Geschlechterspezifische Bezahlung
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? | Foto: Thinkstock/nfedorova
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26. Jul 2016

Debora Bürth

Frauen & Karriere

Gender Pay Gap : Gleiche Bezahlung für alle?

Die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen muss sich schließen!

Was bedeutet Gender Pay Gap konkret?

Um den Gender Pay Gap zu errechnen wird das Gehalt von Männern und Frauen verglichen. In Deutschland lag 2015 der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen 21 Prozent unter dem Verdienst von Männern. Dieser Wert bleibt seit 2002 relativ konstant. Auch der Versuch der Bundesregierung diesen Unterschied bis 2010 auf 15 Prozent zu drücken, ist gescheitert. (Statistisches Bundesamt)

Bereinigte und unbereinigte Lücke

Diese Zahl relativiert sich, wenn man zwischen unbereinigter und bereinigter Lücke unterscheidet. Bei den von dem statistischen Bundesamt angegebenen 21 Prozent handelt es sich um die Angabe der unbereinigten Lücke. Dabei werden die Vollzeitgehälter von Frauen und Männern in einer Berufsgruppe verglichen, ohne Alter, Bildung etc. mit zu berücksichtigen.

Die bereinigte Lücke berechnet sich demnach aus dem Vergleich von Männern und Frauen mit gleichem Bildungsstand, Alter, Berufserfahrung etc. Dabei kam 2013 das statistische Bundesamt, aus den von ihnen erfassten Einflussfaktoren, dennoch auf einen prozentualen Unterschied zwischen den Gehältern von 8 Prozent. Diese 8 Prozent  lassen sich durch nichts anderes erklären, als eine Differenzierung durch das Geschlecht.

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern stand Deutschland 2011 übrigens an drittletzter Stelle, was den Vergleich der unbereinigten Lücke angeht. Ein Armutszeugnis für ein wirtschaftlich starkes und vorderscheinig liberales Land.

Geschlechterspezifische Berufsgruppen

Wer jetzt argumentiert, dass dies wohl nur in spezifischen Arbeitsbereichen der Fall ist, liegt falsch. Zwar gibt es Unterschiede in den Arbeitsgruppen und auch in den Bundesländern, aber in keinem Bereich der Gesellschaft verdienen Frauen mehr Geld als Männer. Klar solle es auch nicht das Ziel sein, dass Frauen nun mehr verdienen sollen als Männer, doch ist es mehr als bezeichnend, dass Frauen noch nicht mal in den Bereichen besser bezahlt werden, in denen sie stark vertreten sind.

Gründe für den Gender Pay Gap

Diese Lücke der Gehälter zu erklären ist nicht einfach, doch man kann den Fakt nicht abschütteln, dass diese Lücke existiert. Außerdem ist der Gender Wage Gap nur Symptom der eigentlichen Probleme, die in der bundesweiten Berufswelt herrschen.

Zwar hat sich viel bewegt in den letzten Jahrzehnten, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern soll, nicht desto trotz werden Frauen in ihrer Karriereplanung immer noch benachteiligt, allein aus dem Grund, dass davon ausgegangen wird, dass die Frau für Kindererziehung zuhause bleiben. Dabei gibt es mittlerweile, zumindest in der Theorie, viele Möglichkeiten, in denen die Kindererziehung aufgeteilt werden könnte, wie zum Beispiel mit der Elternzeit.

Aber auch die Elternzeit wird immer noch vermehrt von Frauen wahrgenommen. Dass es auch anders gehen kann zeigen Länder, wie Frankreich, in denen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wesentlich besser funktioniert, als bei uns.

Aber auch Frauen ohne Kinder werden geringer entlohnt. Also steht hinter dem Gender Pay Gap noch viel mehr als die Benachteiligung aufgrund von Familienplanung. Mit hinein spielt auch die Wahl von Berufen. Frauen wählen immer noch weniger Berufe in Technik und Naturwissenschaft. Meist werden diese Berufe besser entlohnt, als im sozialen Bereich. Zudem beziehen Frauen immer noch weniger Führungspositionen als Männer.

Eine ausführliche Erklärung, worin diese Lücke zu begründen ist, ist fest verankert in der Sozialisation von Männern und Frauen. Besonders Faktoren wie Erziehung, Bildung, Berufswahl, aber auch Verhandlungsgeschick spielen für das Gehalt eine Rolle. Aus eben diesen Faktoren lässt sich der Gender Pay Gap erklären, da diese von der Sozialisation des Geschlechts determiniert werden.

Equal Pay Day

Um auf den Unterschied im Lohn aufmerksam zu machen wird jährlich von der BPW (Business and Professional Women) der Equal Pay Day ausgerechnet. Gezählt wird vom 01. Januar eines Jahres bis zu dem Zeitpunkt den Frauen rein rechnerisch, anhand des Gender Wage Gap, ohne Bezahlung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen arbeiten müssten. Im nächsten Jahr ist es der 18. März 2017. Das sind 77 Tage!

Allerdings geht es auch hier weniger darum sich an einer Zahl aus einer Statistik aufzuhängen, sondern ein Bewusstsein für die geschlechterspezifische Bezahlung und ihrer facettenreichen Begründung zu schaffen.

Warum sich überhaupt aufregen?

Als Autorin dieses Textes gehöre ich selbst zu der Spezies, die von dem Gender Pay Gap betroffen sein könnte. Es ist für mich selbstverständlich auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Doch die geschlechterdifferenzierte Entlohnung sollte uns alle angehen – Frauen UND Männer. Man(n) sollte sich fragen, ob man(n) in einer Gesellschaft leben möchte, die aufgrund von Geschlecht diskriminiert. Dieses Problem geht also  auch Personen des vermeintlich "starken Geschlechts" an.
 

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