Arbeit 4.0 zu Hause
Arbeit 4.0 ermöglicht Home-Office und mobiles Arbeiten. | Foto: Halfpoint/Getty Images
Autor

20. Apr 2020

Marvin Kesper

Branchencheck

Arbeit 4.0: Arbeiten im digitalen Zeitalter

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Geschichtliche Einordnung
  3. Veränderungen
  4. Bedeutung Arbeitnehmer
  5. Vor- und Nachteile
  6. Kritik
  7. Gewinner/Verlierer
  8. Arbeitskonzepte
  9. Überblick
  10. Quiz

Definition: Arbeit 4.0 

Den Begriff Arbeit 4.0 kennen viele auch unter dem Namen "New Work". Er bezeichnet die Wandlung der Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung und weitet den Begriff der Industrie 4.0, also der vierten Industriellen Revolution, auf die gesamte Arbeitswelt aus. 

Geschichtliche Einordnung

Der Prozess der Arbeit 4.0 findet jetzt gerade, also in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts, statt. Geprägt wird diese vierte Industrielle Revolution vor allem durch die voranschreitende Digitalisierung. Um Arbeit 4.0 besser einordnen zu können, stellen wir dir kurz die drei anderen Revolutionen in der Arbeitswelt vor. 

Die erste Industrielle Revolution 

Von der ersten Industriellen Revolution hat jeder schon einmal im Geschichtsunterricht gehört. Sie begann Ende des 18. Jahrhunderts und nahm Anfang des zweiten Jahrhunderts so richtig Fahrt auf. Sie war geprägt von der Entwicklung erster Maschinen und vor allem der Erfindung der Dampfmaschine. Die Industrielle Revolution stellte nicht nur die Arbeitswelt auf den Kopf, sondern sorgte auch für eine Umstrukturierung auf gesellschaftlicher Ebene. So gab es einen starken Bevölkerungszuwachs und soziale Missstände spitzten sich zu. 

Arbeit 2.0 

Etwa Ende des 19. Jahrhunderts begann die zweite Industrielle Revolution mit der Erfindung des Automobils und der Nutzung von Elektrizität für die Industrie. Die Fließbandproduktion fand Einzug in die Fabriken, wodurch Massenproduktion möglich wurde. Auch auf die immer größer werdenden Missstände in der Bevölkerung wurde reagiert. Unter Otto von Bismarck wurden erste Sozialversicherungen wie Kranken- und Arbeitslosenversicherungen eingeführt. 

Arbeit 3.0 

Die dritte Industrielle Revolution ließ bis in die 1970er Jahre auf sich warten. Durch die Erfindung des Computers und der immer größer werdenden Bedeutung von Dienstleistungen entstanden vermehrt Bürojobs. Landesgrenzen galten nicht länger als starke Marktgrenzen und die Globalisierung schritt stark voran. In dieser Zeit wurde vor allem viel Wert auf die Stärkung der Arbeitnehmerrechte gelegt. 

Arbeit 4.0 

Die Arbeit 4.0 und die damit vierte Revolution findet momentan bei uns statt. Angetrieben durch das Internet und durch große Datenmengen, sogenannten "Big Data", verlagert sich die Arbeit immer mehr in die digitale Welt. Die Arbeit ist nicht mehr arbeitsplatzgebunden und so kann von überall auf der Welt die Arbeit über das Internet verrichtet werden. Außerdem werden immer mehr menschliche Arbeiten durch Roboter unterstützt oder ganz ersetzt. 

Wie verändert sich die Arbeit? 

Die Arbeitswelt wird seit Anfang der vierten Revolution vor allem von Daten angetrieben. Durch die Erfindung des Internets finden immer mehr Arbeitsprozesse online statt. Dadurch nimmt auch die Globalisierung immer weiter zu und die Arbeit wird immer vernetzter. E-Commerce findet Einzug in die Arbeitswelt und treibt den internationalen Handel stark voran. Auch das Smartphone ist eine wichtige Erfindung in der Phase der Arbeit 4.0. So können potenzielle Kunden /-innen auch während sie unterwegs sind, stets über das Internet erreicht werden. Gleiches gilt für die Arbeitnehmer /-innen. Die ständige Erreichbarkeit lässt die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeitswelt verschwimmen. Durch das Internet ist außerdem das Arbeiten von zu Hause und jedem Ort auf der Welt möglich geworden. So entstehen neue flexible Arbeitsmodelle wie zum Beispiel Home-Office oder Desk-Sharing. In der Industrie werden immer mehr Roboter eingesetzt und erleichtern die Arbeit für Fabrikarbeiter /-innen deutlich. 

Arbeit 4.0 Daten

Was kommt auf Arbeitnehmer /-innen zu?

