Die Formula Student Germany dient als Karriere-Sprungbrett
Ganz nah an der Arbeitsrealität: die Formula Student Germany | Foto: huebner,slesnia, shidhartha
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14. Sep 2016

Marc Wiegand

Branchencheck

V12-Motor für die Karriere

Die Formula Student Germany

Viel genutztes Karriere-Sprungbrett

Erst Aktiver bei der FSG, dann Projektmanager bei Volvo oder Konstrukteur bei BMW: fast jedes aktuelle Team-Mitglied kennt Ehemalige, die den internationalen Konstruktionswettbewerb als Karriere-Sprungbrett genutzt haben und heute lukrative Posten in der Automobilindustrie bekleiden. "Die Erfahrungen hier gehen einfach deutlich über ein Praktikum oder eine Werkstudenten-Tätigkeit hinaus", sagt Jonas Fromme, CEO von Bremergy, dem FSE-Racing-Team der Universität Bremen. "Viele Firmen werten die Zeit bei der FSG als echte Berufserfahrung, weil man sich neben spezifischem Fachwissen auch interdisziplinäre Kenntnisse über den Fahrzeugbau aneignet. Außerdem lernt man die komplexe Entwicklungsarbeit in einem größeren Team hautnah kennen." Beim Bremer Team etwa tüfteln rund 35 angehende Ingenieure über Monate hinweg in verschiedenen Arbeitsgruppen an einem Boliden mit Elektroantrieb.

Es sei "schon ein klein wenig verrückt", wie viel Zeit und Herzblut die Studierenden investieren würden, um einen Formelrennwagen in Eigenregie zu konstruieren und zusammenzubauen, sagt Fromme schmunzelnd. Gerade bei den Teamverantwortlichen habe das Engagement oft die Ausmaße eines Fulltime-Jobs. So mancher würde extra dafür ein Urlaubssemester einlegen – wohlkalkuliert wohlgemerkt. Denn: "Der Mehrwert ist riesig. Wo habe ich sonst die Möglichkeit, auf Augenhöhe mit den Ingenieuren unserer Unterstützer-Firmen über die Leiterplattenkonfektionierung fachzusimpeln?", fragt Fromme. Resultat dieses regen Austausches könne schon mal sein, dass Erkenntnisse aus dem Prozessmanagement eines FSG-Teams in die Fertigung eines mittelständischen Automobil-Zulieferers einfließen.

Kollegial und kameradschaftlich

Trotz dieser Nähe zur realen Wirtschaftswelt begegnen sich die FSG-Teams untereinander aber auf einer kollegialen Ebene, wie Felix Schmidt betont. "Klar steht man im Wettbewerb zueinander, aber es läuft dennoch alles sehr kameradschaftlich und fair ab." Der Marketing-Leiter des Teams der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften "Hawksracing" belegt seine Aussage mit einem konkreten Beispiel: "Wenn man Rücken an Rücken bis tief in die Nacht am Boliden schraubt, dann kommt man zwangläufig miteinander in Kontakt und hilft sich auch gegenseitig mit Werkzeug aus." Ein niederländisches Team sei mit einem 40-Tonner inklusive Dreh- und Fräsmaschine zum Hockenheimring gereist. Wer auf die Schnelle noch ein frisches Bauteil benötige, könne jederzeit bei den hilfsbereiten Niederländer anklopfen.

Sprache Nummer Eins im und ums Pit herum ist Englisch. "Nur die wenigsten haben aber ein perfektes Sprachniveau. Und da jeder mal an der ein oder anderen Stelle mit den Vokabeln zu kämpfen hat, ist man auch nicht so gehemmt, es selbst auszuprobieren", sagt Schmidt, dessen Team das Gewicht seines Monocoques in dieser Saison um satte 13 Kilo Gewicht erleichtern konnte.

Neue Wettbewerbskategorie 2017

Während es bei den Hamburgern um einen gewünschten Verlust ging, freut sich die FSG insgesamt über einen Zuwachs: Neben den Boliden mit Verbrennungs- und Elektromotor sollen nun auch autonom fahrende Rennfahrzeuge in einer zusätzlichen Wettbewerbskategorie starten. 2017 wird die neue Formula Student Driverless (FSD) eingeführt. "Wir trainieren die Studierenden für die Aufgaben von morgen zu einem frühen Zeitpunkt, so dass sie sich später im Beruf kompetent in die Entwicklungen zum Thema Fahren ohne Fahren einbringen können", skizziert Dr. Ludwig Vollrath, Mitglied Board & Executive Comittee bei der FSG, die Hintergründe.

Die neue Wettbewerbsklasse können die Rennteams selbst mitgestalten. Beim erstmals ausgeschriebenen Formula Student Driverless Concept Award  reichten sie nun eigene Ideen ein. Auch die Bremer Elektroauto-Spezialisten von Bremergy hatten sich weitergehende Gedanken gemacht. "Eckpunkt unseres Konzeptes waren redundante Steuerungs-Systeme, um ein Maximum an Sicherheit zu erreichen", erklärt Jonas Fromme. Rennleitung wie Rennteam hätten jeweils eine Fernbedienung für das unbemannte Auto und könnten bei Ausfall des parallelen Steuerungssystems einen Not-Aus-Zustand aktivieren. "Die Resonanz zeigt uns, dass das Thema die Studierenden bereits heute intensiv beschäftigt und interessiert", freute sich Julian Göbel aus dem Organisationsteam der FSD. "Ich bin schon jetzt gespannt, wie viele Autos wir im nächsten Jahr an der Startlinie sehen werden."


Über die Formula Student Germany (FSG):

  • Beim internationalen Konstruktionswettbewerb FSG nahmen  insgesamt 113 Teams aus der ganzen Welt teil. Sie bauten dazu in Eigenregie jeweils einen einsitzigen Formelrennwagen.
     
  • Der Wettbewerb wird in zwei Kategorien ausgetragen: In der Formula Student Combustion (FSC) gehen Boliden mit Verbrennungsmotoren an den Start. In der Formula Student Electric (FSE) stehen Rennwagen mit Elektromotoren im Fokus.
     
  • Jede Kategorie ist in drei statische Disziplinen (Engineering Design, Cost Analysis, Business Plan Presentation) und fünf dynamische Disziplinen (Acceleration, Skidpad/Wet Pad, Autocross, Fuel/Energy Effiency, Endurance) unterteilt.  Über den Gesamtsieg entscheidet die Gesamtpunktzahl.
     
  • 2016 wurde erstmals auch der Formula Student Driverless (FSD) Concept Award vergeben: Die Teams sollten dabei eigene Konzepte für die neue Wettbewerbsklasse des autonomen Fahrens einreichen.

Die Gesamt-Sieger 2016

Formula Student Combustion (FSC):
TU Fast München

Formula Student Electric (FSE):
KA RaceIng EAS Karlsruhe (KIT)

Formula Student Driverless Concept Award:
UAS Zwickau

 

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