Die Werbungskosten - so bekommst du am meisten wieder
Werbungskosten - es wird Zeit für die Steuererklärung! | Foto: Thinkstock/structuresxx
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20. Mär 2017

Stefan Schröter

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Die Steuererklärung - Werbungskosten

So setzt du deine Werbungskosten optimal ab!

Allgemeines

Die Steuererklärung muss jedes Jahr zum 31. Mai eingereicht werden. Nimmst du dir einen Steuerberater, wird diese Frist bis zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres verlängert. Du kannst im Ausnahmefallauch eine reguläre Verlängerung der Frist beantragen. Es ist außerdem möglich die Erklärung rückwirkend für die letzten 4 Jahre einzureichen, das heißt, dass du auch im Jahr 2014 noch die Steuererklärung von 2010 bei deinem zuständigen Finanzamt abgeben kannst. Du hast außerdem die Möglichkeit deiner Steuererklärung klassisch auf Papier oder elektronisch einzureichen. Hierbei solltest du beachten, dass die elektronische Erklärung meistens schneller bearbeitet wird. Außerdem ist sie für Anfänger oft leichter zu überblicken, da nur die für dich relevanten Formulare angezeigt werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass du die jeweiligen Belege für die Beträge einreichst, die du absetzen möchtest. Wichtig: Steuern bzw. deine Steuererklärung werden erst nötig, wenn du den Grundfreibetrag von 8130 Euro im Jahr überschreitest.

Die Werbungskosten

Der größte Posten, den Arbeitnehmer von der Steuer absetzen können, sind die Werbungskosten. Sobald diese höher als 1000  Euro im Jahr sind, kannst du mit einer Rückzahlung rechnen. Welche Posten unter diesen Punkt fallen, erfährst du jetzt:

Die Reisekosten für den Arbeitsweg

Hierunter fällt die Anreise zu deiner Arbeitsstelle. Diese ist, egal wie du zur Arbeit kommst, ob per Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln, mit einem Betrag von 0,30 Euro pro vollen Kilometer absetzbar. Dabei wird die Strecke einfach gerechnet, sprich einmal von deinem Wohnort zur Arbeitstelle über die kürzeste Straßenverbindung. Der maximale Erstattungsbetrag liegt dabei bei 4500 Euro. Wenn du jedoch beispielweise deinen eigenen PKW nutzt, kann das Finanzamt auch einen höheren Betrag berücksichtigen. Du kannst übrigens als regelmäßiger Pendler auch einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen: Dann werden schon im laufenden Jahr deine Werbungskosten bei deinem Lohnsteuerabzug berücksichtigt.

Beruflich genutzte Arbeitsmittel

Hierbei handelt es sich um Arbeitsmittel, die du für deine tägliche Arbeit benötigst. Dabei kann es sich um Fachliteratur, einen Laptop oder die eigene Aktentasche handeln. Solange der jeweilige Gegenstand zu 90 Prozent für die Arbeit genutzt wird, kann er von der Steuer abgesetzt werden. Alles bis zu einem Betrag von 410 Euro netto ist sofort und komplett absetzbar. Höhere Kosten müssen über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Sollte das Finanzamt anzweifeln, dass du die jeweiligen Arbeitsmittel hauptsächlich beruflich nutzt, kannst du möglicherweise einen anteiligen Kostenabzug geltend machen.

Fortbildungskosten

Unter diesem Punkt werden alle Kosten für Fort- und Weiterbildung zusammengefasst, die nach deiner Ausbildung anfallen. Dabei ist es wichtig, dass diese Fortbildung in einem engen Zusammenhang mit dem ausgeübten Beruf steht und die Zustimmung des Arbeitgebers vorliegt, die Fortbildung also in erster Linie im Interesse des Arbeitgebers erfolgt. Hier können beispielsweise Kursgebühren oder andere Kosten, die mit der jeweiligen Fortbildung im Zusammenhang stehen, abgesetzt werden.

