Lohnt sich ein MBA?
Ist ein Master of Business Administration wirklich ein Karrieregarant? | Foto: Unsplah
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10. Mai 2017

Janna Degener-Storr

Weiterbildung

Lohnt sich ein MBA?

Master of Business Administration

Gesunder Ego-Kick

Anna Nobile spricht von Hause aus Deutsch, Italienisch und Französisch. Im Bachelor "Asienwissenschaften" lernte sie noch Chinesisch dazu. Aufgrund dieser Mehrsprachigkeit bekam sie gleich nach dem Studienabschluss einen Job als Sachbearbeiterin in einer Logistikfirma.

Kurz darauf wechselte sie zu einem produzierenden Unternehmen, wo sie als Vertriebsassistentin einsteigen konnte. Doch die Asienwissenschaftlerin wollte noch höher hinaus und entschied sich für den MBA – ohne eine konkrete Aufstiegsposition im Auge zu haben.

Annas Plan hätte gut in die Hose gehen können, denn der MBA bietet nun wirklich keine Aufstiegsgarantie. Doch sie hatte Glück: Als sie den MBA in der Tasche hatte, wurde die Stelle ihrer Chefin frei. Und sie bekam den Job!

Den Master-Abschluss hätte sie dafür zwar nicht gebraucht. Dennoch ist Anna sicher, dass sie ohne Zweitstudium keine Chance auf den Job gehabt hätte: "Das Wissen, dass ich ein anspruchsvolles Studienprogramm neben dem Vollzeitjob geschafft habe, hat mich persönlich wachsen lassen. Diese Souveränität und Selbstsicherheit war es letztlich, die meinen Arbeitgeber überzeugte."

Austausch mit anderen Praktikern

Lucas Trunk stieg nach seinem Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen im Vertrieb eines Maschinenbauunternehmens ein. Nach drei Jahren ergab sich dann für ihn die Möglichkeit, Assistent der Geschäftsführung Finanzen zu werden. Lucas Trunk nutzte die Chance, einen Einblick in die Bereiche Internationales, Controlling, Finanzen, Einkauf und IT zu bekommen.

Weil er in der Position häufig vor sehr komplexen Fragen mit großer Tragweite stand, wünschte er sich ein vertieftes methodisches Know-how, so dass er sich – mit Unterstützung seines Arbeitgebers – für einen MBA entschied.

Inzwischen steht er kurz vor dem Abschluss. Ob er aufsteigen wird, weiß er noch nicht. Doch er zieht jetzt schon eine positive Bilanz: "Ein Masterstudium parallel zum Vollzeitjob zu absolvieren, ist schon eine große Belastung. Aber es hat sich gelohnt, denn ich konnte die Fragen aus dem Job mit meinen Kommilitonen diskutieren und habe auch viel von ihren Erfahrungen gelernt. Am Arbeitsplatz gehe ich die Themen jetzt noch strukturierter an als vorher."


Ein MBA ist keine Karrieregarantie

UNICUM BERUF: Wann raten Sie zum MBA?
Christoph Boldt: Wenn Interessenten zum Beispiel als Ingenieur oder in bestimmten Vertriebsberufen arbeiten, wenn sie sich kaufmännisch weiterbilden wollen und wenn in Bezug auf die berufliche Sphäre nichts dagegen spricht, können sie vom MBA profitieren.

Auch für andere Interessent/innen, die die Option haben, im strategischen Management oder im oberen operativen Management eines Unternehmens weiterzukommen, kann der MBA eine interessante Möglichkeit sein. Für gewerblich-technische Berufe und Berufe, in denen betriebswirtschaftliche Themen nicht im Vordergrund stehen, stellt der MBA ebenso eine sehr sinnvolle Ergänzung dar.

Wann raten sie generell von einem MBA ab?
Wer seinen Abschluss vor längerer Zeit erworben und dann viel Berufserfahrung gesammelt hat, ist oft nicht mehr bereit oder in der Lage, etwas Neues zu lernen. Und auch diejenigen, deren Abschlüsse noch nicht lange zurückliegen, haben oft alles Mögliche gemacht, den Berufseinstieg aber noch nicht geschafft.

Häufig erhoffen sich diese Menschen, dass der MBA ihnen Türe und Tore öffnet. Aber das ist in der Regel nicht der Fall. Nur diejenigen, die die Voraussetzungen durch den beruflichen Hintergrund schaffen, können ihren Nutzen aus dieser Qualifikation ziehen.

Wie findet man eine geeignete Hochschule?
Wenn ein Anbieter seine zukünftigen MBA-Aspiranten zu einer Veranstaltung einlädt, wo Absolventen über ihre berufliche Weiterentwicklung sprechen, ist das eindeutig ein Qualitätskriterium. Hilfreich ist außerdem ein Blick in die Gutachten, die die Akkreditierungsstellen den Studiengängen ausstellen. Gute Einrichtungen veröffentlichen diese Berichte. Schwarze Schafe erkennt man an unzweideutigen Formulierungen, in denen Verbesserungsvorschläge für die Lehre gemacht werden.

Und wenn die Prüfungsordnungen für den MBA ständig verändert werden, deutet das entweder auf Probleme in der Lehre oder auf eine große Fluktuation der Dozenten hin. Im Zweifelsfall sollte man Kontakt zur Hochschule aufnehmen und um eine Stellungnahme bitten.

Welche Finanzierungmöglichkeiten gibt es?
Es gibt Stipendien und die Möglichkeit, das Studium privat zu finanzieren oder einen Studienkredit aufzunehmen. Und wenn die Chancen auf Aufstieg gut sind, übernehmen die Arbeitgeber häufig zumindest einen Teil der Kosten.
 

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