Interkulturelle Kompetenz
Durch internationale Beziehungen wird in vielen Berufsbranchen interkulturelle Kompetenz immer wichtiger. | Foto: monkeybusinessimages/Getty Images
Autor

25. Jun 2020

Lina Wiggeshoff

Weiterbildung

Interkulturelle Kompetenz: Darauf kommt es in Job und Alltag an!

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Voraussetzungen
  3. Job
  4. Bewerbungsgespräch
  5. Interkulturelles Lernen
  6. Alltag
  7. Knigge
  8. Modelle
  9. FAQ
  10. Überblick

Definition

Interkulturelle Kompetenz ist ein Soft Skill, der es dir ermöglicht, mit Menschen aus verschiedenen Kulturen erfolgreich zu kommunizieren. Diese soziale Kompetenz beginnt bei einer offenen Haltung gegenüber anderen Kulturen, geht über die jeweilige Sprache bis hin zu speziellen Bräuchen im jeweiligen Land. Durch Interkulturelle Kompetenz kannst du dich auf andere Kulturen einlassen und schaffst so eine interkulturelle Kommunikation, also eine Kommunikation zwischen zwei Kulturen. Interkulturelle Kompetenz wird deshalb von einigen Arbeitgeber / -innen als Schlüsselqualifikation gesehen.

Voraussetzungen für Interkulturelle Kompetenz

Um Interkulturelle Kompetenz zu entwickeln, müssen einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein. Du solltest zunächst einmal offen sein, neue Dinge kennenzulernen und ganz ohne Vorurteile an andere Kulturen herantreten. Toleranz ist dabei ein großes Stichwort. Es ist wichtig, sich auf Augenhöhe zu begegnen und jeden so zu akzeptieren, wie er ist. Nur durch diese Offenheit und Unvoreingenommenheit wird Interkulturelle Kompetenz möglich. 

Im Job

Natürlich kommt es individuell auf deinen Job an, ob Interkulturelle Kompetenz gefragt ist. Zwar gibt es internationale Beziehungen mittlerweile in immer mehr Jobs, trotzdem ist diese soziale Kompetenz in verschiedenen Branchen unterschiedlich stark gefragt. Wir stellen dir die Berufsgruppen vor, in denen Interkulturelle Kompetenz besonders wichtig ist.

1. Soziale Berufe

In vielen sozialen Berufen kommst du mit Menschen aus verschiedenen Kulturen in Kontakt und musst mit ihnen arbeiten. Wenn du also einen Beruf mit Menschen wählst, kann Interkulturelle Kompetenz eine wichtige Eigenschaft sein.

Als Lehrer / -in zum Beispiel ist es wahrscheinlich, dass du auch Schüler /-innen aus anderen Ländern unterrichtest. Für den feinfühligen Umgang ist Interkulturelle Kompetenz entscheidend. Genau das Gleiche gilt auch für den Beruf des/der Integrationshelfers / -in. Hier ist es deine Aufgabe, zum Beispiel Kinder mit Migrationshintergrund zu unterstützen. 

2. Reisebranche

Wer in der ganzen Welt unterwegs ist, sollte sich mit den Kulturen der einzelnen Länder gut auskennen. Für Jobs in der Reisebranche ist Interkulturelle Kompetenz deshalb wichtig. Arbeitest du beispielsweise als Pilot / -in oder im Tourismus geht es in deinem Alltag oft darum, mit Menschen aus anderen Ländern zu kommunizieren und auch viele Länder zu bereisen

3. Vertrieb

Viele Unternehmen haben mittlerweile Kunden / -innen aus der ganzen Welt. Arbeitest du in einer solchen Firma im Vertrieb, ist es deine Aufgabe, angemessen mit diesen Kunden / -innen zu kommunizieren. Dazu gehört nicht nur, dass du die jeweilige Sprache beherrschst, sondern, dass du dich auch damit auskennst, wie du mit ihnen höflich verhandeln kannst. Du solltest zum Beispiel wissen, ob Geschenke in den jeweiligen Ländern gern gesehen werden. Interkulturelle Kompetenz ist also auch hier entscheidend. 

