Frauen in Spitzenpositionen
Immer noch stehen wenige Frauen an der Spitze von Unternehmen | Foto: Thinkstock/Dann Tardif/Fuse
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15. Apr 2015

Simone Zettier

Frauen & Karriere

Frauen in Spitzenpositionen: Keine Macht den Selbstzweifeln!

Drei Top-Managerinnen verraten ihre Erfolgsgeheimnisse

Senior Executive bei Accenture

Sandra Babylon, Jahrgang 1971, studierte Sprach-, Wirtschafts- und Kulturraumstudien an der Universität Passau und hat sich als Managing Director im Bereich Financial Services bei Accenture auf komplexe Transformationsprozesse in der Finanzbranche spezialisiert. Darüber hinaus leitet sie die "Women Initiative" in Deutschland, Österreich und der Schweiz und engagiert sich persönlich als Mentorin für jüngere Kolleginnen, die sie in Karrierefragen berät und coacht.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

"Erfolg hängt für mich damit zusammen, dass man Chancen ergreift. Mein Weg in die Unternehmensberatung ist eher einem Zufall zu verdanken, denn nach dem Abitur habe ich Sprach-, Wirtschafts- und Kulturraumstudien studiert; hätte mich damals jemand gefragt, ob ich mich zukünftig in einer Unternehmensberatung sehe, hätte ich das sicher verneint.

Natürlich hängt Erfolg auch immer mit fachlichem Know-how zusammen, entscheidend ist aber, sich etwas zuzutrauen und bereit zu sein, auch ganz neue Themen anzugehen. Als Mentorin bei Accenture empfehle ich jüngeren Kolleginnen immer, sich aktiv zu positionieren, auch wenn Selbstmarketing keine weibliche Vorliebe ist. Die bevorstehende Herausforderung selbstbewusst anzupacken, ist wichtig. Nichts qualifiziert eine Frau besser für die nächsten Karriereschritte und eine mögliche Beförderung als Erfolg."

Welche Vor- und Nachteile hat man als Frau in der Arbeitswelt?

"Vor- und Nachteile in der Arbeitswelt sind für mich keine Frage des Geschlechts. Zu Beginn meiner Karriere in der IT-Beratung bei Accenture war ich oft die einzige Frau im Team und galt mit meinem geisteswissenschaftlichen Hintergrund, umgeben von Betriebswirtschaftlern und Informatikern, auch als Exot. Ich konnte allerdings von Anfang an Verantwortung übernehmen, und so waren mögliche Bedenken meiner männlichen Kollegen schnell vom Tisch.

Wenn Frauen überhaupt einen Nachteil in der Arbeitswelt haben, dann den, dass sie sich mitunter von den eigenen Selbstzweifeln ausbremsen lassen und sich fragen: Kann ich das überhaupt schaffen? Die wirklich wichtige Frage für das berufliche Weiterkommen ist doch: Wie kann ich das schaffen?"
 


Marketing-Chefin bei SAT.1

Veronika Heyne ist seit August 2007 bei ProSiebenSat.1. Nach ihrem BWL-Studium mit Schwerpunkt Medien- und Produktmanagement begann sie ihre Karriere als Trainee im Marketing/Produktmanagement. Anschließend wurde sie als Junior Brandmanager im Bereich Marketing des Senders ProSieben übernommen. Danach betreute sie als Marketing-Produktmanagerin die ProSieben-Serien und das Fiction-Programm von sixx. 2011 stieg sie zum Head of Marketing des Senders kabel eins auf und wurde wenig später zum Head of Marketing des Senders sixx. Gleichzeitig war sie Vice President Brand Management. Seit Dezember 2013 ist sie Head of Marketing SAT.1 und verantwortet in dieser Funktion das Marketing der Free-TV-Sender SAT.1 und SAT.1 Gold sowie des Pay-TV-Kanals SAT.1emotions.

Die Frauenquote kommt. Wie stehen Sie dazu?

"In meinen Augen sollten sich Unternehmen vor allem darauf konzentrieren, junge Talente konsequent zu fördern, damit sie sich schnell entwickeln können. In der Medienbranche, speziell bei ProSiebenSat.1, stellt sich die Quoten-Diskussion generell nicht so stark. Ein Drittel unserer Führungskräfte sind Frauen, darunter zwei unserer Sender-Geschäftsführer. Unser Unternehmen ist ein Beispiel dafür, dass Gleichberechtigung auch ohne Quote sehr gut funktionieren kann. In anderen Branchen ist vielleicht an dieser Stelle noch mehr zu tun."

Hätten Sie als Mann wohl andere Chancen gehabt?

"Das kann ich nicht beurteilen, in meiner Karriere war mein Geschlecht nie ein Thema. Ich denke, mir hat sicherlich geholfen, dass ich Veränderungen gegenüber offen eingestellt war und die Chancen, die mir gegeben wurden, aktiv genutzt habe.

Ein weiterer Punkt ist, dass ich schon während meines Studiums als Werkstudentin gearbeitet und diverse Praktika gemacht habe. Diesen Tipp kann ich auch Berufseinsteigern geben. Je mehr Praxiserfahrung man während des Studiums sammelt, umso besser. Ich hatte dadurch eine genaue Vorstellung, in welchem Bereich ich arbeiten möchte, und hatte einfach schon einen etwas breiteren Erfahrungshorizont, als ich in meinen Job gestartet bin – zum Beispiel wie man an ein Projekt herangeht oder in Gruppen arbeitet.

Und auch heute orientiere ich mich immer noch gerne an Kollegen, ganz egal ob Mann oder Frau, von denen ich etwas lernen kann und die für mich Vorbilder sind."
 


CEO beim Motorsport-Rennstall "Sauber"

Monisha Kaltenborn ist die erste Teamchefin überhaupt im Männerzirkus Formel 1. Seit 2010 ist die 1971 in Indien Geborene, die im Alter von acht Jahren mit ihren Eltern nach Wien auswanderte, Chief Executive Officer (CEO) der Sauber Motorsport AG. In dem Unternehmen ist sie seit dem Jahr 2000, wo sie zuerst in der Rechtsabteilung anfing und bereits ein Jahr später in die Geschäftsführung aufgenommen wurde. Nach ihrem Jurastudium an der Universität Wien (1990 bis 1995) legte sie 1996 einen Master of Laws in International Business Law an der London School of Economics nach.

Denken Sie, dass Frauen es in der Karrierewelt heutzutage immer noch einen Tick schwerer haben?

"Wenn man sieht, wie viele Top-Positionen auch heute noch von Männern besetzt sind, dann liegt der Schluss nahe, dass Frauen es nach wie vor schwerer haben. Es gibt absolut keinen Grund, weshalb Frauen das nicht leisten können."

Was geben Sie Berufseinsteigerinnen mit auf den Weg?

"Das Wichtigste ist, dass man konsequent seinen Weg geht und sich auch dann nicht entmutigen lässt, wenn es Widerstände gibt."
 

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