Einstieg Personalmanagement
Meetings – nur ein Teil des Alltages eines Personalmanagers | Foto: Thinkstock/ monkeybusinessimages
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05. Dez 2013

UNICUM Onlineredaktion

Branchencheck

Karriere im Personalmanagement

Wie wird man Personaler/-in?

Ergebnisse und Zufriedenheit

Nadja Prinz kam während ihres Studiums der internationalen BWL in Kontakt mit dem Personalwesen. Ein Praktikum absolvierte sie in der Personalabteilung bei Bosch. "Ich war begeistert, dazu beizutragen, dass Menschen ihren Job jeden Tag ein kleines bisschen besser machen können." Zuvor hatte sie den Personalbereich als nicht besonders spannend wahrgenommen. "HR war für mich stark mit dem Thema Administration verbunden", gibt die heutige Personalteamleiterin des Tesa-Werks in Offenburg zu. "Erst durch mein Praktikum habe ich gemerkt, dass der Personalbereich heute viel strategischer aufgestellt ist."

Sie schätzt an ihrer Arbeit, dass sie die Unternehmensergebnisse und die Mitarbeiterzufriedenheit positiv beeinflussen kann. "Wenn man es schafft, den Richtigen oder die Richtige auf dem richtigen Platz zu haben, werden auch die unternehmerischen Kennzahlen besser – und die Mitarbeiter gehen gern zur Arbeit."

Stolz ist die 28-Jährige auf das Konzept Family+, mit dem das Tesa-Werk die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vorantreibt. Prinz führte ein Eltern-Kind-Büro ein, in das Eltern ihre Kinder im Ausnahmefall mitbringen können, und setzte flexible Teilzeitmodelle durch. "Es gibt so viele gut ausgebildete junge Eltern, die Führungsjobs hervorragend ausfüllen können, wenn man sie lässt."
 


Vom Change Manager zum Personaler

Während ihres Studiums in Management und Marketing in Warschau und Osnabrück kam Marta Harmacka in Kontakt mit Personalarbeit. In einem Praktikum lernte sie bei Hellmann Worldwide Logistics die Bereiche Marktforschung, Verkauf und Personalentwicklung kennen. Just zum Zeitpunkt ihres Studienabschlusses gründete das Unternehmen eine Change-Management-Abteilung und sie bewarb sich erfolgreich auf eine offene Stelle.

Mit wachsender Begeisterung für die Gestaltungsmöglichkeiten im Personalbereich wechselte sie dann in die Leitung HR Strategie & Organisation. "Wir haben das Glück, dass der HR-Bereich so komplex geworden ist und man nicht mehr nur administriert, sondern mitgestaltet", beschreibt die 31-jährige Polin die Vorzüge ihres Jobs.

Mit dem Personalleitungsteam hat sie in den vergangenen zwei Jahren das Personalmanagement im Unternehmen komplett neu ausgerichtet. "Wir haben vieles hinterfragt und im Change-Prozess zusammen mit den Mitarbeitern viel Neues geschaffen. Es war schön zu sehen, wie die Mitarbeiter immer begeisterter mitgemacht haben und wir das Projekt aus eigener Kraft stemmen konnten."
 


Soft Skills und analytische Fähigkeiten

Rebecca Mäke hatte zu Beginn ihres Studiums der Wirtschaftsmathematik eine Karriere in der Finanzbranche vor Augen, ihre Doktorarbeit verfasste sie im Bereich Behavioural Finance. Für den Personalbereich entschied sie sich wegen der großen Einflussmöglichkeiten auf den Erfolg des Unternehmens. "In keinem anderen Bereich habe ich den Effekt, wie wenn ich im Personalbereich sicherstelle, dass ich die Top-Leute an Bord habe."

Mit ihrem mathematischen Hintergrund fühlt sie sich richtig auf ihrem Platz. "Auch im Personalbereich muss ich harte Fakten analysieren und daraus meine Schlüsse ziehen", sagt sie, inzwischen Vice President Training & Development bei der Airberlin Technik GmbH.

