Autor werden
Karriereweg Autor: Viel Durchhaltevermögen ist meist nötig | Foto: Thinkstock/KristinaJovanovic
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24. Okt 2014

Birk Grüling

Berufsbilder

Traumberuf Bestseller-Autor

Profis erzählen von ihrer Schreib-Karriere

Andreas Eschbach – Thriller

Mit zwölf Jahren entdeckte Andreas Eschbach die Schreibmaschine seiner Eltern für sich und begann draufloszuschreiben. Seine ersten Geschichten spielten allesamt im Weltraum und waren stark an seine damalige Lieblingslektüre Perry Rhodan angelehnt. "Ich war von meinem Talent schon früh überzeugt. Das Problem bestand darin, Verlage zu dieser Einschätzung zu bewegen", sagt Eschbach schmunzelnd. Nach dem Abitur studierte er deshalb erstmal Luft- und Raumfahrttechnik und jobbte nach dem Studienabbruch als Programmierer. Das Schreiben gab er dabei nie auf und verschickte fleißig Manuskripte.

"Ich habe 20 Verlage angeschrieben. Die Ablehnungsschreiben habe ich alle noch. Teilweise von Verlagen, bei denen ich später noch veröffentlicht habe", erzählt er. Die Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt, inzwischen gehört er zu den erfolgreichsten Thriller-Autoren des Landes. Er gewann mehr als 20 Literaturpreise und seine Bücher verkauften sich millionenfach und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

"Mich reizt die Spannung des Genres und außerdem gefällt es mir, dass man gerade im Thriller die grundlegenden Fragen unseres Daseins mitverhandeln kann", erklärt Eschbach. So handelt sein Bestseller "Eine Billion Dollar" vom internationalen Finanzmarkt und in "Ausgebrannt" widmet er sich der weltweiten Energieversorgung. Ob eine Geschichte Spannung und gesellschaftliche Relevanz in sich vereinen kann, merkt der Autor nach eigener Aussage immer recht schnell: "Wenn das neue Buch schon in meinem Kopf dick genug wird, weiß ich, dass die Geschichte für einen Roman taugt."

Karriere à la Eschbach:

  • Erste Schreibversuche: mit 12 Jahre
  • Studium: Luft- und Raumfahrttechnik angefangen, später als Programmierer gejobbt
  • Verschickte Manuskripte: 20 (Ablehnungsschreiben gab es auch von einigen Verlagen, bei denen er später veröffentlicht hat)
  • Arbeitsalltag: aufstehen um 5.30 Uhr, Tasse Tee trinken, bis mittags schreiben; am Nachmittag Dinge erledigen wie E-Mails oder Recherche
  • Erfolgreichste Bücher: "Jesus Video", "Nobelpreis" und "Ausgebrannt"
     

Kai Meyer Fantasy

Geschichten zu erzählen war schon früh der Berufswunsch von Kai Meyer. Bereits mit elf Jahren wagte er seine ersten literarischen Gehversuche. "Es waren viele Anfänge, aber selten eine Story wirklich zu Ende erzählt", erinnert sich Meyer. Das Schreiben gab er nie auf und entschloss sich noch während seines Studiums, eine der Geschichten an die Heftroman-Redaktion des Bastei-Lübbe-Verlags zu schicken. Die wurde prompt angenommen. Das positive Feedback gab ihm genügend Rückenwind, um sich weiter in das Autorendasein zu stürzen. Über die Arbeit für die bekannten Heftromane des Verlages entstand der Kontakt zu der Taschenbuch-Redaktion.

"Der erste richtige Roman erschien einige Zeit später in einer True-Crime-Reihe, auf den passenden Fall dazu bin ich bei meiner Arbeit als Reporter gestoßen", erzählt Meyer. Der große Erfolg stellt sich nach seinem Wechsel in das Fantasy-Genre ein. Bis heute hat der Fantasy-Autor über 30 Romane geschrieben. "Ich kann mich auf historische Hintergründe stützen und habe gleichzeitig die Möglichkeit, Elemente hinzuzuerfinden. Wäre ich Maler, hätte ich dadurch mehr Farben für meine Bilder als jemand, der nur an realistischen Porträts arbeitet", erklärt er.

Auf das Malen von Fantasy-Welten versteht sich der Autor bestens, er besitzt eine große Fanbase und seine Romanreihen wurden mehrfach ausgezeichnet. Nach seinem Erfolgsrezept gefragt, überlegt er kurz: "Ich erarbeite im Vorfeld eines Romans ein umfangreicheres Konzept, dabei spüre ich schnell, ob eine Idee Potenzial hat. Es gibt aber selten Ideen, die gar nicht funktionieren, häufig sind es eher Kleinigkeiten, über die ich länger nachgrübeln muss."

