Smalltalk Büro
Gekonnter Smalltalk ist authentisch – und wirkt motivierend | Foto: Thinkstock/Rawpixel Ltd
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21. Mär 2016

Mark Heywinkel

Business-Knigge

Büro-Smalltalk: Karriere am Kaffee-Automat

Gekonnte Plauderei als Karriere-Motor?

Smalltalk - Im Film sieht das so einfach aus ...

Im Film "Selbst ist die Braut" muss der schmucke Ryan Reynolds lediglich den Ehemann der ebenso bezaubernden Sandra Bullock geben, um es auf der Karriereleiter eine Stufe höher zu schaffen. Und Robin Williams spielt in "Mrs. Doubtfire" bloß ein wenig mit Spielzeugen, um vom Chef entdeckt und kurzerhand zum Star seiner eigenen Kindersendung gemacht zu werden. Im realen Leben bewahrheitet sich die Hoffnung, es durch Smalltalk, kleine Gefallen und gute Beziehungen zum Chef nach oben zu schaffen, hingegen nicht – oder?
 


Kurz & kompakt

  • Berufliche Entscheidungen werden nicht nur rational, sondern auch emotional getroffen.
  • Smalltalk am Arbeitsplatz ist daher eine schöne Gelegenheit, um vor dem Chef mit den sozialen Kompetenzen zu glänzen.
  • Wer allerdings eine offensichtliche Strategie verfolgt, steht bei den Kollegen schnell als Schleimer da.
     

Der Chef als Sportsfreund?

"Es ist mir schon ein bisschen peinlich", sagt Timo (26), "aber ich bin Projektleiter geworden, weil mein Chef und ich ins gleiche Fitnessstudio gegangen sind." Seit seinem Marketing-Studium arbeitet Timo in einer Werbeagentur in Hamburg. Vor einem halben Jahr meldete er sich in einem Fitnessstudio an, das in der Nähe seiner Arbeit lag. "Ich wollte abends einfach hin und ein bisschen Stress abbauen", erzählt Timo. Dass auch sein Chef ein Abo in dem Studio hatte, wusste er nicht. "Sonst hätte ich mich vermutlich woanders angemeldet", sagt er. Aber so lernten sich Timo und sein Chef besser kennen, trainierten immer häufiger zusammen.

Und irgendwann musste eine Stelle neu besetzt werden. "Die habe ich dann bekommen", berichtet Timo. "Mein Chef meinte damals: Timo hat die Muckis und das Köpfchen, das wir für den Job brauchen, das weiß ich."

Was wie ein Glücksfall aus einem Hollywoodstreifen klingt, kommt tatsächlich häufiger vor, als man glaubt. Studien belegen, dass Entscheidungen auch im Beruf nicht ausschließlich rational, sondern vor allem emotional getroffen werden. Nicht Leistung allein, auch Sympathie ist ein wichtiger Faktor im Spiel um Einzelbüros, den nächstgelegenen Parkplatz oder auch eine bessere Position im Unternehmen.

Vorsicht, Schleimer!

Wer diese Info gezielt nutzen möchte, um seine Karriere anzukurbeln, dafür aber nicht zum Schwitzen ins Fitnessstudio will, dem könnte auch Smalltalk bei der Arbeit weiterhelfen. "Der Mitarbeiter macht sich mit dem Smalltalk auch auf einer anderen Ebene sichtbar und stellt dabei seine soziale Kompetenz unter Beweis", erklärt Karrierecoach Esther Kimmel. Dabei sollte man aber vorsichtig vorgehen: Erzwungen und aufgesetzt sollte der Smalltalk mit dem Chef nicht geführt werden.

"Aus meiner Sicht geht es im Smalltalk gerade darum, authentisch zu sein und keine bewusste Strategie zu verfolgen, sondern aus einem gesunden Interesse am Gegenüber miteinander ins Gespräch zu kommen."

Wer zu viel Strategie in den Aufbau einer guten Beziehung zu seinen Vorgesetzten durchblitzen lässt, laufe auch Gefahr, von den Kollegen das "Schleimer"-Label aufgedrückt zu bekommen. Das hat auch Timo erlebt. "Als ich Projektleiter wurde, haben ein paar Kollegen darüber gelästert", sagt er. "Dass ich mit meinem Chef im gleichen Studio trainiere, war ein gefundenes Fressen für die, die sich selbst Chancen auf die Stelle ausgemalt hatten."

Eine Zeit lang litt Timo unter den Vorwürfen seiner Kollegen. "Das war total ungerecht", sagt er. "Es war ja nicht so, als hätte ich in meinem neuen Job nicht auch gute Arbeit geleistet."

Smalltalk steigert die Kreativität

Der Smalltalk am Kaffeeautomaten ist ein Drahtseilakt, der gekonnt sein will. Esther Kimmel rät zum entspannten Plausch am Kaffeeautomaten. "Gegebenenfalls sollte man die Kaffeepause sogar ritualisieren", sagt sie – und führt damit auch die positiven Effekte eines Kaffeeplauschs für den Arbeitgeber ins Feld.

"Häufig wissen Mitarbeiter solche Gesten zu schätzen und kehren umso motivierter an ihre Arbeit zurück. Es gibt im Übrigen wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Ablenkung sowohl die Kreativität als auch das Leistungsvermögen fördert."
 

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