Mindestlohn – ein Überblick
Bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um den Mindestlohn zu erhalten | GettyImages/Traimak_Ivan
Autor

02. Mai 2019

Celina Kumpernatz

Gehalt & Finanzen

Mindestlohn im Praktikum – in diesen Fällen hat man Anspruch auf Gehalt

Inhaltsverzeichnis

  1. Überblick Mindestlohn
  2. Mindestlohn während Praktikum
  3. Ausnahmen
  4. Risiko für Praktikanten
  5. Mindestlohn während Auslandpraktika
  6. Gehaltsfrage klären

Der Mindestlohn im Überblick

Seit dem 1. Januar 2019 erhält man in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 9,19 Euro pro Stunde als Vergütung für seine erbrachte Arbeitsleistung. Der Mindestlohn soll allgemein sicherstellen, dass Erwerbstätige bei einer 40-Stunden-Woche, also bei einem Vollzeitjob, mithilfe des Einkommens ihren Alltag bestreiten können. Durch den aufgestockten Mindestlohn erhalten Erwerbstätige somit monatlich ein Gehalt von 1470 Euro brutto. Ziel ist es, diesen Betrag alle zwei Jahre anzupassen.

Der Anspruch auf Mindestlohn während des Praktikums

Auch Praktikanten haben während ihres Praktikums einen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Doch dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, um den Anspruch geltend zu machen.

Hier findest du einen Überblick zu den Voraussetzungen:

Du musst mindestens 18 Jahre alt sein, denn der gesetzliche Mindestlohn gilt nur für Erwachsene. Bist du noch minderjährig, hast aber schon eine Berufsausbildung abgeschlossen, hast du ebenfalls einen Anspruch. So soll verhindert werden, dass Praktikanten aufgrund des im Vergleich höheren Mindestlohns auf eine Berufsausbildung verzichten. Denn mit einer Berufsausbildung hast du langfristig bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen sowie bessere Gehaltsaussichten, da mit einer Ausbildung bessere Aufstiegschancen einhergehen als mit einem Job, der den Mindestlohn bezahlt.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass dein Praktikum länger als drei Monate dauern sollte. Absolvierst du ein kürzeres Praktikum, besteht der Anspruch auf den Mindestlohn nicht. Das liegt daran, dass du als Praktikant, besonders in der ersten Zeit, viel Unterstützung und Einarbeitung seitens des Unternehmens benötigst. Einen wirtschaftlichen Erfolg trägst du erst bei, wenn du schon länger und selbstständiger in dem Unternehmen arbeitest.

Möchtest du ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum absolvieren, das länger als drei Monate dauert, hast du ebenfalls einen Anspruch auf den Mindestlohn während der Praktikumszeit. Dann erhältst du ab dem ersten Tag mindestens eine Vergütung von 9,19 Euro pro Stunde.

Ein Vorteil für Hochschulabsolventen bringt der Mindestlohn, wenn du bereits ein Studium abgeschlossen hast und dich danach für ein Praktikum entscheidest, denn dann steht dir ohne zeitliche Beschränkung der Mindestlohn zu.

Diese Ausnahmen vom Mindestlohn gibt es

Neben den Vorteilen eines gesetzlichen Mindestlohns während eines Praktikums, gibt es auch einige Nachteile, denn viele Ausnahmen erschweren den Erhalt des Mindestlohns.

Das sind die Ausnahmen für den Erhalt des Mindestlohns während eines Praktikums:

Handelt es sich bei deinem Praktikum um ein Pflichtpraktikum, kannst du keinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn geltend machen. Ein Pflichtpraktikum wird von der Schule, dem Ausbildungsbetrieb oder einer Hochschule vorgeschrieben. Auch bei einer Berufsausbildungsvorbereitung oder einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung darfst du mit keiner Vergütung rechnen. In diesen Fällen spielt auch die Dauer deines Praktikums keine Rolle.

