Spieleentwickler in Deutschland
Als Spieleentwickler in Deutschland durchstarten? | Screenshots von Innogames, Goodgame und Wooga
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17. Apr 2018

Sebastian Wolking

Branchencheck

Spieleentwickler in Deutschland: Ein Job ohne Aussicht?

Deutschland ist keine große Nummer in der Games-Branche

Deutschland ist Fußball-Weltmeister. Export-Weltmeister. Reise-Weltmeister. Aber in der Computerspiel-Branche spielen wir allenfalls in der Bezirksliga. Schaut man auf die 20 meistverkauften PC- und Konsolen-Games des Jahres 2017, dann fällt auf: Kein einziges Spiel deutscher Entwickler schaffte es in die Top 20.

Die Rangliste wird angeführt vom Fußball-Klassiker FIFA 18, dann folgt der Ego-Shooter Call of Duty WWII, das Auto-Abenteuer Grand Theft Auto V, The Legend of Zelda: Breath of the Wild, Mario Kart 8 Deluxe, Assassin?s Creed Origins. Die Macher heißen Electronic Arts, Activision Blizzard, Rockstar Games und Nintendo, kommen aus den USA, Japan, Frankreich. Die Welt zu Gast bei Spielefreunden.

Der Umsatz deutscher Entwicklungen liegt auf dem Heimatmarkt bei mickrigen 0,5 Prozent – eine niederschmetternde Quote. Von den Mobile Games fürs Handy stammen immerhin 4,2 Prozent aus deutschen Landen, von den Online- und Browser-Games sogar 24 Prozent. Aber auch hier sind die Marktanteile rückläufig.

Deutsche Games-Branche in schwerem Fahrwasser

"Die vergangenen Jahre waren für die GamesBranche in Deutschland sehr herausfordernd", bilanziert auch Felix Falk, Geschäftsführer des neuen Computerspielverbandes Game. Erst im Januar 2018 hatten sich der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) und GAME, der Bundesverband der deutschen Games-Branche, zusammengeschlossen. Ein Problem ist die starke Zersplitterung der Branche. Es gibt viele kleine Spieleschmieden, kaum große Player. Laut einer Studie der Hamburg Media School erwirtschafteten die 658 Unternehmen in Deutschland im Jahr 2015 einen Umsatz von durchschnittlich 4,37 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die 236 Games-Firmen in Schweden kamen auf Durchschnittserlöse von 5,5 Millionen Euro - deutlich mehr also. Hierzulande bringen vier Prozent der Spielefirmen fast 80 Prozent der Umsätze nach Hause, die unteren 44 Prozent dagegen gerade einmal 0,2 Prozent. Die Schere ist so groß, dass sie - sarkastisch gesagt - eigentlich von Oxfam angeprangert werden müsste.

"Zwar wächst der Markt für Computer- und Videospiele weltweit deutlich", so Felix Falk. "Gleichzeitig nimmt aber auch der Wettbewerbsdruck immer weiter zu. Daher kam es zu einigen Konsolidierungen in der deutschen Games-Branche, die sich auch auf die Anzahl der Beschäftigten negativ ausgewirkt haben." Zwischen 2016 und 2017 sank ihre Zahl um neun Prozent von rund 31.300 auf 28.400 Mitarbeiter, vor allem bei Entwicklern und Publishern gab es einen Kahlschlag.

Spieleentwickler in Deutschland: Überangebot an Berufseinsteigern

Zuvor hatten diese Anfang der 2000er Jahre in einer großen Wachstumsphase viele neue Mitarbeiter angeworben, auch die Hochschulen hatten ihre Kapazitäten massiv erweitert. Mittlerweile bieten mehrere staatliche und private Hochschulen das Fach Game Design an, an der Universität Bayreuth kann man Computerspielwissenschaften studieren. "Die berechtigte Frage ist allerdings", schreiben die Forscher der Hamburg Media School, "ob der Personalbedarf in einer derzeit zunehmenden Konsolidierungsphase der Industrie immer noch so hoch ist, dass insbesondere Berufseinsteiger gute bis sehr gute Chancen haben oder ob es mittelfristig zu einem U?berangebot an qualifiziertem Personal kommen wird."

Probleme bei der Jobsuche hatte auch Kim Müller (Name von der Redaktion geändert). "Ich kann es mir nicht ganz erklären, warum es mir so schwer fällt, eine Stelle in der Branche zu finden", sagt sie. "Anderen Leuten gelingt es ja." Kim hat an einer privaten Hochschule Game Design studiert, danach zwei Dutzend Bewerbungen geschrieben, allesamt ohne Erfolg. "Langsam kommt es mir vor, als wäre es kein Traumjob mehr, welchem ich da hinterherjage", schildert sie ihre Erfahrungen. "Die Bewerbungen schreibe ich nur noch, um das teure Studium an der Privatuni nicht umsonst absolviert zu haben." Nach langer Suche hat Kim eine Stelle gefunden, allerdings im E-Health-Bereich.

Deutsche Spieleentwickler: Vielseitig einsetzbar

Ihre Erfahrungen zeigen: Die deutsche Games Branche ist für Absolventen momentan ein schwieriges P?aster. Andererseits erö?nen sich für Spezialisten auch ganz neue Perspektiven. "Abgänger von Studiengängen wie Game Design sind gefragte Experten, auch außerhalb der Games-Branche", meint Felix Falk. "Ob Autoindustrie oder Gesundheitswirtschaft: Sie alle brauchen Experten, die ihre digitalen Angebote intuitiv benutzbar gestalten oder umfassende Erfahrungen mit 3D-Technologien mitbringen." Technical Artists, Experten  in Sound Design, Motion Capturing oder 3D-Programmierung, die Animationen oder Serious Games für die Industrie erstellen. In den vergangenen Jahren sei ein starker Konkurrenzkampf um die Talente entstanden.

Gamesbranche nicht nur für Technik-Profis

Wer dagegen den Sprung in die bunte Welt der Videospiele scha?t, ?ndet oft ganz passable Arbeitsbedingungen vor. So haben 76 Prozent der Angestellten in der Games-Branche einen unbefristeten Arbeitsvertrag, auch die Frauenquote ist mit 27 Prozent keineswegs so niedrig wie befürchtet.Was unter anderem daran liegt, dass die Branche nicht nur Techniker versammelt.Die Firmen brauchen schließlich auch Fachpersonal für Marketing, Vertrieb und Kundensupport. Oder sogenannte Localisation Manager: Sie sorgen dafür, dass das Computerspiel in die jeweiligen Landessprachen übersetzt wird. In der Musikindustrie über?üssig, bei Games unabdingbar. Daher haben auch Kulturwissenschaftler, Japanologen oder Germanisten realistische Einstiegschancen.

Am besten sind die Perspektiven übrigens in Frankfurt, Hamburg und Berlin. Eine Analyse der Job-Plattform Indeed zeigt, dass 90 Prozent aller Stellenausschreibungen aus diesen drei Städten kommen. Vielleicht ?ndet  sich dort ja auch für Kim Müller bald ein schönes Plätzchen. Ihr Vertrag beim Gesundheitsdienstleister läuft bald aus. "Wenn es nicht zu einer Verlängerung kommt, bin ich darüber nicht allzu traurig", sagt sie. Sie will endlich das Richtige machen. Videospiele.

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