4. Politik

Auch in der Politik hast du oft mit Akteuren / -innen aus verschiedenen Ländern zu tun. Arbeitest du also als Politikwissenschaftler / -in zum Beispiel in internationalen Organisationen oder Stiftungen, besteht dein Alltag daraus, mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenzuarbeiten. Interkulturelle Kompetenzen sind deshalb in der Branche sehr gefragt.

Im Bewerbungsgespräch

Deine Interkulturelle Kompetenz kannst du bereits mit in deine Bewerbung und ins Bewerbungsgespräch einbringen. Dafür könntest du zum Beispiel deine Sprachkenntnisse betonen. Sprichst du beispielsweise viele Fremdsprachen, hilft dir das in der Kommunikation mit vielen anderen Kulturen. Auch deine Weltoffenheit kannst du im Bewerbungsgespräch ansprechen, zum Beispiel wenn du in deiner Freizeit viel reist und dabei auch die Kulturen näher kennenlernst.

Interkulturelle Kompetenz Bewerbungsgespräch

Interkulturelles Lernen

Eine Möglichkeit, deine Interkulturelle Kompetenz zu verbessern, ist, viel Zeit in anderen Ländern zu verbringen und dort die Kulturen kennenzulernen. Du könntest die Gelegenheit nach dem Abitur nutzen und ein Jahr ins Ausland gehen, um dort zu arbeiten. Auch ein Studium im Ausland ist eine gute Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen.

Interkulturelle Kompetenz im Alltag

Nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Alltag ist Interkulturelle Kompetenz eine sehr hilfreiche Fähigkeit. Zum einen kannst du dich so im Urlaub voll und ganz auf die Kultur eines Landes einlassen und dich auch mit Einheimischen unterhalten. Zum anderen spielt diese Offenheit für andere Kulturen auch im direkten Umfeld eine Rolle. In Deutschland leben zum Beispiel Menschen mit ganz unterschiedlichen Religionen. Durch Interkulturelle Kompetenz kannst du angemessen mit Menschen kommunizieren, egal, welchen kulturellen Hintergrund sie haben. Durch Unvoreingenommenheit und Respekt kannst du zudem noch viel mehr über andere Kulturen erfahren.

Knigge - Praxistipps für interkulturell angemessenes Verhalten

Eine Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen wird von mehreren Faktoren geprägt. Wir sagen dir, in welchen Bereichen es kulturelle Unterschiede gibt und wie diese aussehen.

1. Sprache

Zur Interkulturellen Kompetenz gehört natürlich zuerst einmal die Sprache. Um sich mit Menschen aus anderen Kulturen unterhalten zu können, solltest du ihre Sprache beherrschen. Natürlich wird zum Beispiel in vielen Teilen der Welt Englisch gesprochen. Um aber wirklich in eine Kultur einzutauchen, ist das Erlernen der Landessprache unverzichtbar. Bei einem geschäftlichen Treffen solltest du zumindest einige Worte in der Landessprache deines Gegenübers lernen, zum Beispiel die Begrüßung, um einen guten Eindruck zu machen.

2. Begrüßung

Zu einer Kommunikation gehört aber nicht nur die Sprache, sondern auch Gestik und Mimik. Diese fängt schon bei der Begrüßung an. Nicht in jedem Kulturkreis ist Körperkontakt zur Begrüßung, also zum Beispiel ein Händeschütteln, angemessen. In einigen Ländern wird eher die körperliche Distanz gewahrt. In Japan und China zum Beispiel verbeugt man sich zur Begrüßung.