Als Arbeitnehmer /-in musst du dich durch die Arbeit 4.0 einigen Herausforderungen stellen, kannst aber auch große Vorteile aus der Digitalisierung ziehen. 

Hoher Weiterbildungsbedarf

Die größte Herausforderung für Arbeitnehmer /-innen ist es, immer auf dem neuesten Wissensstand zu sein und nicht den Anschluss an den technischen Fortschritt zu verlieren. Die Arbeitswelt befindet sich durch die Digitalisierung in einem rasanten Wandel und so drängen immer neue technische Erfindungen, Arbeitsmethoden und Geschäftszweige auf den Markt. Dabei nicht den Überblick zu verlieren und Anschluss zu halten, ist gar nicht so leicht. Durch regelmäßige Workshops, Weiterbildungen und das Informieren über Branchen-News kannst du dir das nötige Know-how aneignen und dich so gut in der neuen Arbeitswelt platzieren. Das wird auch deinen Arbeitgeber beeindrucken, der durch deine neuen Ideen und deinem erlernten Wissen nur profitieren kann. Deswegen solltest du ihn regelmäßig nach Weiterbildungen fragen, für die du dann möglicherweise eine finanzielle Unterstützung erhalten kannst. 

Home-Office

Außerdem kannst du bei deinem Arbeitgeber anfragen, ob für dich die Arbeit im Home-Office infrage kommt. Da durch die Arbeit 4.0 viele Arbeiten online erledigt werden, sind viele Arbeitnehmer /-innen nicht mehr an ihren Arbeitsplatz gebunden. Solltest du eine Arbeit haben, die du komplett online erledigst, hast du gute Chancen, auch von zu Hause arbeiten zu können oder deinen Nebenjob von zu Hause zu absolvieren. Hier musst du allerdings darauf achten, dass du die Voraussetzungen erfüllst, um uneingeschränkt alle Aufgaben erledigen zu können, die du auch im Büro erledigst. Du brauchst also die nötige Soft- und Hardware, musst uneingeschränkt erreichbar sein und einen geeigneten Arbeitsplatz haben. Home-Office ist vor allem für Eltern eine gute Möglichkeit, Familie und Arbeit zu vereinbaren. 

Mobiles Arbeiten

Für einige Arbeitnehmer /-innen könnte außerdem mobiles Arbeiten infrage kommen. Das bedeutet, dass auch von Unterwegs, als aus der Bahn, dem Hotelzimmer oder dem Café aus gearbeitet werden kann. Vor allem für Beschäftige im Außendienst bringt diese Arbeitsmethode viele Vorteile. Wichtig ist, dass auch beim Arbeiten außer Haus die Datenschutz- und Sicherheitsregelungen eingehalten werden. Ein verschlüsselter Zugang sollte also mindestens vorhanden sein. 

Vor- und Nachteile der Arbeit 4.0 

Wie jede neue Arbeitsmethode bringt auch die Arbeit 4.0 viele Vorteile aber auch einige Nachteile mit sich. Wir haben die wichtigsten für dich zusammengefasst. 

Vorteile

  • Vereinfachung und Automatisierung von Arbeitsabläufen
  • räumlich unabhängiges Arbeiten 
  • Steigerung der Arbeitszufriedenheit 
  • Arbeiten in Teams wird durch Online-Tools vereinfacht. 
  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Arbeit durch Home-Office 
  • Entstehung neuer Geschäftsmodelle
  • einfachere Umsetzung von internationalen Projekten durch Globalisierung und digitale Vernetzung
  • flexiblere Arbeitszeiten 

Nachteile 

  • hoher Schulungs- und Weiterbildungsbedarf durch stetigen Wandel
  • erschwerte Einhaltung von Datenschutz und Sicherheitsvorgaben durch flexible Arbeitsplätze
  • Schwächung der persönlichen Beziehung zu Arbeitskollegen /-innen und zum Unternehmen
  • Ersetzen der menschlichen Arbeit durch Roboter und Software 
  • höhere Eigenverantwortung
  • höheres Stressniveau durch schnelleres Arbeitstempo 
  • höherer Koordinationsbedarf
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Kritik an Arbeit 4.0

