Dialekt Karrierekiller
Ja mai, wos hom se gsogt? Dialekt im Job hat Vor- und Nachteile | Foto: Thinkstock/kzenon
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24. Mai 2016

Sonja Dietz

Business-Knigge

Dialekte im Job: Karrierekiller oder Türöffner?

Wie viel regionale Färbung ist in der Berufswelt angemessen?

Nicht von den Inhalten ablenken

Eines vorab: Per se ist Dialekt zu sprechen nicht zu verteufeln. Wer etwa in einem regional geprägten Betrieb arbeitet, dem öffnet Mundart mitunter Türen. Im Umgang mit Kunden schafft sie Nähe und Vertrauen. Anders sieht es aus, wenn Arbeitnehmer im überregionalen Umfeld tätig sind. Dann kann Dialekt schnell ausbremsen.

Professor Bernd Kronenberger ist Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin, Gastroenterologie und Diabetologie des Herz-Jesu-Krankenhauses in Fulda. Für ihn gehören regelmäßige Gastspiele auf nationalem und internationalem Parkett zum Beruf. Dort spricht der Mediziner über die komplexen Ergebnisse seiner Forschung. Umso wichtiger, dass die Zuhörer nichts von den Inhalten ablenkt. Ein starker Dialekt wäre hier fatal.

Bei Symposien, Kongressen und Fachvorträgen spricht der gebürtige Hesse daher bewusst hochdeutsch. Den leichten regionalen Einschlag, den man bei ihm heraushören kann, sieht er als unproblematisch an. Fernseh- und Radiointerviews stehen ebenfalls ab und an auf dem Terminplan. Hierfür hat sich Kronenberger extra coachen lassen. "Denn Betonung, Tempo und Aussprache unterliegen anderen Gesetzen als bei einem Vortrag. Mir ist wichtig, in jeder Situation passgenau zu sprechen."

Starker Dialekt = niedere soziale Herkunft?

Richtig so, sagt der Hamburger Stimmtrainer Mathias Kirbs. Ein leichter Zungenschlag ist auch in seinen Augen kein Thema. Im Gegenteil. "Das wirkt authentisch und sympathisch", sagt Kirbs, der unter anderem Moderatoren sprachlich ausbildet. Doch eines will der Experte verstanden wissen: Die Sprechweise ist immer auch eine Frage der Etikette. "Will ich verstanden werden, sollte ich das sprachlich manifestieren", sagt Kirbs.

Wer stattdessen an starker Mundart festhält, kann Sympathien verspielen: "Das Gegenüber kann sich gar nicht auf den Inhalt konzentrieren, sondern überlegt nur: Wo kommt der denn her?" Nicht selten gilt ein sehr starker Dialekt daher als untrügliches Zeichen für eine niedere soziale Herkunft.

Beliebte und unbeliebte Mundarten

Kurzum: Mundart polarisiert. Mitunter sogar in der eigenen Region – denn kein Dialekt wird durchweg positiv oder negativ bewertet. Das jedenfalls legen die Erhebungen des Statistikportals Statista nahe. Vergleicht man Befragungen zu den beliebtesten beziehungsweise unbeliebtesten Dialekten, kommen höchst widersprüchliche Antworten heraus.

So liegt etwa Bairisch sowohl bei den beliebtesten als auch unbeliebtesten Dialekten weit vorne: hier Platz eins, dort Platz zwei. Berlinerisch belegt in beiden Erhebungen den dritten Platz und Hessisch rangiert jeweils im Mittelfeld. Dialekt ist also Geschmacksache. Etwas eindeutiger fällt dagegen das Urteil über das Sächsische aus. Beim Ranking der unbeliebtesten Dialekte belegt es die Spitzenposition. In der Umfrage unter umgekehrten Vorzeichen befindet es sich im Mittelfeld.

Business-Hochdeutsch

Einmal Dialekt heißt aber nicht immer Dialekt. Denn am sprachlichen Erscheinungsbild lässt sich feilen. Dabei geht es gar nicht einmal darum, sich den Dialekt abzutrainieren, sagt Mathias Kirbs, sondern darum, umschalten zu können und die gesprochene Sprache der jeweiligen Situation anzupassen – vergleichbar mit dem Sprechen einer Fremdsprache.

Ein Sprechtraining fängt zunächst mit dem Hören an. "Zunächst sollen die Leute Silben und Wörter langsam nachsprechen. Die eigentliche Schwierigkeit ist aber, das Gelernte in die Alltagssprache zu integrieren. Wir trainieren deshalb speziell Worte, die im Geschäftsleben oft gebraucht werden", erklärt Kirbs.

Wie schnell das Hin-und Herswitchen zwischen Dialekt und Hochdeutsch klappt, ist wie so oft eine Frage des Fleißes. Meistens stellen sich nachhaltige Erfolge nach etwa sechs Monaten bei vier Terminen pro Monat und regelmäßigen heimischen Übungseinheiten ein. Viel Übung hilft also viel – auch beim Dialekt, Verzeihung Nicht-Dialekt.
 

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