Überstunden sind nicht immer zulässig.
Überstunden sind nicht immer zulässig. | Foto: wu yi/Unsplash.com

30. Mai 2017

Arbeitsrecht

Überstunden: Wann sind sie erlaubt und wann nicht?

Was ihr über Mehrarbeit wissen solltet

Ein Kollege nach dem anderen verabschiedet sich in den Feierabend. Nur ihr müsst noch einige Stunden alleine am Schreibtisch verbringen. Schließlich muss Projekt XY fertig werden, die letzten zehn Mails sind auch nicht beantwortet und der Praktikant wartet auf ein Feedback zu seinem Konzept. Doch zum Thema Überstunden gibt es klare gesetzliche Regeln.

Der Chef kann euch grundsätzlich nicht einfach zu Überstunden verdonnern. Ausnahmen sind unvorhergesehene Situationen, wenn zum Beispiel viele Mitarbeiter krank sind und so ein Personalengpass entsteht. Konnte er den Engpass aber voraussehen, so darf er keine Überstunden anordnen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Mitarbeiter gekündigt haben. Aber Achtung: Bei allen hier geschilderten Regeln solltet ihr immer die individuellen Tarif- oder Arbeitsverträge beachten; auch aus einer Betriebsvereinbarung kann sich etwas anderes ergeben. Wenn ihr freiwillig abends zwei Stunden länger macht, könnt ihr dafür nicht euren Chef zur Rechenschaft ziehen.

Überstunden ablehnen

Sollt ihr mehr als zehn Stunden am Tag arbeiten, ohne dass dafür innerhalb der nächsten sechs Monate ein Freizeitausgleich vorgesehen ist, könnt ihr Überstunden ablehnen. Grundsätzlich darf die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Pausenzeiten werden dabei nicht als Arbeitszeit gerechnet. Festgeschrieben sind diese Regelungen für Arbeitnehmer im Arbeitszeitgesetz. Von Angestellten mit Leitungsfunktion kann der Chef aber Überstunden erwarten, für sie gilt dieses Gesetz nicht. Wer Überstunden, die innerhalb des gesetzlichen Rahmens liegen, ablehnen möchte, kann dafür persönliche Gründe anführen. Das kann zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter sein, die sich um ihre Kinder kümmern muss, oder gesundheitliche Gründe. Wer Teilzeit arbeitet, darf grundsätzlich nicht zu Überstunden verpflichtet werden. Jugendliche und werdende oder stillende Mütter darf der Chef nicht zur Mehrarbeit auffordern. In einigen Arbeitsverträgen steht zwar, dass Überstunden pauschal mit dem Gehalt abgegolten sind, diese Klausel ist aber unwirksam. Wirksam ist sie nur, wenn festgelegt ist, wie viele Extra-Stunden auf euch zukommen können. Der Arbeitgeber muss die Überstunden entlohnen, wenn der Vertrag keine Informationen in Sachen Bezahlung bei Mehrarbeit enthält und es betriebs- oder branchenüblich ist.

Freizeitausgleich für Überstunden

Gibt es keine Regelung im Tarif- oder Arbeitsvertrag, dass ihr für Überstunden einen Freizeitausgleich bekommt, sprecht euren Chef direkt darauf an. Vermutlich gewährt er gerne den Freizeitausgleich, denn als Alternative bleibt ihm nur eine Bezahlung der Überstunden. Bleibt der Chef stur, dokumentiert die Arbeitsstunden genau – falls ihr nicht sowieso eine Stechuhr habt. Lasst euch die Stunden wöchentlich vom Chef bezeichnen. Für den Notfall habt ihr dann vor Gericht den notwendigen Beweis. Wer ständig mehr arbeitet, sollte mit dem Chef eine langfristige Lösung finden. Zum Beispiel zusätzliches Personal oder eine andere Verteilung der Arbeiten. Steht es im Arbeits- oder Tarifvertrag nicht anders, verjähren Überstunden nach drei Jahren.

Mehr Infos findet ihr im Finanztip-Ratgeber: finanztip.de/arbeitsvertrag/arbeitszeitgesetz-ueberstunden/

Diese Themen könnten dich auch interessieren
Performance-Kontroll-Maßnahmen in Job: Was geht und was nicht?

Leistungsdruck im Unternehmen

Leistungsbewertungen von Mitarbeitern gehören zum Berufsleben. Nur so können Erfolge gemessen oder Qualifizierungsbedarfe festgestellt werden. Doch Leistungsbewertung ist nicht gleich... mehr »
Was gehört in den Arbeitsvertrag?

Was muss im Arbeitsvertrag stehen?

Dr. Britta Beate Schön vom gemeinnützigen Verbraucherportal Finanztip versorgt euch ab jetzt regelmäßig mit wichtigen Infos in Sachen Arbeitsrecht. Dieses Mal verrät sie euch, was im... mehr »