Professorin Sabine Wieland
Expertin Sabine Wieland betont die Bedeutung von Teamfähigkeit in der IT | Foto: Matthias Popp
Autorenbild

26. Feb 2016

Marc Wiegand

Branchencheck

So gelingt der Berufseinstieg in die IT-Branche

Professorin des Jahres nennt Schlüsseleigenschaften und spannende Arbeitgeber

IT-Berufseinsteiger brauchen Soft-Skills

UNICUM: Frau Professor Wieland, worauf kommt es beim Sprung von der Hochschule in die Arbeitswelt besonders an?
Sabine Wieland: Junge Absolventen müssen authentisch sein und zu ihrer Persönlichkeit stehen. Schauspielerei bringt da gar nichts. Für einen reibungslosen Berufseinstieg braucht man ein solides Maß an Fachkenntnis und die viel zitierten Soft Skills. Insbesondere Teamfähigkeit ist essentiell.

Warum heben Sie gerade diese Eigenschaft hervor?
Weil es hier und da immer noch die Denke gibt, dass der IT-ler im einsamen Kellerlein vor sich hin schraubt. Dabei ist etwa Software-Entwicklung reine Teamarbeit. Jeder stellt seine Fähigkeiten in den Dienst der Gruppe. Wer nicht der Programmierer vor dem Herrn ist, kümmert sich beispielsweise um die Dokumentation, das Projektmanagement oder das Layout. Wer so eine Integration nicht schafft, wird kläglich scheitern.

Welche Herausforderungen warten noch auf die Berufseinsteiger?
Am Anfang heißt es erstmal zuhören und zuschauen. Häufig stellen Absolventen in dieser Einarbeitungsphase fest, dass die Herangehensweisen im Unternehmen deutliche Schwächen offenbaren. Dann stehen sie vor der Herausforderung, behutsam und konstruktiv Kritik anzubringen, um die Strukturen und Prozesse umzugestalten. Das ist ein kleiner Drahtseilakt, denn gerade als Neuer möchte man niemanden direkt vor den Kopf stoßen.

Gibt es bestimmte Arbeitgeber, die Sie Ihren Studierenden für den Berufseinstieg besonders an Herz legen?
Nein. Die Absolventen sollten sich zuallererst von ihrer Persönlichkeit leiten lassen. Ein ruhiger Typ ist vermutlich in einem großen Unternehmen besser aufgehoben, während ein Draufgänger mit viel Gestaltungswillen auch in einem kleinen Team aufblühen wird. Es gibt in der IT eine große Bandbreite an Tätigkeitsfeldern – von der Software-Entwicklung bis zum Netzwerkmanagement und Frau und Mann können in jeder Branche aktiv werden. Da sollte man sich schon genau fragen: Wo genau möchte ich hin? Und in welchen Bereichen kann ich etwas dazulernen? Der Rest findet sich dann in der Regel schon.

Und wenn nicht?
Dann kann ich als Informatiker auch im weiteren Karriereverlauf noch ohne größere Probleme die Branche wechseln. Denn IT-Bedarf gibt es überall – in der Lebensmittelindustrie genauso wie in der Biotechnologie oder in der Baubranche. Die gleiche Vielfalt gibt es bei den Berufsbildern: Ich kann als Architekt Systeme entwickeln, als Berater bei der Implementierung Pate stehen oder im Bereich Customer Care wie eine Art Notarzt arbeiten. In ganz vielen Bereichen werden händeringend IT-Fachleute gesucht.

Lassen sich denn besondere Zukunftsbranchen hervorheben?
Der ganze Bereich der IT- und Netzwerk-Sicherheit wird weiter boomen. Auch die Felder Big Data und Business Intelligence werden die nächsten Jahre dominieren.
 


Sabine Wieland Uni Leipzig


Rosige Rahmenbedingungen in der Informatik

Womit werden sich junge IT-Fachkräfte konkret auseinander setzen?
Es gilt das Cloud Computing voranzutreiben und die Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt mitzugestalten. Da spielt auch der erwähnte Sicherheitsaspekt voll hinein. Denn bei der umfassenden Vernetzung kommen unzählige Software Systeme zum Einsatz, bei denen nur ein Drittel der Lines of Codes umfangreich getestet wurden. Beim Schutz vor unerlaubtem Zugriff und Datenmissbrauch gibt es langfristig großen Handlungsbedarf. Genau hier setzt unser Gütesiegel "Geprüfte Sicherheit" für Software an, das Software Qualität sichtbar macht. Dieses Projekt wird uns die nächsten Jahre beschäftigen.

Also grundsätzlich rosige Aussichten für IT-Fachkräfte?
Das würde ich unterschreiben. Und das trifft im Übrigen auch auf die Rahmenbedingungen zu. Es gibt kaum eine Sparte, die so familienfreundlich und flexibel ist wie die IT-Welt. Ich kann dort fast zu jeder Zeit und von jedem Ort aus arbeiten. Die Unternehmen fördern und unterstützen diese Flexibilität. Beispielsweise gibt es in vielen Betrieben schon längst keine festen Büros mehr, sondern flexible Arbeitsplätze, die einem bei Bedarf inklusive der notwendigen Technik-Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Auch Home Office ist längst weit verbreitet.

Somit herrschen dort Rahmenbedingungen, die insbesondere junge Frauen ansprechen dürften.
In der Tat, aber während wir in der Wirtschaftsinformatik einen Frauenanteil von bis zu 40 Prozent haben, ist die Quote in technischeren Disziplinen wie Kommunikations- und Medieninformatik oder in der angewandten Informatik deutlich miserabler. Da haben wir leider viel zu wenig junge Frauen. Und wir brauchen die weibliche Seite in den Software-Entwicklungsteams. Denn Software-Entwicklung hat etwas mit Kommunikation zu tun und da sind die Damen meistens etwas besser. Auch in Bereichen wie Design und Nutzerfreundlichkeit können gemischte Teams in der Regel bessere Resultate erzielen.

Wie erklären Sie sich dieses weibliche Desinteresse?
Mit einem falschen Berufsbild, das leider immer noch weit verbreitet ist. Den IT-Spezialisten in der Wirklichkeit sieht man nicht, sondern nur das Klischee vom Nerd im Keller in den Filmen. Die elementare Bedeutung und die konkrete Anwendung der IT liegen oftmals im Nebel. Daher müssen wir anfangen, den Informatik-Unterricht in der Schule spannender und realitätsnäher zu gestalten und dabei stärker auf die vielseitigen Interessen der jungen Frauen eingehen.

Wie kann das konkret aussehen?
Ein junges Mädchen möchte kein Nerd sein. Daher müssen wir herausstreichen, dass IT auch immer ganz viel mit Menschen und Kommunikation zu tun hat. Beispielsweise wenn es darum geht, die Interessen und Bedürfnisse eines Software-Kundens zu ergründen. Es ist nicht nur eintönige Programmierarbeit. Doch da gibt es leider noch ein ganz falsches Berufsbild bei Heranwachsenden wie auch bei ihren Eltern, das wir verändern müssen. Mit dem MINT-Netzwerk in Leipzig nehmen wir uns dieser Aufgabe an, aber uns ist auch klar, dass so etwas nicht von heute auf morgen geht.
 

Diese Themen könnten dich auch interessieren
Wirtschaftsinformatik - alle Infos über die Branche

Brancheninfo Wirtschaftsinformatik

Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft und Informatik und können bestens zwischen den beiden Bereichen vermitteln. Deshalb sind Wirtschaftsinformatiker in vielen... mehr »