Unternehmensberatung im Check
Hast du das Zeug zum/zur Unternehmensberater/in? | Foto: Thinkstock/shironosov
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21. Okt 2015

Sabine Olschner

Branchencheck

Branchencheck Unternehmensberatung

Ein attraktives, aber auch anstrengendes Berufsfeld

Arbeitsalltag eines Unternehmensberaters

Gegen 9 Uhr morgens ist Steffen Kampmann im Büro oder beim Kunden, wenn alles gut geht, ist um 19 Uhr Schluss. Außer es stehen wichtige Termine wie zum Beispiel Workshops oder Abschlusspräsentationen an, dann kann es auch mal später werden. "Es gibt Projektphasen, in denen ich meine zweijährige Tochter nur am Wochenende sehe, weil sie nach meinem Feierabend schon im Bett ist. Aber das sind eher Ausnahmen", berichtet der Projektleiter bei der Marketing- und Vertriebsberatung Roll & Pastuch.

Von Montag bis Donnerstag ist er, wie in der Beraterbranche üblich, meist beim Kunden vor Ort. Freitag ist der Office-Tag, an dem er mit den acht Kollegen im Osnabrücker Büro bespricht, was aktuell ansteht. "Oft ist viel zu tun. Aber dann gibt es auch wieder ruhigere Phasen, in denen man früher nach Hause gehen kann", so der 35-Jährige.

50-Stunden-Wochen im Durchschnitt

Dass die Unternehmensberatung eine arbeitsintensive Branche ist, dem stimmt auch Christoph Weyrather, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU), zu. "Die meiste Arbeit fällt beim Kunden vor Ort an, nur wenige Aufgaben lassen sich vom eigenen Büro aus erledigen." Einige Gesellschaften versuchen mittlerweile, so Weyrather, mit Webkonferenzen oder virtuellen Teams die Reisetätigkeit einzuschränken. "Aber häufig sind persönliche Treffen einfach unabdingbar." Der BDU-Geschäftsführer schätzt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Beratern auf 50 Stunden, "in einzelnen Phasen sicherlich mehr".

Das Thema Burnout sei ihm jedoch trotzdem bisher nicht untergekommen. "Frauen und Männer, die sich für die Beratungentscheiden, suchen spannende berufliche Herausforderungen und schätzen das selbstbestimmte Arbeiten. Da tritt der Blick auf die Uhr häufig in den Hintergrund."

Junior-Berater verdient 46.000 EURO

Andere entscheiden sich bewusst für einige Jahre in der Beratung, um dann in ein Wirtschaftsunternehmen zu wechseln – nicht selten zu einem vorherigen Kunden. "Da Berater viele unterschiedliche Problemstellungen kennenlernen, sind sie gut für Führungspositionen geeignet", betont der BDU-Experte. Es können ohnehin nicht alle Einsteiger bis zur Partnerschaft aufsteigen, weil Beratungsunternehmen sich gar nicht zu viele erfahrene und damit teure Berater leisten können.

In mittelgroßen Beratungen mit bis zu 25 Millionen Euro Umsatz bekommen Partner laut einer BDU-Studie im Schnitt eine Vergütung von 216.000 Euro, Junior-Berater können mit 46.000 Euro Einstiegsgehalt rechnen – inklusive Bonus plus Zusatzleistungen wie Dienstwagen, Handy und Laptop. In größeren Gesellschaften bekommen Partner im Schnitt 369.000 Euro, Einsteiger 44.000 Euro. "Das Reisekostenmanagement in den Consultingfirmen hat sich im Vergleich zu früher verändert", weiß Christoph Weyrather. "Erste-Klasse-Flüge und teure Hotels sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Da ist die Branche bodenständiger geworden."

Auch Steffen Kampmann ist mit seinem Gehalt zufrieden – und überlegt, seine Arbeitszeit im nächsten Jahr, wenn sein zweites Kind auf der Welt ist, auf 80 Prozent zu reduzieren. Auch das ist möglich in der anspruchsvollen Branche. "Beratungsunternehmen verlangen viel von ihren Mitarbeitern", fasst Christoph Weyrather zusammen. "Aber sie wissen auch, dass sie einen Ausgleich schaffen müssen, um ihre Berater nicht zu überfordern."
 


Consultingbranche in Kürze

  • 15.400 Beratungsunternehmen
  • 130.000 Mitarbeiter insgesamt
  • 106.500 Berater, davon 22.800 Jungberater
  • Strategieberatung: Nachhaltiges Wirtschaften, Unternehmensstrategien und -finanzen, Marketing- und Vertriebsstrategie, Unternehmensentwicklung, Innovation
  • Organisations- und Prozessberatung: Finanz- und Prozess-Controlling, Beschaffung und Supply Chain Management, Reorganisation, Post Merger Integration, Prozessoptimierung, Vertrieb, Projekt- und Change Management
  • HR-Beratung: Talent Management, Managemententwicklung, Human-Resources-Strategien, Vergütungsberatung
  • IT-Beratung: Einführung, Wartung und Weiterentwicklung von IT-Systemen

Quelle: Facts & Figures zum Beratermarkt 2014/2015, BDU
 

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