Der Beruf des Wirtschaftsinformatikers
Als Wirtschaftsinformatiker verbindest du BWL und IT | Foto: Thinkstock/g-stockstudio
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13. Apr 2017

Sabine Olschner

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Brancheninfo Wirtschaftsinformatik

Verschmelzung von BWL und Informatik

Übersetzer-Rolle im Unternehmen 

Wenn der Kollege aus dem Einkauf dem Leiter der IT-Abteilung erklären will, welche Software die Einkaufsabteilung benötigt, geht das meist nicht glatt über die Bühne: Die beiden verstehen schlichtweg die Sprache des anderen nicht. Hier braucht es jemanden, der Kenntnisse aus beiden Bereichen mitbringt - und das ist in der Regel der Wirtschaftsinformatiker. Er weiß, wie er die möglicherweise unscharfe Formulierung des Einkäufers in IT-Sprache übersetzt, sodass der Informatiker weiß, was zu tun ist. Umgekehrt kann er dem  Betriebswirt aus dem Einkauf in dessen Worten erklären, welche Informationen die IT für das Projekt braucht. Manchmal helfen auch Grafiken oder andere Formen der Darstellung, um das Problem für beide Seiten verständlich zu machen. "Wer diese Übersetzer-Rolle zwischen Technikern und Betriebswirten übernehmen möchte, sollte natürlich auch über die entsprechenden kommunikativen Fähigkeiten verfügen", sagt Sahar Moussa (27), studierte Wirtschaftsinformatikerin und Beraterin Business Technology beim Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen Capgemini.

Wirtschaftsinformatik vereint BWL und IT

Um auf die spätere Vermittlertätigkeit vorbereitet zu sein, setzen sich angehende  Wirtschaftsinformatiker im Studium gleichermaßen mit BWL- wie IT-Themen auseinander. "Es stehen genauso Controlling und Marketing auf dem Stundenplan wie die Grundlagen von SAP oder Java" so Sahar Moussa. Unternehmen schätzen an den Wirtschaftsinformatikern einerseits, dass sie sie nicht mehr in die komplexen IT-Themen einarbeiten müssen, andererseits, dass sich die Absolventen in  praktische Probleme der Fachabteilungen schneller hineindenken können. Einsatzbereiche sind vor allem Abteilungen, die viele Daten produzieren und verarbeiten: zum Beispiel die Logistik, das Controlling, die Finanzabteilung oder die Vertriebssteuerung. Nicht immer befinden sich die Experten dafür im eigenen Haus. Der Trend geht vielmehr zum Outsourcing: Häufig engagieren die Firmen externe Experten aus Unternehmensberatungen, die sich um die firmeninternen IT-Projekte kümmern. "Eine große Zahl der Wirtschaftsinformatik-Absolventen startet in Unternehmensberatungen mit IT-Schwerpunkt", sagt Torsten Eymann, Sprecher des Fachbereichs Wirtschaftsinformatik der Gesellschaft für Informatik und Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bayreuth.

Ständige Entwicklung in der Informatik-Branche

Wer im Bereich Informatik auf dem Laufenden bleiben will, muss bereit sein, sich immer wieder auf Neues einzustellen. Die derzeitigen Trends liegen vor allem auf den Themen Big Data, Cloud Computing, mobile Dienste und Industrie 4.0. "Big Data ist der Versuch, die riesigen Datenmengen, die in den einzelnen Abteilungen anfallen, zu sinnvollen Informationen zu verknüpfen", erklärt Eymann. Das Cloud Computing kommt dann ins Spiel, wenn Unternehmen nicht genügend Speicherkapazität auf ihren eigenen Rechnern haben, um die über Jahre gesammelten Daten zu verwalten. Diese Daten werden auf externe Rechenzentren ausgelagert und Aufgabe der Wirtschaftsinformatiker ist es, u.a. für die Datensicherheit zu sorgen.

Mobile Arbeitsplätze und vollkommene Vernetzung

Produzierende Unternehmen beschäftigen sich in Zukunft mit dem Thema Industrie 4.0, auch "Internet der Dinge" genannt. Das bedeutet unter anderem, dass Maschinen und Anlagen künftig vernetzt sind und miteinander kommunizieren können. Dazu müssen zum Beispiel Logistik- und Produktionsprozesse umgebaut und angepasst werden - ein ideales Umfeld für Wirtschaftsinformatiker. Ein weiterer Trend ist das mobile Arbeiten: Immer mehr Beschäftigte wollen nicht mehr nur am PC im Büro arbeiten, sondern ortsungebunden auf ihren Smartphones oder Tablets. Wirtschaftsinformatiker müssen dafür sorgen, dass der Transfer der für die Arbeit benötigten Daten reibungslos funktioniert und der Datenschutz gewährleistet ist.

Wo auch immer man in Unternehmen hinschaut: Betriebswirtschaftliche und IT-technische Themen verschmelzen immer mehr: von der Marketingabteilung, die für ihre Kampagnen Social-Media-Kanäle benutzt, bis hin zur Personalabteilung, die Bewerbungen nur noch online verarbeitet. Die Einsatzbereiche für Wirtschaftsinformatiker werden sich demnach in Zukunft noch mehr ausweiten.

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