, wie sich thermische Energiespeicher effizienter machen lassen.

Seit Anfang 2014 entwickelt sie mit ihrem Team neue Verfahren und Anlagen, um Biomasse und -abfall wieder in Energie umzuwandeln bzw. zu speichern. Ein Thema, das in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen wird. "Mich motiviert es, dass hier wirklich ein Bedarf ist und dass wir etwas verändern können."

Vom Forschen zum Gründen

Alina SchickEtwas verändern will auch die Biologin Alina Schick (38). Sie bringt Blumen und Bäume dazu, waagerecht zu wachsen, indem sie deren Gravitationssinn manipuliert. Damit ließen sich graue, dicht bebaute Millionenstädte lebenswerter gestalten. Denn wenn die Pflanzen dort künftig horizontal aus den Fassaden heraus wachsen, nehmen sie keinen Platz weg, verbessern die Luft, wirken angenehm auf die Psyche der Großstädter und sehen dazu noch gut aus.

Neben ihrer freien Mitarbeit an der Uni Stuttgart-Hohenheim ist Alina Schick nun auch Unternehmerin. Sie gründete die Firma GraviPlant, um ihre Pflanzen selbst vermarkten zu können. Anfragen erhält sie bereits aus den asiatischen Megacitys, die unter Smog leiden, und aus dem arabischen Raum.

Forschung ist kreativ

Was diese Forscherinnen und Forscher gemeinsam haben: Sie lieben es, ständig neue Erkenntnisse zu gewinnen und kreativ zu sein. Ein Vorteil, der zu wenig bekannt ist, wie Andrea Kick als Leiterin der Studienberatung an der TU München findet: "Viele denken, sie seien nur kreativ, wenn sie Kunst und Design studieren. Wenn wir dann die Möglichkeiten verschiedener naturwissenschaftlicher Berufe aufzählen, gibt es viele Aha-Momente."

Wirtschaft und Industrie stellen übrigens auch gerne ehemalige Forscher ein – denn die wissen, wie man Innovationen vorantreibt.


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