3. Pünktlichkeit

Auch auf die Frage, was genau "pünktlich sein", zum Beispiel bei einem verabredeten Meeting, bedeutet, gibt es auf der Welt unterschiedliche Antworten. In Frankreich beispielsweise gilt auch 15 Minuten zu spät zu kommen noch als pünktlich, im asiatischen Raum dagegen sollte man lieber schon einige Minuten früher da sein.

4. Essen und Trinkgeld

Apropos unhöflich: Auch die Höflichkeit ist wie die Pünktlichkeit eine Definitionssache in verschiedenen Kulturen. Das bezieht sich beispielsweise auch auf das Essen und Trinken. Falls du zum Beispiel in einem anderen Land zu einem Geschäftsessen eingeladen bist, informiere dich vorher noch einmal genau darüber, welches Verhalten als höflich und was eher als unhöflich gilt. 

Schlürfen und Rülpsen sind in Japan beim Essen zum Beispiel alles andere als unhöflich, sondern viel mehr ein Zeichen, dass es dir schmeckt. In Indien könnte es dir passieren, dass du vergeblich nach Besteck suchst, dort wird nämlich mit den Händen gegessen, genauer gesagt mit der rechten Hand.

Auch in Sachen Trinkgeld gibt es Unterschiede von Land zu Land. In China beispielsweise ist es unüblich, in den USA sind 15 bis 20 Prozent die Regel. 

Modelle aus der Wissenschaft

Auch in der Wissenschaft beschäftigt man sich viel mit dem Themenfeld der Interkulturellen Kompetenz. Die Theorien dort lassen sich in drei verschiedene Typen einteilen.

1. Listenmodelle

Bei den Listenmodellen handelt es sich meist um eine Aufzählung von verschiedenen Kompetenzen, die zusammen die Interkulturelle Kompetenz ergeben. Dazu gehören dann zum Beispiel Toleranz, Offenheit und Empathie. Die Kompetenzen haben hierbei keine genaue Reihenfolge.

2. Strukturmodelle

Auch die Strukturmodelle sehen in der Interkulturellen Kompetenz ein Zusammenspiel aus vielen Einzelkompetenzen. Allerdings sind diese im Strukturmodell, wie der Name schon sagt, strukturiert. Die einzelnen Komponenten sind dabei zum Beispiel in kognitive, affektive und behavioristische Teilkompetenzen unterteilt.

3. Prozessmodelle

Prozessmodelle setzen eine wesentlich höhere Komplexität von Interkultureller Kompetenz voraus. Sie wird als ein Zusammenspiel verschiedener Ebenen gesehen. Sowohl die eigene Handlungskompetenz und Empathiefähigkeit spielen eine Rolle, als auch externe, situative Einflüsse. Die Kompetenz hat hier also einen dynamischen Charakter und entsteht immer wieder aus einem Prozess, der auch von Situation zu Situation unterschiedlich sein kann.

FAQ

Was versteht man unter interkultureller Kompetenz?

Interkulturelle Kompetenz ist eine soziale Fähigkeit, die es dir ermöglicht, mit Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zu interagieren.

Wie wichtig ist die interkulturelle Kompetenz?

Interkulturelle Kompetenz ist durch die zunehmende Globalisierung auch in der Arbeitswelt eine wichtige Fähigkeit. Viele Arbeitgeber / -innen legen deshalb Wert darauf, dass du dich mit verschiedenen Kulturen auskennst.

Was ist eine interkulturelle Kommunikation?

Eine interkulturelle Kommunikation ist eine Kommunikation zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen. Dazu gehört nicht nur die Sprache, sondern auch Gestik und Mimik, die sich von Kultur zu Kultur unterscheiden können.

Überblick

  • Interkulturelle Kompetenz ermöglicht dir eine erfolgreiche Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturen.
  • Voraussetzung für eine Interkulturelle Kompetenz sind Toleranz und Offenheit.
  • Gefragt ist dieser Soft Skill vor allem in Jobs in Sozialen Berufen, im Vertrieb und in der Politik
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