Jobs für Mathematiker
In der Schule der Horror, in der Berufswelt heiß gefragt: Mahematik | Foto: gettyimages/ismagilov
Autorenbild

20. Apr 2018

Sebastian Wolking

Branchencheck

Jobs für Mathematiker: Mehr als nur mit Zahlen jonglieren

Mathe-Absolventen: Top-Job gefällig?

Kreuzfahrten boomen im Land der Reiseweltmeister. Sie sind aber auch ein einträgliches Geschäft für die Reedereien. Experten schätzen, dass die Ticketverkäufe nicht einmal die laufenden Kosten decken. Der Gewinn wird an Bord gemacht - mit kostenpflichtigen Cocktails, Kasinos, Fitnessangeboten. Sogenannte Onboard Revenue-Manager versuchen, die Umsätze während der Seefahrt nach oben zu treiben. Erst kürzlich suchte ein bekanntes Kreuzfahrtunternehmen einen Analysten, am besten einen Mathematiker, der die Kundenzufriedenheit auf Datenbasis messen, auswerten und optimieren soll. Geldeintreiber für die Kreuzfahrtindustrie – ein ganz neues Tätigkeitsfeld für Mathe-Genies. Aber längst nicht das einzige. Die Jobs für Mathematiker sind fast endlos.

Mathematiker sind im Job zufriedener

Verlässliche Statistiken über den beruflichen Verbleib und die Arbeitslosigkeit der Zahlenkünstler gibt es zwar nicht. Aber die Indizien sind positiv. So sind Mathematiker und Naturwissenschaftler laut Absolventenstudie der Berliner Humboldt-Uni von 2016 mit ihrer beruflichen Situation zumeist sehr zufrieden. Ihr Bruttoeinkommen liegt anderthalb Jahre nach Studienabschluss bei über 3.000 Euro im Schnitt. Von allen untersuchten Fächergruppen liegen sie damit an der Spitze – sogar vor den Wirtschaftswissenschaftlern und Juristen. Auch sagen Mathematiker häufiger als die Absolventen aller anderen Fächergruppen, dass sie eine Stelle ausüben, die ihrer Ausbildung angemessen ist. Ergo: Die Qualität der Mathe-Jobs steigt.

Auch als Abbrecher noch Top-Chancen

Aber welche Jobs sind das noch vom Lehrer einmal abgesehen? Diese Frage stellte sich auch Peter Ruckdeschel. Natürlich gibt es dazu repräsentative Angaben, etwa von der Deutschen Mathematiker-Vereinigung DMV oder der Deutschen Aktuarvereinigung DAV. Aber in seinem Umfeld? Also schickte der Mathe-Professor von der Uni Oldenburg eine Rundmail an ehemalige Weggefährten. Von einem guten Dutzend erhielt er Antwort. Da gab es den selbstständigen IT-Fachmann, drei Banker, den Geschäftsführer einer IT-Firma, Versicherungsprofis und Wissenschaftler. Sogar die Studienabbrecher waren weich gelandet. Einer arbeitet mittlerweile als Architekt, eine andere als selbstständige Musikpädagogin.

Ruckdeschels Fazit: "Mathematik studieren ist eine gute Investition in die Zukunft." Gleichzeitig räumt der Professor ein, dass seinem Fach in den Augen vieler Betrachter die "Fancyness" fehle. Mathe erscheint zu theoretisch und abstrakt und tut sich Vergleich zur nerdig-hippe Informatik schwer.

Mega-Trends begünstigen Mathematiker

Dabei begegnen sich Informatik und Mathematik immer häufiger im Arbeitsalltag. Mega-Trends wie Künstliche Intelligenz, Big Data und Predictive Analytics schaffen immer mehr Jobs - für beide Absolventengruppen. Zum Beispiel in der Automobilindustrie, in der selbstfahrende Autos ausgeklügelte Algorithmen und Datenanalyse benötigen. Wer sich als Mathematiker dafür erwärme, so Ruckdeschel, "für den ist im Mathe-Studium eine Ausrichtung in einem angewandten Schwerpunkt, zum Beispiel in Statistik, nicht von Nachteil."

 "Der Startup-Bereich wird für Mathematiker immer interessanter", ergänzt Tanja Fagel, Sprecherin der Graduiertenschule Berlin Mathematical School. "Eine unserer Absolventinnen zum Beispiel arbeitet seit kurzem als Scrum Master." Mathematiker werden auch als Kryptographen in Softwarefirmen oder als Biostatistiker in der Pharma-Industrie gebraucht, als Aktuare bei Versicherern oder Risikomanager einer Bank.

Ob im Weltall oder bei Vulkanausbüchen, Mathematiker werden überall gebraucht

Oder als Weltraumabenteurer. Eine Stichprobe beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ergab, dass sich von zuletzt rund 300 Stellenausschreibungen immerhin ca. 30 explizit an Mathematiker richteten. Sie sollen Hubschraubersimulationen erstellen oder die Auswirkung von Vulkanausbrüchen auf die Strahlungsbilanz der Atmosphäre untersuchen.

"Mathematikerinnen und Mathematiker müssen sich überhaupt keine Sorgen machen", glaubt Tanja Fagel. Die Zeiten jedenfalls, in denen sie nur in Schulen und Unis ihren messerscharfen Verstand einsetzen konnten, dürften endgültig vorbei sein.


Diese Themen könnten dich auch interessieren
Karriere als Mathematiker

Karriere als Mathematiker

Was Jura- oder Medizinstudenten später einmal machen, kann sich jeder ungefähr vorstellen. Aber was macht man eigentlich, wenn man Mathe studiert hat? UNICUM ABI stellt euch drei... mehr »
Luft- und Raumfahrt - alle Infos über die Branche

Brancheninfo Luft- und Raumfahrt

Flugzeuge und Raketen – für viele ist der Einstieg in die Luft- und Raumfahrtbranche die Erfüllung eines Kindertraums. Gesucht werden vor allem hochqualifizierte Ingenieure, die gern in... mehr »