Möchtest du ein freiwilliges Praktikum absolvieren, damit du dir einen ersten Eindruck über einen bestimmten Bereich verschaffen kannst oder einfach, um noch mehr Erfahrung vorweisen zu können, und dieses dauert maximal drei Monate, muss ein Unternehmen dir ebenfalls nicht den gesetzlichen Mindestlohn zahlen. Du hast nur einen Anspruch auf eine Vergütung während eines freiwilligen Praktikums, wenn dieses weder Bestandteil deiner Ausbildung noch deines Studiums ist. Außerdem muss das Praktikum länger als drei Monate dauern. Verlängert sich dein dreimonatiges Praktikum, wird der Mindestlohn in der Regel rückwirkend für die letzten drei Monate gezahlt. Es kann jedoch auch erst ab dem ersten Tag der Verlängerung gelten. Eine weitere Ausnahme bei einem freiwilligen Praktikum greift, wenn du bereits in einem Unternehmen als Praktikant für drei Monate gearbeitet hast und zu einem späteren Zeitpunkt erneut als Praktikant in dieses Unternehmen zurückkehrst, beginnt somit dein vierter Praktikumsmonat und du hast einen direkten Anspruch auf den Mindestlohn.

Die Dauer während eines Praktikums nimmt also eine wichtige Rolle bei der Frage bei dem Anspruch auf den Mindestlohn ein. Viele Arbeitgeber entscheiden auch selbst, wie viel Verdienst sie während eines Praktikums, das länger als drei Monate dauert, zahlen, die Untergrenze ist dann jedoch der Mindestlohn. Planst du beispielsweise ein sechsmonatiges Praktikum, ist dir ein Verdienst während dieser Zeit sicher.

Stellt der Mindestlohn ein Risiko für Praktikanten dar?

Der Mindestlohn bleibt ein gern diskutiertes Thema – überwiegen die Vor- oder die Nachteile? Ein bedeutender Vorteil des Mindestlohns ist, dass durch diesen un- oder unterbezahlte Arbeit bekämpft werden soll. Auch Praktikanten leisten während eines Praktikums wertvolle Arbeit wie andere Arbeitnehmer und sollten dafür entlohnt werden. Ein möglicher Nachteil könnte jedoch sein, dass Unternehmen keine Praktika mehr anbieten, die länger als drei Monate dauern, um den Praktikanten kein Gehalt mehr zahlen zu müssen. Der größte Lerneffekt während eines Praktikums wird meist jedoch erst nach drei Monaten im Unternehmen sichtbar.

Anspruch auf Mindestlohn bei Auslandspraktika

Der gesetzliche Mindestlohn gilt in erster Linie nur für Deutschland, hast du dich jedoch für ein Praktikum im Ausland entschieden, besteht auch dort die Möglichkeit den Mindestlohn zu erhalten.

Das sind die Voraussetzungen:

  • Ein freiwilliges Praktikum erhält einen Anspruch auf den Mindestlohn.
  • Dein Praktikumsvertrag muss nach deutschem Recht abgeschlossen sein, beispielsweise wenn du für ein deutsches Unternehmen mit einer Niederlassung im Ausland arbeitest.
  • Die Dauer deines Praktikums beträgt mindestens drei Monate.

Vor dem Praktikum die Gehaltsfrage klären

Um dir vor deinem Praktikumsantritt ganz sicher sein zu können, ob du einen Anspruch auf den Mindestlohn während des Praktikums hast, solltest du vorher alle wichtigen Fragen vor dem Praktikumsantritt klären. Frage schon im Vorstellungsgespräch, ob du einen Anspruch auf einen Mindestlohn hast und wie hoch die Vergütung ausfällt. Ansonsten wirf rechtzeitig einen Blick in den Praktikumsvertrag, bevor du ihn unterschreibst. In dem Praktikumsvertrag müssen alle wichtigen Informationen schriftlich festgehalten werden – dazu zählen neben der Entlohnung beispielsweise auch die Dauer deines Praktikums, deine Arbeitszeiten oder wie viele Urlaubstage du während des Praktikums hast.

Diese Themen könnten dich auch interessieren
Bestbezahlte Berufe 2020 - die Top 24 Jobs

Bestbezahlte Berufe 2020

Nach der Schule ist vor dem Berufsleben: Bei der Wahl des richtigen Jobs für die Zukunft ist die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten von großer Bedeutung. Gerne möchte man einen Beruf... mehr »
Arbeitslosengeld nach Ausbildung - so geht es weiter

Arbeitslosengeld nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen werden – das ist oft die Regel, aber noch lange keine Garantie. Oft kümmern sich Auszubildende nicht rechtzeitig, um die... mehr »