Innovation und Neugier gehören in der Forschung dazu.
Viele Naturwissenschaftler finden ihren Platz in der Forschung. | Foto: Thinkstock/vshivkova
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01. Jun 2017

Ines Bruckschen

Branchencheck

Naturwissenschaftler in der Forschung

Hoffnung für Krebspatienten

Mit Big-Data-Analyse zu neuen Therapieansätzen

Ganz grundsätzlich erforscht die Bioinformatikerin und Molekularbiologin Milena Dürrbaum (29) am Max-Planck-Institut für Biochemie in München, wie sich Krebs bekämpfen ließe: "Krebszellen haben häufig eine abnormale Chromosomenanzahl, die für die Krebszellen selbst kein Problem oder sogar von Vorteil, für normale Zellen aber schädlich ist. Wir vermuten, dass ein Ungleichgewicht von Proteinen eine entscheidende Rolle bei den negativen Auswirkungen von einer abnormalen Chromosomenanzahl spielt. Wenn wir zum Beispiel herausfinden, wie Zellen mit dem Proteinungleichgewicht umgehen oder warum die Krebszellen trotzdem so schnell wachsen, dann können wir ganz neue Therapieformen zur Heilung von Krebs anstoßen." 

Bei dieser Grundlagenforschung kann Milena auch ihr Faible fürs Programmieren einbringen, das sie schon vor ihrem Biologiestudium entdeckt hatte. Deshalb hängte sie noch einen Master in Bioinformatik, Proteinbiochemie und Strukturbiologie dran sowie ein Auslandssemester in Hongkong zu Bioinformatischer Genomanalyse und Biotechnologie. Ihre Zukunftspläne: "Rein technologisch gesehen die Möglichkeit, größere Untersuchungsreihen durchzuführen und größere Datenmengen parallel zu analysieren, denn die nächste Generation der DNA-Sequenzierungstechnologie wird immer bezahlbarer – das könnte einen Teil der Medizin revolutionieren. Persönlich fasziniert es mich, aus den immer größer werdenden Datenmengen Erkenntnisse zu ziehen und damit völlig neue Problemlösungsansätze zu ermöglichen. Daher würde ich nach meiner Promotion gerne weiter in Richtung Big Data Analytics gehen."

Antikörperbasierte Therapie gegen Brustkrebs

Noch näher am Patienten forscht die Biotechnologin Claudia Müller (32) in der sogenannten angewandten Forschung. Dabei war nicht unbedingt abzusehen, dass sie einmal an vorderster Front gegen Brustkrebs kämpfen würde. Erst nach einer Lehre bei der Deutschen Rentenversicherung holte sie ihr Abitur in der Abendschule nach – und spürte bei einer Biologie-Exkursion im Labor plötzlich, als sie ihre eigene DNA aus Mundschleimhaut extrahierte: "So was könnte ich mein Leben lang machen." Es folgte der Bachelor in Biotechnologie mit einer Abschlussarbeit über Gelenkknorpel und Knorpelzellen im Forschungslabor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Charité Berlin – ein wichtiges Thema für die orthopädische Chirurgie.

Für ihre Masterarbeit ging Claudia zum Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI nach Leipzig, wo sie heute in der Abteilung Therapievalidierung an der Entwicklung und Herstellung von voll humanen monoklonalen Antikörpern arbeitet. Diese könnten beispielsweise bei der Bekämpfung von Brustkrebs sehr hilfreich sein. Zusätzlich ist Claudia an der Entwicklung sogenannter immuntoxikologischer Assays beteiligt, die zum Testen von neuen Therapeutika in vorklinischen Sicherheitsstudien eingesetzt werden. Es ist vor allem die Schnittstelle von Zellkulturtechniken und medizinischen Anwendungen, die es ihr angetan hat. Gerade schreibt sie an ihrer Doktorarbeit über eine antikörperbasierte Therapie gegen Brustkrebs. "Es spornt mich an, dass unser Therapeutikum vielleicht schon in zehn Jahren Patientinnen konkret helfen kann."


Forschung als Karrieresprungbrett?

Wir haben mit Michael Vogel, Leiter des Fraunhofer-Personalmarketings, darüber gesprochen, welche Arbeitsbedingungen Absolventen in der Wissenschaft erwarten, wie die Karrierechancen stehen und zu wem eine Karriere in der Forschung am besten passt.

UNICUM: Welche Typen wünschen Sie sich in der Forschung?
Michael Vogt: Die Neugierigen. Und die Hartnäckigen, die sich nicht gleich abschütteln lassen, wenn jemand sagt: "Das geht nicht."

Junge Wissenschaftler beklagen, dass sie sich heute von einem Zeitvertrag zum anderen hangeln. Muss das sein?
Hier sollte man sich genau überlegen, was man will: Innovationskraft lebt von den frischen Ideen junger Menschen, kombiniert mit einer klugen Organisationsstruktur und der Anleitung kompetenter Führungskräfte. Deshalb bleiben viele unserer Mitarbeiter nur ein paar Jahre. Allerdings haben sie keine Schwierigkeiten, im Anschluss eine Anstellung  in der Industrie zu finden, denn dort weiß man zu schätzen, dass sie bereits Erfahrung in Projektarbeit gesammelt haben. Wer eine dauerhafte Festanstellung in der Forschung anstrebt, der kann sich über eine Abteilungsleitung bis hin zur Institutsleitung hocharbeiten.

Was raten Sie jungen Frauen, die vor dem Einstieg in die immer noch eher männerdominierte Wissenschaftswelt zurückschrecken?
In der Wissenschaft ist es wie in der freien Wirtschaft: Die höheren Führungspositionen in Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind nach wie vor überwiegend männlich besetzt. Wenn Frau da weiterkommen will, sollte sie aktiv netzwerken und sich Rat und Unterstützung auch bei anderen Frauen suchen. Für diesen Zweck gibt es eine Reihe von Förderprogrammen, um die eigene Karriereentwicklung entsprechend vorantreiben zu können, etwa die Careerbuilding-Programme der Femtec GmbH oder Fraunhofer TALENTA. 
 

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