Akademiker Einzelhandel
Auf Akademiker warten im Einzelhandel viele Aufgaben | Foto: Thinkstock/Purestock
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17. Feb 2016

Ann-Christin Kieter

Branchencheck

Karriere-Check im Einzelhandel

Akademiker an Kasse 3, bitte!

Sechs Fragen zum Berufseinstieg im Einzelhandel

Es wird doch hauptsächlich über duale Studiengänge aus den eigenen Reihen rekrutiert. Habe ich als "normaler" Absolvent überhaupt Chancen?

  • Aldi Süd: "Als Hochschulabsolvent mit wirtschaftswissenschaftlicher Studienausrichtung und überdurchschnittlichem Abschluss auf jeden Fall. Für die Position als Regionalverkaufsleiter (w/m) suchen wir bewusst nach Menschen, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben und voller Tatendrang ins Berufsleben starten wollen."
     
  • Edeka: "Ja, natürlich. Besonders hohe Chancen haben Wirtschaftswissenschaftler, Betriebswirte oder Handelsmanager. In der Hamburger EDEKA-Zentrale können Akademiker zum Beispiel mit einem Trainee-Programm oder einem Direkteinstieg in ihre Karriere starten. Auch die sieben EDEKA-Großhandelsbetriebe bieten zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten für Absolventen."

Sind die Arbeitszeiten bei den immer längeren Öffnungszeiten nicht furchtbar?

  • Edeka: "Lange Öffnungszeiten sind ja nicht per se furchtbar, sondern bieten den Mitarbeitern in den Märkten auch die Chance zur größeren Flexibilität. Hochschulabsolventen werden bei EDEKA in der Regel in der Hamburger Zentrale oder im Großhandell eingesetzt – zum Beispiel in den Bereichen Einkauf, Logistik, Marketing, Qualitätsmanagement, Controlling oder in der IT. Das ist also weitgehend unabhängig von den Öffnungszeiten der Märkte."

Muss ich dann auch kassieren oder Regale einräumen wie bei meinem Aushilfsjob früher?

  • Lidl: "Für Lidl ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter – ob Verwaltung, Logistik oder Vertrieb – die Arbeit in einer Lidl-Filiale kennenlernt. Bei der Einarbeitung zum Verkaufsleiter(w/m), die insgesamt neun Monate dauert, fängt man daher auch mit den Grundlagen der Filialarbeit an. Aber nur für die ersten Wochen, dann erfolgt die Einarbeitung zum Filialverantwortlichen (w/m), diverse Seminarwochen und die Einarbeitung zum Verkaufsleiter(w/m). Denn nur diejenigen, die auch selber mal in einer Filiale gearbeitet haben, können später ihre Mitarbeiter gut führen und den Arbeitsalltag in den Filialen organisieren."
     
  • Gebr. Heinemann: "Den Retail von der Pike auf zu kennen, ist sehr wichtig. Dazu gehört auch, dass man weiß, wie eine Kasse funktioniert, wie es ist, den ganzen Tag schwere Kisten zu tragen oder Früh- und Spätschichten zu arbeiten. Diese Erfahrungen machen unsere Trainees in den ersten drei Monaten des Traineeprogramms. Danach liegt der Schwerpunkt der Ausbildung auf Personalführung."

Wenn ich Pech habe, lande ich bestimmt in einer Filiale an einem uncoolen Standort,oder?

  • Lidl: "Was ist denn uncool? Eine bestimmte Stadt, ein gewisser Stadtteil, eine Straße? Wir versuchen immer auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse unserer Mitarbeiter einzugehen, aber natürlich kann man nicht alles realisieren. Verkaufsleiter betreuen einen Bezirk von fünf bis sechs Filialen, sodass sie zwei bis drei Filialen an einem Tag mit einem Dienstwagen, den sie auch privat nutzen können, anfahren. Sie sind somit nicht nur an eine Filiale gebunden."
     
  • Rewe Group: "Die REWE Group ist mit ihrem Vertriebsnetz als auch Zentralen deutschlandweit vertreten. Mitarbeiter können bei uns wählen, ob sie in der Konzernzentrale in Köln oder in unseren regionalen Vertriebsgebietenarbeiten möchten."

Internationale Kontakte werde ich vermutlich kaum haben?

  • Rewe Group: "Der Handel ist international! Wir sind in den verschiedensten Ländern Europas vertreten. Von Österreich und Italien bis nach Russland sind unsere verschiedenen strategischen Geschäftseinheiten präsent. Für Absolventen besteht im Rahmen einiger Traineeprogramme die Möglichkeit, einen Teil im Ausland zu absolvieren."
     
  • Gebr. Heinemann: "Im Jahr 2013 haben wir wesentliche Expansionsschritte in Asien und Nordamerika unternommen. Deshalb sind unsere Einstiegsprogramme international ausgelegt. Fester Bestandteil sind drei bis sechs Monate Aufenthalt an einem unserer ausländischen Standorte. Zudem ist der Handelsplatz Flughafen von Natur aus ein absolut internationales Arbeitsumfeld."

Darf ich guten Gewissens noch woanders einkaufen?

  • Aldi Süd: "Wir begrüßen es, wenn unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch bei ALDI SÜD einkaufen. Pflicht ist das aber selbstverständlich nicht. Außerdem macht man sich beim Besuch der Filialen einer unserer Wettbewerber auch ein gutes Bild vom Markt."
     

Einzelhandel kurz & kompakt

  • In Deutschland gibt es mehr als 6,2 Millionen Beschäftigte im Einzelhandel.
  • Der Anteil an Hochschulabsolventen betrug 2009 fünf Prozent, mittlerweile ist er auf neun Prozent gestiegen.
  • Doch die Unternehmen setzen verstärkt auf Akademiker, da Geschäftsprozesse immer komplexer werden.
  • Besonders gefragt sind momentan BWLer und ITler als Spezialisten im Bereich E-Commerce, um die Online-Shops voranzutreiben.
     
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