Introvertiert Beruf
Im Beruf gilt: Raus aus dem Versteck und Meinung zeigen! | Foto: Thinkstock/SIphotography
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16. Feb 2016

Gastbeitrag

Business-Knigge

Die eigene Meinung im Job durchsetzen

Gehalts- und Karrierecoach Martin Wehrle gibt Tipps

Abwägen und Grübeln: Im Beruf ein Hemmschuh

"Wer hat eine Idee dazu?", fragt der Chef, nachdem er sein Problem geschildert hat. Sofort öffnet sich der Mund eines Mitarbeiters und schießt eine Salve von Vorschlägen in den Konferenzraum. Andere Diskutanten spinnen diese Ideen weiter und fügen neue hinzu. Aber was ist mit den Kollegen, die noch gar nicht zu Wort gekommen sind, obwohl sie vielleicht noch bessere Vorschläge hätten? Mit den Nachdenklichen, den Gründlichen, den Introvertierten?

Was einen Philosophen ausmacht – Abwägen und Grübeln –, kann im Business ein Hemmschuh sein: Während die einen (oft die Klugen) noch am Zweifeln sind, während sie um ihre Standpunkte ringen, nach Worten suchen und Inhalte grammgenau abwägen, haben die anderen (oft die Voreiligen) ihre Ansicht schon hinausposaunt, die Meinung in der Firma geprägt, die Weichen gestellt.

Es ist wie in einem Orchester: Nicht der feine Geigenstrich gibt den Takt vor, sondern das hämmernde Schlagzeug. Achten Sie einmal darauf, wer in Ihrer Firma die Marschrichtung bestimmt. Ich befürchte, nicht die Grübler und Denker, nicht die besten Argumente setzen sich durch, sondern die Meinungs-Trommler. Sie nehmen blitzschnell einen Standpunkt ein, den sie mit felsenfester Sicherheit vertreten. Die leisen Geigenstriche der Grübler übertönen sie mit ihrer Überzeugung. Und wenn ihre "sicheren" Pläne dann gescheitert, ihre Projekte abgeschmiert und ihre Liefertermine geplatzt sind? Dann posaunen sie auch hierfür eine Erklärung hinaus – aber nie die, dass sie nicht auf die Nachdenklichen gehört haben.

Strategien für Menschen, die vor dem Sprechen denken

Was tut man als Mensch, der vor dem Sprechen denkt, unter Menschen, die vor dem Denken sprechen – und sich damit auch noch durchsetzen?

Drei Strategien:

  • Erstens sollten Sie, wann immer es geht, Ihre Zweifel mit sich selbst ausmachen. Bilden Sie Ihren klaren Standpunkt vor einer Debatte und vertreten Sie ihn so überzeugt wie möglich.
  • Zweitens können Sie die Meinungstrommler immer wieder nach Fakten fragen: "Welche Belege gibt es dafür, dass ...?" Drei, vier solcher Fragen, die schwammig beantwortet werden, können die Gruppenmeinung drehen.
  • Drittens bleibt Ihnen die Chance, Ihre Standpunkte schriftlich mitzuteilen. Wo sehen Sie Risiken? Welche Alternativen gibt es?

Mag sein, Sie stoßen erst auf Interesse, wenn das Kind schon im Brunnen liegt. Doch das verleiht Ihrer Stimme mehr Gewicht. Fürs nächste Konzert der Meinungen.
 

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