Carsten Cramer BVB
Carsten Cramer ist für das Sport-Marketing beim Borussia Dortmund zuständig | Foto: BVB
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04. Dez 2013

Denise Haberger

Branchencheck

Karriere im Sport-Marketing

BVB-Marketing-Chef Carsten Cramer im Interview

Über ein Jurastudium ins Sportmarketing

UNICUM: Wie wichtig ist Sportmarketing für einen Fußballverein?
Carsten Cramer: Fundamental wichtig. Marketing ist wichtig für den Erfolg eines Unternehmens und damit auch für den Erfolg eines Fußballvereins.

Kann sich gutes Marketing auch auf den sportlichen Erfolg auswirken?
Natürlich beflügelt Marketing. Aber es hat vor allem eine unterstützende und flankierende Funktion. Ist das Produkt gut, funktioniert das Marketing dafür auch besonders gut. Es ist deutlich leichter, für eine erfolgreiche Mannschaft Marketing zu machen als für eine weniger erfolgreiche.

Wie sind Sie selbst zum Sportmarketing gekommen?
Ich habe Jura studiert und nebenbei für meinen Heimatverein Preußen Münster das Marketing gemacht. Nach meinem Studium habe ich für den Sportrechtevermarkter Sportfive gearbeitet. Ich bin zu einer Zeit in die Branche eingestiegen, als Sportmarketing noch in den Kinderschuhen steckte. Ich habe mir alles mehr oder weniger selbst beigebracht.

Warum gerade dieser Job?
Ich bin ein leidenschaftlicher Fußball-Fan. Für eine aktive Karriere hat mein Talent aber leider nicht ausgereicht. Mich fasziniert die Emotionalität und welche Dimension Fußball für die Menschen haben kann. Es hat mich einfach gereizt, an diesem Prozess teilzuhaben.

Voraussetzung: Hohe Affinität für die Branche

Seit 2010 sind Sie beim BVB. Wieso unbedingt Borussia Dortmund?
Es gibt kaum einen Verein, der Menschen in der Menge und Intensität erreicht wie der BVB. In vielerlei Hinsicht ist das mein Traumjob.

Sie sind dort Direktor für Vertrieb, Marketing und Business Development. Was machen Sie genau?
Zu meinen Aufgaben gehört es, die Marke Borussia Dortmund zu führen und zu steuern. Ich optimiere Erlöse und finde neue Erlösquellen. Außerdem kümmere ich mich natürlich um die klassischen Marketingmaßnahmen, den Vertrieb, das Ticketing und Merchandising. Alles, was wir machen, muss emotional berühren. Wir drücken ein Lebensgefühl aus und eine gewisse Verpflichtung. Das steht über allem.

Sind Sie selbst BVB-Fan?
Mir wurde es nicht in die Wiege gelegt, jedoch hatte ich schon immer eine sehr große Sympathie. Aber seit ich bei diesem Verein arbeite, bin ich eingefleischter Fan.

Muss ich das auch sein, um bei Ihnen zu arbeiten?
Wer selbst das Lebensgefühl kennt, kann es in seiner Arbeit auch besser rüberbringen. Fan muss man nicht zwingend sein, aber man sollte wenigstens eine gewisse Sympathie mitbringen. Mindestens aber eine Affinität zum Fußball und für die Branche.

Viele finden über ein Praktikum den Einstieg

Würden Sie einen Schalke-Fan einstellen?
Die Frage hat sich mir noch nicht gestellt. Es gab auch noch nie einen entsprechenden Kandidaten. Und mal ehrlich: Ein richtiger Schalker dürfte sich eigentlich gar nicht erst bewerben.

Gibt es eine Stadion-Pflicht für Ihre Mitarbeiter?
Sie dürfen, können, sollen und müssen sogar ins Stadion. Wer von sich aus kein Interesse verspürt, jedes Wochenende die Spiele zu sehen, ist bei uns fehl am Platz.

Welche Qualifikationen müssen Bewerber mitbringen, um es in Ihre Mannschaft zu schaffen?
Sie sollten gedanklich aufgeschlossen, flexibel, engagiert und motiviert sein. Dann sind formale Qualifikationen fast zweitrangig. Ein Studium macht sicherlich Sinn, allerdings ist die Fachrichtung nicht zwingend festgelegt. Wichtig sind praktische Erfahrungen im Umfeld. Bei uns ist es schon häufiger passiert, dass Mitarbeiter den Einstieg über ein Praktikum gefunden haben. Hier bekommt jeder die Möglichkeit, sich unersetzbar zu machen.

Welche Einstiegsmöglichkeiten gibt es im Sportmarketing neben dem BVB?
Da gibt es viele. Neben den Vereinen kann man bei Verbänden, Medien, Rechteverwertern und Unternehmen, die sich im Sport engagieren, arbeiten. Das Thema ist mittlerweile in der Gesellschaft angekommen. Das hat allerdings auch die Konkurrenz vergrößert. Vor 15 Jahren war man fast ein Exot.
 

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