In Deutschland wird das EU_Chemikalienrecht eher langsam umgesetzt.
Nachhaltigkeit ist ein Thema, das alle angeht.| Foto: Thinkstock/Pogonici
Autor

31. Mai 2017

Janna Degener-Storr

Branchencheck

Nachhaltigkeit in der Chemiebranche

Alles bloß Greenwashing?

Fortschrittliches Gesetz, langsame Umsetzung

"Das EU-Chemikalienrecht ist zwar so fortschrittlich, dass Länder wie Nordkorea oder China es sich als Vorbild nehmen. Doch es wird hierzulande viel zu langsam umgesetzt", meint Manuel Fernandez vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Länder wie Frankreich, Dänemark oder Schweden nehmen in der EU im nachhaltigen Umgang mit Chemikalien eine Vorreiterrolle ein, wie das Verbot des "Hormongiftes" Bisphenol A in Lebensmittelkontaktmaterialien zeige. In Deutschland habe die Industrie dagegen offenbar genügend Einfluss auf die Regierung, um solche Maßnahmen zu verhindern, meint Manuel Fernandez.

Greenwashing?

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) verweist bei der Frage nach Nachhaltigkeit auf die Fortschritte durch Responsible Care beim Umweltschutz, die Chemie-Sozialpartnerschaft sowie auf die mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie und dem Bundesarbeitgeberverband Chemie gegründete Initiative "Chemie³". "Wir unterstützen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen dabei, sich noch stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen." betont Dr. Eckard Koch, Nachhaltigkeitsexperte beim VCI. Das rentiere sich durchaus auch wirtschaftlich, weil Nachhaltigkeit bei immer mehr Kunden zu einem wichtigen Kriterium für Kaufentscheidungen wird. Man könne zwar nicht ausschließen, dass einzelne Unternehmen hier und da Greenwashing betreiben, allerdings sei ihm aus den letzten Jahren kein einziges konkretes Beispiel aus der Chemieranche bekannt.

Best Practice 

Wenn Kunden sich nicht allein darauf verlassen wollen, wie sich Unternehmen selbst darstellen, können sie auch einen Blick auf renommierte Auszeichnungen oder Rankings werfen. Zu den Preisträgern des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, der unter anderem in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung vergeben wird, gehört etwa der Spezialchemie-Hersteller Evonik: Ob es um eine effiziente Ressourcennutzung, die Senkung von Emissionen und Wasserverbrauch oder die Sicherung der Arbeits- und Anlagensicherheit geht – das Unternehmen gilt in Sachen Nachhaltigkeit als vorbildlich. Dass das auch bei potenziellen Mitarbeitern durchaus gut ankommt, zeigt das Beispiel von Florian Böss. "Eigentlich wollte ich am liebsten bei einem Energieversorger einsteigen", erzählt der Maschinenbauingenieur, der sich im Studium auf Erneuerbare Energien spezialisiert hat. "Aber dann war bei Evonik eine Stelle im Lifecycle Management ausgeschrieben – in einem kleinen interdisziplinären Team, in dem ich beim Thema Nachhaltigkeit richtig etwas bewegen konnte." Aufgabe des Lifecycle Managements ist es, Produkte des Unternehmens hinsichtlich ihrer ökologischen Auswirkungen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg umfassend zu bewerten.

Querschnittsthema

Nachhaltigkeit ist bei Evonik, so Florian Böss, ein Querschnittsthema, das alle Mitarbeiter angeht: Ein Chemiker, der Reaktionen plant, achtet beispielsweise darauf, dass Nebenprodukte, die in einem Prozess entstehen, als Rohstoff für eine andere Produktlinie weiterverwendet werden können. Forscher des Unternehmens prüfen alle strategischen Innovationsprojekte auf deren Nachhaltigkeitswirkungen. Und der BWLer kann seine KPIs auch nach Aspekten der Nachhaltigkeit auswählen. Koordiniert werden all diese Aktivitäten von Mitarbeitern wie Florian Böss, die in den verschiedenen operativen Segmenten des Unternehmens als zentrale Ansprechpartner für das Thema Nachhaltigkeit tätig sind. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag, Nachhaltigkeit in der Chemie weiter voranzutreiben.


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