Ana Ribeiro mit ihren VR-Brillen
Pionierin der VR-Brille: Ana Ribeiro | Foto: Privat
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15. Sep 2016

Sebastian Wolking

Frauen & Karriere

Die Virtual-Reality-Pionierin

Game-Designerin Ana Ribeiro entwickelt Spiele für VR-Brillen

Zu wild, um wahr zu sein?

Ana Ribeiros Lebensgeschichte ist so kunterbunt wie ein Jump?n?Run: mit Ups and Downs, geheimen Schatztruhen und fiesen Falltüren. Die Brasilianerin hat ihren sicheren Job aus heiterem Himmel hingeschmissen, um nach England überzusiedeln und Game Design zu studieren. Jetzt arbeitet die 33-Jährige mit Hochdruck daran, ihr erstes Spiel auf den Markt zu bringen: Pixel Ripped, ein 3D-Abenteuer in den 80ern, das für die Virtual-Reality-Brillen Oculus Rift und HTC Vive geplant ist. Das nötige Kleingeld hat sie über einen Accelerator im Silicon Valley eingesammelt. Ist das zu wild, um wahr zu sein? UNICUM Beruf hat mit ihr gesprochen.
 

Ana, du bist eine der ersten – wenn nicht sogar die erste – Game Designerin für Virtual Reality-Spiele in Brasilien. Wie ist es dazu gekommen?
Ana Ribeiro: Vor sechs Jahren hatte ich hier in Brasilien einen Behördenjob, in dem ich Dokumente für Scheidungen abgetippt habe. Der Job war sehr bürokratisch, langweilig und frustrierend. Er hat mich fertiggemacht. (lacht) Irgendwann habe ich dann angefangen, kleine Küchlein zu backen und bei der Arbeit zu verkaufen. Das war eine Art Flucht für mich. Erst hab? ich den Flur beliefert, danach das ganze Gebäude, bis ich Tausende Kuchen pro Monat verkauft habe. Aber für den Rest meines Lebens wollte ich das auch nicht machen. Ich wusste nur, dass Videospiele das Einzige waren, mit dem ich mich schon mein ganzes Leben lang beschäftigt hatte. Schon als Kind habe ich mit meinen drei Brüdern von morgens bis abends gespielt, Sonic, Mario, Mega-Man, hatte später sogar mein eigenes Counterstrike-Team. Also hab? ich alles hingeschmissen, mein Auto verkauft und bin, weil ich ohnehin schon immer in Europa leben wollte, nach London gegangen. Am SAE Insitute habe ich erst Games Programming studiert und mich dann für den Master-Studiengang an der National School of Film and Televison in London beworben.


Und bist offenbar angenommen worden.
Ana Ribeiro: Ja, mein Background schien ihnen zu gefallen. Vielleicht, weil ich von zuhause auch schon einen Abschluss in Psychologie hatte. Ich habe dann meinen Master in Game Design gemacht. Pixel Ripped war mein Abschlussprojekt 2014. Ich hab? das Demo online gestellt und es ist im Netz regelrecht explodiert. Und jetzt bin ich einer der Virtual Reality-Pioniere Brasiliens. Es ist aufregend und fühlt sich an wie in einem Traum.

Wie muss man sich eure Arbeit so vorstellen?
Ana Ribeiro: Ich bin Creative Director und manage das Team. Die Firma ist US-amerikanisch. Wir haben insgesamt zehn Freelancer auf der ganzen Welt, in England, den USA, Mexiko. Seit zwei Jahren arbeiten wir jetzt schon an dem Spiel, aber ich glaube nicht, dass wir jemals alle zusammen an einem Ort waren. Wir wollen Pixel Ripped im Oktober auf den Markt bringen und hoffen natürlich, dass unsere Firma wächst. Momentan haben wir noch keinerlei Einnahmen. Eine richtige Firma muss sich selbst finanzieren können, das ist der Plan.

Wie schwer ist es denn, Virtual Reality-Spiele zu entwickeln?
Ana Ribeiro: Ich genieße es, mit dieser neuen Technologie zu arbeiten. Ein Problem ist, dass sich alles ständig ändert. Neue Headsets, neue Controller – man muss ständig aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. Die größte Herausforderung ist aber nicht so sehr die Technik, sondern mehr das Design. Man muss den Spielern erst beibringen, wie Virtual Reality funktioniert. Der beste Weg ist es, anderen beim Spielen zuzuschauen. Zum Beispiel schauen sich Spieler, die noch nie ein Virtual Reality-Game gespielt haben, nicht um. Sie haben diese Brille auf und glauben, immer nach vorne gucken zu müssen. Also muss ich ihnen erst einmal zeigen, dass sie sich auch mal umdrehen sollen. Der Rat, den ich einem Game Designer geben würde, lautet: Mach das Spiel nicht für dich, sondern für die anderen. Schaue ihnen beim Spielen zu. Sie haben immer Recht. Mein Lehrer hat immer gesagt: Lernt, eure eigenen Babys zu töten. Das ist hart, aber das waren tatsächlich die Momente, in denen das Spiel besser geworden ist. Viele Kollegen kleben zu sehr an ihren Ideen. Wenn man mit hart an etwas arbeitet, wird man blind.


Gibt es auch etwas, das du an deinem Traumjob nicht magst?
Ana Ribeiro: Ich mag es nicht, mit Investoren zu sprechen. Mir wäre lieber, das nicht mehr tun zu müssen. Es ist wie bei einem Date, man will beeindrucken. Andererseits will man auch nicht so verzweifelt wirken, als ob man das Geld nötig hätte. Es ist unangenehm. Es gab mal einen Investor, der uns bei unserem Meeting ein Headset schenkte. Nach einigen Monaten entschied er sich dann dazu, doch nicht zu investieren und wollte das Headset zurück. Das fand ich extrem peinlich. Ich hätte gerne so viel Geld, dass ich mich um so etwas nicht mehr kümmern müsste.


Und du glaubst, mit VR-Spielen in Zukunft Erfolg zu haben?
Ana Ribeiro:Ich glaube, in drei Jahren wird Virtual Reality schon sein sehr großer Markt sein und in fünf Jahren wird jeder VR-Games spielen. Jetzt fängt alles an, die ersten Spiele sind gerade erst erschienen. Mir macht es mittlerweile jedenfalls mehr Spaß, Spiele zu designen als sie zu spielen.
 

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