Naturwissenschaftler auf Abwegen
Naturwissenschaftler müssen nicht unbedingt im Labor enden | Foto: Thinkstock/Paul Daniel Florea
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03. Mär 2014

Marie-Charlotte Maas

Berufsbilder

Naturwissenschaftler auf Abwegen

Unternehmensberatung, Ministerium, Journalismus, Versicherungsbranche

In der Unternehmensberatung

Experte: Klaus Reiners ist Pressesprecher beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e. V.

  • Wer wird gesucht?
    "Alle Naturwissenschaftler haben gute Chancen. Personaler schätzen vor allem ihre analytischen Fähigkeiten und ihr Organisationsvermögen. Allerdings werden nur die Besten des Jahrgangs zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen."
     
  • Was muss man mitbringen?
    "Man sollte kommunikativ sein und sich gut in andere Menschen hineinversetzen können, sich für das Thema Wirtschaft interessieren und offen für Neues sein: In den großen Beratungen werden Naturwissenschaftler in allen Bereichen eingesetzt, es gibt aber auch solche, die sich mit Themen wie Energiewirtschaft oder Umweltmanagement beschäftigen und in denen man in seinem Fachgebiet arbeitet."
     
  • Wie kann man sich auf den Einstieg vorbereiten?
    "Viele Unternehmensberatungen machen ihre neuen Mitarbeiter in speziellen Programmen oder Traineeships fit, so dass sie das nötige betriebswirtschaftliche Wissen bekommen. Trotzdem ist es sinnvoll, bereits während des Studiums über den Tellerrand geschaut zu haben – Auslandsaufenthalte, ausgefallene Sprachkenntnisse und Praktika in der Wirtschaft werden wohlwollend zur Kenntnis genommen, sind aber keine zwingende Voraussetzung. Grundsätzlich gilt: Je komplexer die Person ist, desto interessanter."
     

Im Ministerium

Experte: Rüdiger Fischer ist Pressereferent im Bundesministerium für Bildung und Forschung

  • Wer wird gesucht?
    "Im Bundesministerium für Bildung und Forschung sind im höheren Dienst derzeit rund 20 Prozent Naturwissenschaftler beschäftigt. Sie arbeiten als Referenten in den Bereichen Forschung und Bildung oder in der Zentralabteilung. Dort bereiten sie die Termine der Ministerin oder der Staats sekretäre vor und betreuen häufig die vom Ministerium geförderten Forschungseinrichtungen oder Projekte: Das Spektrum reicht von der Polar- und Meeresforschung über Fragen der Internetsicherheit bis hin zur beruflichen Bildung."
     
  • Was muss man mitbringen?
    "Ein mit überdurchschnittlichen Ergebnissen abgeschlossenes Hochschulstudium, mindestens die Abschlussnote 'gut'. Darüber hinaus sollten Bewerber eine breit gefächerte Allgemeinbildung und ein ausgeprägtes Interesse an Bildungs- und Forschungsthemen mit bringen."
     
  • Wie kann man sich auf den Einstieg vorbereiten?
    "Das BMBF bietet an seinen Dienstsitzen in Bonn und Berlin Praktika an, sie sind aber keine Einstellungsvoraussetzung. Verlangt wird hingegen, dass man vor der Bewerbung mindestens zweieinhalb Jahre Berufserfahrung gesammelt hat. Anschließend muss man sich in ganztägigen Assessment-Centern beweisen."
     

Im Journalismus

Experte: Martin Schneider ist Vorsitzender der Wissenschaftspressekonferenz e. V. und arbeitet als Redakteur beim SWR Fernsehen im Bereich Wissenschaft und Bildung

  • Wer wird gesucht?
    "Da man sich als Wissenschaftsjournalist nur schwer auf ausschließlich ein Gebiet beschränken kann, ist eine naturwissenschaftliche Grundausbildung wichtiger als das Fach. Ein Bachelor kann übrigens durchaus reichen. Biologie hat den Vorteil, recht umfassend zu sein, andererseits gibt es bereits recht viele Biologen im Wissenschaftsjournalismus."
     
  • Was muss man mitbringen?
    "Das Wichtigste sind Neugier und Interesse für sehr viele Gebiete. Man muss Zusammenhänge herstellen und einordnen können. Und natürlich sollte man gut schreiben können."
     
  • Wie kann man sich auf den Einstieg vorbereiten?
    "Praktika und eine freie Mitarbeit bei einem Medium seiner Wahl sind in jedem Fall sinnvoll. Die Kontakte, die man dabei sammelt, ebnen einem letztlich den Weg. Auch ein Aufbaustudiengang kann weiterhelfen, angeboten wird ein einjähriger Master beispielsweise an der TU Darmstadt."

In der Versicherungsbranche

Experte: Michael Gold ist Geschäftsführer beim Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland

  • Wer wird gesucht?
    "Naturwissenschaftler werden häufig für ihre analytischen Fähigkeiten, ihre Problemlösungsorientierung und ihr Durchhaltevermögen gelobt. Genau darum finden Physiker, Chemiker und Biologen auch in der Versicherungsbranche leicht Jobs als Underwriter, Aktuare, Schadensermittler oder im Finanzanlagegeschäft. Und auch in der Marktforschung, im Risikomanagement oder in der IT sind sie gefragte Mitarbeiter."
     
  • Was muss man mitbringen?
    "Neben fachlichen Fähigkeiten, die vom Einsatzbereich abhängen, sollten Bewerber Teamfähigkeit, Eigeninitiative, Kreativität, Dynamik, Überzeugungs- und Entschlusskraft mitbringen. Und sie sollten in der Lage sein, komplexe Zusammenhänge schnell zu erfassen und zu abstrahieren. Unumgänglich ist auch ein grundsätzliches Interesse an wirtschaftlichen Zahlen und Abläufen."
     
  • Wie kann man sich auf den Einstieg vorbereiten?
    "Praktika und Werkstudenten-Tätigkeiten ermöglichen einen ersten Einblick. Auch Trainee-Programme sind eine gute Einstiegsmöglichkeit – insbesondere bei größeren Versicherungsunternehmen."
     
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