Neben all den Vorteilen, die die Arbeit 4.0 mit sich bringt, gibt es auch Kritik an der neuen Arbeitswelt. Kritiker /-innen bemängeln vor allem, dass durch die Arbeit 4.0 der menschliche Aspekt im Arbeitsalltag verloren geht. Durch die steigende Automatisierung und das Ersetzen von menschlicher Arbeit durch Roboter und Software wird die Arbeit unpersönlicher und einige Arbeitsplätze werden in Zukunft sogar komplett wegfallen. Durch die ständige Erreichbarkeit und die Kontrolle durch Daten und Software-Programme nimmt außerdem der Druck auf die Arbeitnehmer /-innen zu. Immer mehr Angestellte fehlen aufgrund psychischer Probleme, die durch den steigenden Druck und dadurch hervorgerufen werden, dass sie selten bis nie zur Ruhe kommen. Außerdem verschwimmt die Grenze zwischen Freizeit und Arbeitszeit immer mehr, sodass manch Arbeitnehmer /-in sich sogar verpflichtet fühlt ,an Wochenenden und in der eigenen Freizeit zu arbeiten. Auch der ständige Weiterbildungsbedarf übt Druck auf Arbeitnehmer /-innen und Arbeitgeber aus. Den Anschluss zu verlieren und so nicht mehr zeitgemäß zu arbeiten, löst Existenzängste aus.

Gewinner und Verlierer von Arbeit 4.0 

Nach jeder industriellen Revolution gibt es Gewinner und Verlierer der Wandlungen. Wir stellen dir beide Seiten der Arbeit 4.0 kurz vor. 

Gewinner

Die größten Gewinner /-innen von Arbeit 4.0 dürften technisch hochqualifizierte Arbeitskräfte wie Ingenieure /-innen und Informatiker /-innen sein. Dadurch, dass die Anforderungen an technischem Verständnis immer größer werden und generell in der Arbeitswelt immer mehr technische Hilfsmittel eingesetzt werden, bringen diese Arbeitskräfte die besten Voraussetzungen mit und sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. 

Verlierer

Verlierer der vierten industriellen Revolution sind die Arbeitskräfte, die mit wenig Maschinenbezug arbeiten oder Routinearbeiten ausüben. Ihre Arbeiten werden vermehrt durch Roboter und Maschinen ersetzt und so sind sie gezwungen, auf einen anderen Beruf umzuschulen. Auch ältere Arbeitnehmer /-innen können als Verlierer der Digitalisierung gesehen werden. Während sie mehrere Jahrzehnte im selben Beruf gearbeitet haben, sind sie durch die ständigen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt gezwungen, sich fortzubilden und sich mit neuen technischen Innovationen vertraut zu machen. Dieser Austritt aus der Komfortzone stellt für viele eine Herausforderung dar. 

Arbeitskonzepte durch Arbeit 4.0

Durch die Arbeit 4.0 sind auch neue Arbeitskonzepte entstanden. Wir stellen dir kurz die wichtigsten vor. 

Home-Office

Einen Teil der Arbeitszeit zu Hause abhalten und das Büro nach Hause zu verlegen verspricht das Arbeitskonzept Home-Office. Dieses Konzept kommt vor allem für Arbeitnehmer /-innen infrage, die ohnehin einen Großteil ihrer Arbeiten online oder über das Telefon verrichten. Home-Office kommt vor allem Arbeitnehmer /-innen mit Familie zugute, die so eine verbesserte Work-Life-Balance erreichen und den Beruf besser mit der Familie vereinbaren können. 

Mobiles Arbeiten 

Vom Home-Office abzugrenzen ist das Mobile Arbeiten. Unter Mobiles Arbeiten versteht man nämlich das ortsunabhängige Arbeiten von Unterwegs. Demnach fallen darunter Arbeitnehmer /-innen, die aus der Bahn, dem Café oder dem Hotelzimmer arbeiten. Dies bietet sich vor allem für Pendler /-innen oder Angestellte im Außendienst an und kann so dazu führen, die Zeiten effektiv zu nutzen. 

Telearbeit

Unter Telearbeit versteht man die auch die Arbeit von zu Hause oder einem anderen, sich nicht im Unternehmen befindenden, Arbeitsplatz aus. Der Unterschied zum Home-Office liegt darin, dass eine Telearbeit permanent stattfindet und nicht nur ein Teil der Arbeit außerhalb des Unternehmens verrichtet wird. Hier ist übrigens dein Arbeitgeber für die Einrichtung deines Arbeitsplatzes verantwortlich. Du solltest also abklären, inwiefern die Kosten für ein Arbeitszimmer von ihm übernommen werden. 

Überblick: alle Infos zu Arbeit 4.0

  • Der Arbeitsraum der Arbeit 4.0 verlagert sich immer mehr ins Internet. 
  • Arbeit 4.0 ermöglicht Home-Office und mobiles Arbeiten
  • Durch den ständigen Wandel gibt es einen hohen Weiterbildungsbedarf. 
  • Arbeitnehmer /-innen könnten durch die ständige Erreichbarkeit und Kontrolle unter Druck gesetzt werden. 

Quiz: Wie gut kennst du dich mit Arbeit 4.0 aus?

Glaubst du, nun alles über Arbeit 4.0 zu wissen? Teste dein Wissen in unserem Quiz und zeige, wie gut du dich mit Arbeit 4.0 auskennst!

 
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