Ein großes Projekt zum Kulturwandel in ihrem Unternehmen liegt der 32-Jährigen besonders am Herzen: "Die Airberlin Technik entstand aus der LTU und Air Berlin – da prallten sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander." Gemeinsam mit den Mitarbeitern erarbeiteten die Personalerin und ihre Kollegen Werte, Ziele und konkrete Maßnahmen – mit Erfolg. "Es ist zwar eine Aufgabe über Jahre, aber man merkt, dass sich Zusammenarbeit und Führungsqualität in den letzten zwei Jahren sehr stark verbessert haben."
 


Viel mehr als "Arbeit mit Menschen"

Marco Holzapfel engagierte sich im Rahmen seiner Ausbildung zum Bankkaufmann in der Jugendausbildungsvertretung. Dabei wurde ihm klar, dass er Personalmanagement viel spannender fand als Vertrieb oder Kundenberatung. Er holte die Hochschulreife nach und studierte an der Hochschule Pforzheim BWL/Personalmanagement. "Mir ging es nicht nur um die Arbeit mit Menschen – mit Menschen hatte ich auch als Kundenberater zu tun. Ich wollte den Erfolg und die Entwicklung des Unternehmens beeinflussen und Strategien mitgestalten. Gestaltungsmöglichkeiten gibt es im Personalbereich viele, aber man muss Mut haben, innovativ sein und Dinge mit Disziplin und Geschwindigkeit umsetzen", erklärt der 30-jährige Leiter strategisches Personalmanagement bei Carglass.

Zu seiner Zeit bei McDonald's Deutschland führte er ein System ein, mit dem jeder Franchisenehmer seine Materialien für die Mitarbeitersuche online selber gestalten konnte. Bei Carglass steht ein neues Performance-Management-System vor dem Rollout, mit dem die Leistung der Mitarbeiter besser gemessen werden kann.

"Natürlich trifft man mit Innovationen oft auch auf Widerstände", gibt er zu. Seine Lösung heißt: Kontakt zu Abteilungen, Betriebsrat und Mitarbeitern suchen, Ideen und Probleme anhören, gemeinsam Lösungen erarbeiten. "Das braucht Zeit, aber sie ist immer gut investiert", betont Marco Holzapfel. Das Schöne am Personalwesen ist, dass es keinen typischen Arbeitsalltag gibt, so das Fazit der vier jungen Personalerinnen und Personaler. Wer die Abwechslung liebt, ist also im Personalwesen genau richtig.
 


Wie wird man Personaler/in?

Personalmanagement, auch Human Resources oder HR Management genannt, wird von Universitäten, Hochschulen und Dualen Hochschulen entweder als Teil des Betriebswirtschaftsstudiums oder als eigenständiger Studiengang angeboten. Einen Überblick findet ihr zum Beispiel auf www.unicheck.de. Möglich ist der Einstieg ins Personalwesen aber auch über andere Bereiche wie Jura oder Psychologie.

Was unsere vier Personaler empfehlen

  • Praktika zur Orientierung: helfen, um herauszufinden, ob die Arbeit im Personalwesen und welcher Bereich dir liegt, und werden zudem oft vorausgesetzt, wenn du dich bei Unternehmen bewirbst.
  • Praxisprojekte während des Studiums: Indem du zu viert oder fünft zum Beispiel die Karrierewebseite eines Unternehmens aus studentischer Sicht analysiert, erhaltet ihr einen guten Einblick, welche Themen es gibt und wie Personalabteilungen arbeiten.
  • Wahl des ersten Arbeitgebers: Überleg dir, was du als Personaler gerne erreichen möchtest, und finde heraus, welches Unternehmen dafür die besten Voraussetzungen bietet. Das muss nicht immer ein großer Konzern sein. Gerade in mittelständischen Familienunternehmen kann man viel bewegen.
     
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