Karriere à la Meyer:

  • Erste Schreibversuche: mit 11 Jahren
  • Studium: einige Semester Film, Theater und Philosophie, dann Volontariat bei einer Tageszeitung
  • Erfolgserlebnis: gleich beim ersten Versuch bei einer Heftroman-Redaktion
  • Neue Seiten pro Tag: 8-10 (montags bis freitags), morgens wird als erstes der Text vom Vortag korrigiert
  • Bekanntestes Werk: die Trilogie um "Merle und die Fließende Königin", "Die Seiten der Welt"
     

Schriftsteller werden


Volker Klüpfel und Michael Kobr Krimis

In drei Seiten, geschrieben im Frust einer Hausarbeit, liegt der Karrieregrundstein der beiden Krimi-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr. "Am Anfang gab es weder einen vollständigen Plot noch ausgearbeitete Charaktere, nur diese paar Zeilen aus Studentenzeiten", erinnert sich Kobr. An die Arbeit als Autoren dachte damals noch keiner der beiden. Sie ergriffen lieber "normale" Berufe und arbeiteten als Journalist (Klüpfel) und Deutschlehrer (Kobr). Die ersten drei Seiten verstaubten so in der hintersten Ecke der Festplatte – bis zu einem schicksalhaften Anruf. "Ein Verleger hat mich gefragt, ob ich einen Autor für einen Allgäu-Krimi wüsste", erzählt Klüpfel. Kurz entschlossen entschieden sich die beiden, den Krimi selbst zu schreiben.

Ihr erster Roman "Milchgeld" wurde 2003 zum Überraschungserfolg und ihr etwas schrulliger Kommissar Kluftinger quasi über Nacht zur Kultfigur, auch außerhalb des Allgäus. Mittlerweile gibt es sieben Bände, zusammen kommen sie auf eine Auflage von 4,5 Millionen. "Das Genre kam uns gelegen. Wir haben unsere Fälle zusätzlich noch etwas komödiantisch angehaucht und unser Kommissar hat ein Privatleben. So gibt es genug zu erzählen", sagt er.

Inzwischen arbeiten beide hauptberuflich als Buchautoren. Als kreatives Duo sind die beiden dabei längst eingespielt. "Die meisten Ideen sind oft schon vor den ersten Gesprächen miteinander gereift, danach kommt noch die ausgiebige Diskussion und dann steht eigentlich eine Entscheidung. Dieser Prozess funktioniert gut, von zehn Ideen haben wir vielleicht zwei verworfen", sagt Kobr.

Karriere à la Klüpfel und Kobr:

  • Zum Beruf gekommen durch: den zufälligen Anruf eines Verlegers
  • Was sie von kreativen Schreibkursen halten: wenig – "Man wird so keinen eigenen Stil finden"
  • Arbeitsalltag: Zweimal pro Tag wird geskypt und am Plot gearbeitet. Den Rest der Zeit schreibt jeder für sich oder redigiert den Text des anderen.
  • Verworfene Ideen: vielleicht insgesamt 2 von 10
  • Bekannt durch: Allgäu-Krimis um Kommissar Kluftinger
     

Rebecca Gablé Historische Romane

Ihre erste Geschichte schrieb Rebecca Gablé mit 14 Jahren, inspiriert durch die "Hanni und Nanni"-Romane. "Meine Geschichte hatte erstaunlich viele Parallelen zu den beiden Heldinnen und spielte natürlich auf einem Mädcheninternat", erinnert sich Gablé lächelnd.

Nach der Schule macht sie trotz Schreibtalent eine Ausbildung zur Bankkauffrau und blieb lange Zeit Hobby-Autorin. Knapp 30 Verlage schrieb sie in dieser Zeit an – ohne großen Erfolg. Den Traum vom Autorendasein gab sie trotzdem nie auf, ganz im Gegenteil. "Irgendwann wurde das Schreiben für mich so wichtig, dass ich meinen Job hingeworfen und ein Literaturstudium begonnen habe", erzählt die Autorin.

Auch ihre fünfjährige Verlagssuche und unzählige Geschichten für die Schublade sieht sie heute als wichtige Erfahrung. Schreiben lerne man am besten, indem man schreibt, so Gablé. Zu experimentieren, zu spielen und keine Angst davor zu haben, für die Tonne zu schreiben, sind aus ihrer Sicht unerlässliche Schritte im Lernprozess.

Der Erfolg gibt ihr Recht, heute ist sie eine der erfolgreichsten Autorinnen von Historienromanen und ihre Bücher stehen regelmäßig ganz oben auf den Bestseller-Listen. "Ich liebe meinen Beruf", sagt sie ohne Zögern und fügt hinzu: "Die Vergangenheit interessiert mich mehr als die Zukunft und sie verständlich zu machen, ist meine Herausforderung. Jedes historische Thema und jeder Blick auf eine Epoche erfordert eine neue Herangehensweise."

Karriere à la Gablé:

  • Ursprünglicher Beruf: Bankkauffrau. Später Literaturstudium und Lehrtätigkeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Dauer der Verlagssuche: 5 Jahre
  • Zum Thema Ideen: "Jede Idee hat Potenzial für einen Roman. Es kommt auf die Umsetzung an. Bei Shakespeare hat die Idee 'Boy meets Girl' zu Romeo und Julia gereicht."
  • Schreiben lernt man am besten: "Indem man schreibt."
  • Der kommerzielle Durchbruch: mit historischen Mittelalterromanen wie "Das Lächeln der Fortuna"
     
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