Beruflich veranlasste Reisekosten

Als Reisekosten kannst du bei dienstlich veranlassten Reisen beispielsweise Fahrtkosten, Übernachtungskosten, Verpflegungskosten und ähnliches absetzen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Reise auch tatsächlich dienstlich durchgeführt wurde, also zum Beispiel vom Arbeitgeber veranlasst wurde. Hat die Reise sowohl einen privaten als auch geschäftlichen Zweck, können die Kosten in einen privaten und einen dienstlichen Teil aufgeteilt werden. Übernachtungskosten sollten immer mit einer Rechnung nachgewiesen werden, Reisekosten werden entweder über den konkreten Betrag des Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel oder über eine Kilometerpauschale abgerechnet.

Kosten für Berufskleidung und Reinigung

Solltest du für deinen Beruf bestimmte Berufskleidung benötigen, kannst du diese von der Steuer absetzen, solange sie anerkannt ist. Dazu gehören zum Beispiel Schutzkleidung, wie Arbeitsschuhe, Laborkittel, Uniformen für beispielsweise Richter oder auch die Sportkleidung von Sportlehrern. Voraussetzung für eine Anerkennung ist, dass die Kleidung berufstypisch und für den Beruf notwendig ist. Kannst du die Kleidung außerhalb des Berufes tragen, kannst du sie nicht absetzen, da es sich dann um "normale" Kleidung handelt. Kannst du deine Kleidung absetzen, ist es in der Regel auch möglich die Reparatur und Reinigung abzusetzen. Dafür gibt es eine spezielle Reinigungskostenpauschale, da die Kosten geschätzt werden müssen, wenn du die Kleidung selbst wäschst.

Umzugskosten

Wenn du einen Umzug aus beruflichen Gründen durchführst, z.B. weil sich dadurch dein Arbeitsweg verkürzt und du eine Zeitersparnis von mindestens einer Stunde erhältst, kannst du diesen von der Steuer absetzen. Der Wert von einer Stunde gilt dabei für Hin- und Rückfahrt, das heißt, dein Anfahrtsweg muss sich pro Strecke um mindestens 30 Minuten verkürzen. Auch wenn der Arbeitgeber deinen Umzug veranlasst, gilt das als Umzug aus dienstlichen Gründen. Kosten, die übernommen werden, sind unter anderem Transportkosten, doppelte Mietzahlungen oder Fahrtkosten.

Mehraufwand durch doppelte Haushaltsführung

Wohnst du in Berlin und unterhältst zum Beispiel in München einen zweiten Wohnsitz, dann kannst du die Kosten für diesen von der Steuer absetzen. Voraussetzung dafür ist beispielsweise eine Versetzung oder ein neues Beschäftigungsverhältnis in einer anderen Stadt. Solange sich dein Lebensmittelpunkt in deinem Hauptwohnsitz abspielt, gilt die Wohnung am Arbeitsort als Zweitwohnung. Kosten wie Miete oder Fahrtkosten können in diesem Fall von der Steuer abgesetzt werden. Achtung: Als Hauptwohnsitz gilt nicht ein Zimmer im Haus der Eltern, auch wenn du dich beispielsweise an der Miete beteiligst.

Kosten der Stellensuche

Auch deine Ausgaben bei der Jobsuche kannst du in deine Steuererklärung aufnehmen. Sowohl Dinge, die dir bei dem Verfassen deiner Bewerbung helfen, wie zum Beispiel Fachbücher können abgesetzt werden, als auch die Materialien deiner Bewerbung, wie Bewerbungsmappen. Auch Zeitschriften mit Stellenanzeigen oder das Aufgeben von Stellenanzeigen in einschlägigen Zeitschriften sind steuerlich absetzbar. Zum Nachweis solltest du eine genaue Auflistung der einzelnen Posten haben und mit deiner Steuererklärung einreichen.
 


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