Kultur und Technik im Job
Das Auditorium (Congress Center Düsseldorf) lässt Technikerherzen schlagen | Foto: Moritz Hagedorn
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27. Mai 2013

Christina Scholten

Berufsbilder

Kultur und Technik im Job vereinen

Die Berufe Technischer Leiter im Theater und Veranstaltungstechniker machen es möglich

Hajo Krause, Technischer Leiter

Hinter der Bühne liegt die Dunkelheit in langen Gängen. Abends huschen hier die Schauspieler her, um zu ihrem Auftritt zu kommen. Tagsüber trifft man dort Hajo Krause auf seinem Weg zu neuen Aufgaben. Davon gibt es für den Technischen Leiter des Schauspielhauses Bochum immer eine Menge. Ob es der Umbau der Klimaanlage im Gebäude ist, Überlegungen zur technischen Umsetzbarkeit von Stücken oder Meetings: Die Arbeitsbereiche sind vielfältig. "Jedes Stück muss angefangen von einer Bauprobe über die Werkstattübergabe und Einrichtung bis hin zur Premiere technisch geplant werden", erzählt er.

Hier im Theater ist dabei oftmals viel Kreativität gefragt, schwärmt der 50-Jährige. Denn die Ideen der Regisseure und Bühnenbildner müssen nicht nur mit einem begrenzten Budget bestritten werden, auch Sicherheitsvorkehrungen machen manch einer Planung einen Strich durch die Rechnung. Immer dann muss Hajo Krause sich mit seinen Mitarbeitern etwas einfallen lassen. "Da ist viel Wissen rund um die Produktion nötig, weil Dinge umgebaut werden müssen, zum Beispiel Kühlschränke ohne Kühlelemente und ohne Rückwand, weil dort jemand drin sitzen sollen. Oder auch Tische und Schränke, die viel leichter sein müssen als normale." Dafür kann Hajo Krause aus seinem großen Erfahrungsschatz schöpfen.

Bereits mit 16 Jahren hat er im Deutschen Theater in Berlin eine Lehre als Schreiner gemacht und später als Bühnentechniker und dann Bühnenmeister gearbeitet. Von dort aus ging es weiter mit Stationen als Assistent in Potsdam, der Weiterbildung zum Beleuchtungsmeister, Technischer Leiter in Kassel, um schließlich in Bochum anzukommen. "Als Technischer Direktor muss man sich ständig weiterbilden. Seminare am Wochenende zu Sicherheitsbestimmungen gehören zum Beispiel dazu", erklärt er, während er auf der Bühne des großen Theatersaales steht. Außerdem beginnt er gerade mit seinem Pyrotechnikerschein fügt er hinzu und schmunzelt. Er freut sich darauf, denn dann kann er hier in Bochum ein richtiges Feuerwerk für das Theater auf die Bühne bringen.
 


Daniel Jatzkowski, Meister für Veranstaltungstechnik

Auf dem Parkett des großen Saales tanzt das Sonnenlicht. Mittendrin steht Daniel Jatzkowksi und begutachtet zufrieden die Scheinwerfer, die knapp über dem Boden hängen – und am Abend dort leuchten werden, wo jetzt das Tageslicht hineinkommt. Mit Stahlketten und dazugehörigen Motoren werden sie an die Decke gezogen, erklärt der 32-Jährige das sogenannte Rigging-Verfahren. Dass dann alles an seinem richtigen Platz ist, ist eine seiner Aufgaben als Meister für Veranstaltungstechnik im CCD Congress Center Düsseldorf. In den nächsten fünf Tagen baut er mit seinen Männern die komplette Technik für die Aktionärshauptversammlung der Metro-AG auf.

Ob Ton, Licht oder Projektion, Daniel Jatzkowski kennt sich dabei in jedem Bereich bestens aus. Denn das alles gehört zum Job dazu. Angefangen hat er hier als technische Aushilfe, doch der Nebenjob hat ihm so gut gefallen, dass er prompt die Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik gemacht hat: "Es ist kein Tag wie der andere. Natürlich gibt es oftmals gleiche Abläufe, aber es ist immer wieder etwas Neues dabei." Gerade große Events wie zum Beispiel eine Karnevalssendung für das Fernsehen sind schöne Herausforderungen, erzählt er weiter. Doch nicht nur die Technik ist es, die ihm dabei Freude bereitet: "Es ist die Kommunikation mit den Kunden, die an erster Stelle steht. Wir sind hier Dienstleister und möchten mit unserer Arbeit alle Wünsche für den Auftrag erfüllen können."

Um seine Begeisterung für den Job weiterzugeben, den es erst seit 1998 als Ausbildungsberuf gibt, hat Daniel Jatzkowski selbst die Position als Ausbildungsleiter hier übernommen. Der Beruf bietet dabei zahlreiche Spezialisierungsbereiche, in die sich die Azubis während der Ausbildung schon einfinden können. Eine Affinität zur Technik sollte man dabei schon mitbringen, meint der Fachmann und fügt hinzu: "Aber das Wichtigste ist, mit Spaß bei der Sache zu sein."
 


Viele Ausbildungsberufe gibt es auch als Studiengänge

Theatertechniker: Bachelor of Engineering, zum Beispiel an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaft und Theater. Mit diesem Studiengang kann man als technischer Leiter im Theater arbeiten.

Veranstaltungstechnik und -management: Bachelor of Engineering, zum Beispiel an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaft und Veranstaltungstechnik.

Toningenieur: entweder als Schwerpunktfach der Elektrotechnik oder als eigenständiger Studiengang an speziellen Hochschulen, zum Beispiel an der Fachhochschule Düsseldorf in Kooperation mit der Robert-Schumann-Schule. Hier geht es primär um die technische Betreuung der Akustik einer Veranstaltung.

Bühnenmaler/in und Bühnenplastiker/in: Abschluss Diplom, zum Beispiel an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Schwerpunkt ist die künstlerische Umsetzung des Bühnenbilds in Form von Zeichnungen, Plastiken oder Malereien.
 

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